31.07.2016
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Mobiles Museum: 97-Jährige schwingt den Klöpper

Die 97 Jahre alte Elisabeth Fischer zeigt den Kindern, wie früher von Hand mit einem Klopfer die Teppiche gereinigt wurden.

Die 97 Jahre alte Elisabeth Fischer zeigt den Kindern, wie früher von Hand mit einem Klopfer die Teppiche gereinigt wurden.

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BILDER : LEHMANN

Wesseling -

„Einmal in der Woche haben wir mit zwei Mann den schweren Esszimmerteppich nach draußen geschleppt, um ihn zu klopfen.“ Die 97 Jahre alte Elisabeth Fischer erinnert sich noch gut an die schwere Arbeit und den vielen Staub. „Wir haben uns immer ein Kopftuch umgebunden, damit die Haare nicht dreckig wurden.“ Sie nimmt den „Klöpper“ wie sie ihn nennt in die Hand und schlägt beherzt auf das rosafarbene Kissen.

Hölzerne Stange

Es geht munter zu an diesem Vormittag im St. Lucia Altenheim in Wesseling. Im Gemeinschaftsraum sitzen die Senioren im Kreis, dazwischen haben sich junge Gesichter gemischt. Kinder aus der Kindertagesstätte St. Josef, die etwas über den ehemaligen Haushalts-Alltag der Senioren erfahren wollen. In der Mitte des Kreises steht ein Tisch mit verschiedenen Gegenständen darauf. „Was ist das?“, fragt Betreuerin Anne Fenner in die Runde und hält ein hölzerne Stange mit einem topfartigen Ende hoch. „Ach, damit haben wir früher Wäsche gewaschen“, erinnert sich eine Seniorin aus der Runde. Flugs wird auch das Waschbrett in die Mitte befördert, es folgt ein schweres Bügeleisen und die Kinder erhalten einen anschaulichen Vortrag, wie früher die Wäsche gesäubert wurde, auch die unhandlichen hölzernen Wäscheklammern für das Aufhängen der Leine fehlen nicht.

1000 Besucher

Die Idee, den Kindern etwas aus dem Alltag von früher zu erzählen, stammt vom Verein für Orts-und Heimatkunde, der im vergangenen Jahr die Ausstellung „Die Flotte Lotte und der Schaumschläger“ zeigte. Mehr als 1000 Besucher waren in den Schwingeler Hof gekommen, um zu sehen, wie mühselig oftmals damals die Hausarbeit ohne elektrische Geräte war. Als die Ausstellung zu Ende war, sei es einfach zu schade gewesen, die Ausstellungsstücke wieder irgendwo in der Versenkung verschwinden zu lassen, berichtet die Vereinsvorsitzende Ilse Schellschmidt. So entstand die Idee, 30 Exponate weiterhin in einer Art mobilem Museum als Leihgabe durch Wesseling wandern zu lassen. Das St. Lucia Altenheim in Wesseling war die erste Station, und offenbar war es ein erfolgreicher Einstieg. „Es profitieren beide Seiten“, sagt Kindergärtnerin Melanie Gerhards. Die Kinder, die häufig keine Verwandten in diesem Alter hätten, erführen etwas von früher und die Senioren wiederum freuten sich über den Besuch der Kinder und würden zum Erzählen angeregt. Sie sind zudem auch wieder einmal in die Rolle hineinversetzt, einem anderen Menschen etwas zu erklären. Helene Fischer ist jedenfalls die Älteste in der Runde an diesem Tag, aber beileibe nicht die Passivste unter den Senioren. Sie klopft mit dem Teppichklopfer auf das Kissen und freut sich über ihre Kraft: „Da sind noch richtig Muckis drin.“