25.09.2016
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Kölner Stadt-Anzeiger | Troisdorfer Politiker bei Facebook beschimpft: AfD Rhein-Sieg hält Ort des Vortrags von Beatrix von Storch geheim
26. January 2016
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Troisdorfer Politiker bei Facebook beschimpft: AfD Rhein-Sieg hält Ort des Vortrags von Beatrix von Storch geheim

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dpa

Rhein-Sieg-Kreis -

Die einen wollen mit der AfD nicht im Fernsehen debattieren, die Mitglieder und Anhänger der Partei andererseits wollen offenbar unter sich bleiben. „Das Asylchaos und die Sicherheitslage in Deutschland und Europa“ ist eine Veranstaltung überschrieben, zu der für kommenden Donnerstag der AfD-Kreisverband einlädt.

Ab 19 Uhr wird Beatrix von Storch sprechen, die in der Fraktion der Europäischen Konservativen und Reformer des Europaparlaments sitzt. Wo sie spricht, bleibt vorerst unbekannt. „Aus Sicherheitsgründen“ müssen sich Interessenten anmelden, der Veranstaltungsort werde dann „kurzfristig vor der Veranstaltung“ mitgeteilt. Auch Einlasskontrollen werden auf der Facebook-Seite angekündigt.

„Wir verstecken uns nicht“, erklärte Thomas Matzke, Sprecher des AfD-Kreisverbands Rhein-Sieg. Leider aber müsse die Partei immer mit mehreren Optionen planen; so sei im Herbst die Wirtin eines Siegburger Lokals so „bedroht“ worden, dass sie nur acht Stunden vor Veranstaltungsbeginn den für einen Öffentlichen Stammtisch gemieteten Saal abgesagt habe. Auch zu der von der AfD angeratenen Anzeige habe die Frau sich „nicht getraut“.

„Nicht bedroht“ habe sie sich gefühlt, sagte die Gastwirtin auf Anfrage, auch wenn der eine oder andere Kommentar heftiger ausgefallen sei. „Getäuscht“ aber fühlte sie sich schon: Für eine parteiinterne Veranstaltung habe sie der AfD den Saal vermietet, „dass es so eine Propagandageschichte wird, wusste ich nicht.“ Das aber wurde ihr bewusst, als Gäste und Freunde sich bei ihr meldeten.

In der Tat hatte unter anderem der Troisdorfer Grünen-Politiker Robert Wendt nach Bekanntwerden der geplanten Veranstaltung mit Post an die Gastronomen über die Standpunkte der Saalmieter informiert – was folgte, war die Ausladung der AfD.

Die Gäste schützen

Deren Führung, so Informationen dieser Zeitung, noch am selben Tag ihr Treffen nach Lohmar ins „Hardy’s in den Höfen“ verlegte. Den neuen Veranstaltungsort erfuhren dann nur noch Mitglieder und andere Teilnehmer, die sich per Mail anmeldeten.

Heftig fiel die Reaktion der Rechtspopulisten gegen den Hinweisgeber Robert Wendt aus: „Massiv“ habe der die Eigentümer des Siegburger Lokals unter Druck gesetzt, war auf der Facebookseite der AfD zu lesen. „Eiskalt und leichtfertig“ setze jemand wie Wendt auch „wirtschaftliche Existenzen“ der Gastronomen und Hoteliers aufs Spiel. Zugleich wurden die Facebook-Nutzer aufgerufen, Wendt „ein Feedback“ zu geben. Der Redaktion liegen Ausdrucke vor, die belegen, dass diese Rückmeldungen an Wendt nicht zimperlich ausfielen: Mit den Methoden der NSDAP und deren Boykottaufrufen gegen jüdische Geschäftsleute wird sein Vorgehen gleichgesetzt, einer der Beiträge bei Twitter endet wie folgt: „Unbedarfte Nazis beschimpfen, mit Nazi-Methoden punkten, geht gar nicht!“

„Wir müssen unsere Gäste schützen“, erklärte im Gespräch mit dieser Zeitung Thomas Matzke, warum der Veranstaltungsort vom Donnerstag „vertraulich“ bleiben soll. „Deutlich dreistellig“ sei die Zahl der Anmeldungen aber dennoch schon, mit 150 Besuchern rechnet Matzke. Dass möglicherweise Gastronomen über die wahre Identität der Mieter im Unklaren gelassen werden, bestritt der Parteisprecher. „Absolut“ wüssten die immer, wer Räumlichkeiten mieten wolle. „Mittlerweile sprechen wir das ganz offen an.“

Eine Bonner Druckerei habe, als der Rechnungsadressat genannt wurde, den Auftrag nicht angenommen, berichtete Matzke im Gespräch. „Ich selber würde als Unternehmer für die Linke oder die Grünen auch Plakate drucken“, kommentierte er die Entscheidung der Bonner Firma.