01.07.2016
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Umweltschäden im Rhein-Erft-Kreis: Wenn Wald zur Müllkippe wird

Revierleiter Frank Pechtheyden zeigt einen skurrilen Fund. An der Zufahrt zum Parkplatz am Liblarer See entdeckt er Rindenmulch, verpackt in umweltschädliche Plastiksäcke.

Revierleiter Frank Pechtheyden zeigt einen skurrilen Fund. An der Zufahrt zum Parkplatz am Liblarer See entdeckt er Rindenmulch, verpackt in umweltschädliche Plastiksäcke.

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Komuth

Rhein-Erft-Kreis -

„Auf so eine Nummer muss man erst mal kommen“ sagt Frank Pechtheyden, Revierleiter des Forstbetriebsbezirks Ville-Seen beim Regionalforstamt Rhein-Sieg-Erft. In einer Lichtung mitten im Wald zeigt er auf die üble Bescherung. Ein komplettes, hölzernes Kinderklettergerüst liegt zerlegt in einer Lichtung. Mit einem Spezialschlüssel sei die Schranke an der Zufahrt zum Waldweg geöffnet, dann alles bis zur Lichtung gekarrt und schließlich auch noch zerlegt worden. „Das Holz hätte gut als Brennholz gedient, die Metallteile besitzen Materialwert“, sagt der Revierleiter. Der Fund gibt ihm genauso Rätsel auf wie andere Hinterlassenschaften im Naherholungsgebiet. So wie an der Zufahrt des Parkplatzes am Liblarer See. Ausgerechnet das Naturprodukt Rindenmulch wurde in umweltschädlichen Plastiksäcken verpackt wild entsorgt.

„Manchmal entdecke ich Stellen, wo Leute ihren gesamten Hausrat illegal entsorgt haben. Das ist umso unverständlicher, weil die Mülldeponie gleich um die Ecke liegt. Vermutlich haben die Leute die Öffnungszeit der Deponie verpasst“, so Pechtheyden. Überdies werde Sperrmüll auf Anforderung von der Stadt doch kostenlos entsorgt. Den Tätern auf die Schliche zu kommen, sei extrem schwierig. „Ich bin auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen, genauso wie auf den Zufall“, sagt der Revierleiter.

Aufklärungskampagnen

Werde jemand erwischt, könne es sehr teuer werden. Je nach Grad der Schwere drohe ein Strafzahlung von bis zu 10 000 Euro. Immer wieder gebe es daher Aufklärungskampagnen, um die Öffentlichkeit für das Müllproblem zu sensibilisieren. Zuletzt geschehen beim großen Ville-Waldfest. Immer wieder werde Grünschnitt im Wald abgekippt. Eine der unangenehmen Folge sei die Verbreitung unerwünschter Pflanzenarten wie das Springkraut. Das Regionalforstamt ist hier für den Wald und damit auch für das Thema Müll zuständig. Wenn Reinigungsaktionen in Zusammenarbeit mit den Vereinen stattfinden, hilft beispielsweise die Stadt Erftstadt. Sie stellt einen großen Container zur Verfügung und transportiert den Müll dann ab. Längst findet sich Müll nicht nur im Wald. Gerade auch an den Badeseen sind bei schönem Wetter die Hinterlassenschaften der Umweltsünder unübersehbar. Maria Jüngst aus Liblar, die gerne in der Ville spazieren geht, beschreibt ihre Eindrücke. „Schönes Sommerwetter bedeutet Müll, Dreck und Gestank, zumindest hier am Liblarer See.

Badegäste und Feiernde hinterlassen am See alles, von kaputten Luftmatratzen, Planschbecken, vollen Windeln, Zelten und Bierkästen bis zu Einkaufswagen und vielem mehr.“ Oft würden auch Glasflaschen in den See geworfen oder am Ufer zerschlagen. Im 2000 Hektar großen Zuständigkeitsbereich des Revierleiters gibt es etwa 40 Gewässer mit einer Fläche von 350 Hektar. Etliche Tausend Badegäste besuchen laut Revierleiter Pechtheyden bei schönem Wetter an Wochenenden die Seen. Vor allem zu Otto-Maigler-See, Liblarer See und Bleibtreusee sowie zum Zieselsmaar und Heider Bergsee fühlten die Besucher sich hingezogen. Umweltverschmutzung bedeute Gefahr für Pflanzen und Tiere. Blesshühner, Haubentaucher und Eisvögel würden vertrieben. Mehr Müllbehälter lösten nicht das Problem. „Was Besucher in den Wald und an die Seen mitbringen, sollen sie auch wieder mit nach Hause nehmen.“