29.07.2016
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Geplanter Ausbau der Thurn-Werke: „Wir kämpfen um unsere Arbeitsplätze“

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Der Demonstrationszug der Thurn-Mitarbeiter durch Neunkirchen

Foto:

Stefan Villinger

Neunkirchen-Seelscheid -

Nun melden sich die Mitarbeiter der Thurn-Werke in der Diskussion um die beantragten Ausbaupläne der Firma zu Wort. Mit einem Demonstrationszug durch Neunkirchen haben rund 200 Beschäftigte am Montag zusammen mit Familienangehörigen auf ihre Sorgen aufmerksam gemacht.

„Es geht doch auch um Menschen“, sagte Harald Weber, Qualitäts- und Umweltbeauftragter der Firma Thurn. „Wir kämpfen um unsere Arbeitsplätze und gegen die Vorurteile, die in der Bevölkerung vorherrschen. Wir gehen dafür auf die Straße, dass der Gemeinderat eine Entscheidung auf sachlicher Grundlage trifft“.

Auf den Transparenten im Demonstrationszug betonten die Mitarbeiter, dass auch sie ein Teil der Gemeinde seien. Viele Haushalte würden täglich Produkte wie Wasch- oder Spülmittel benutzen, die bei Thurn hergestellt werden. Die Demonstranten überreichten Bürgermeisterin Nicole Sander eine Petition. Darin weisen sie unter anderem darauf hin, an die 350 Familien der Beschäftigten zu denken. Auch an die soziale Verantwortung gegenüber Schülern in der Gemeinde wird appelliert, die bei Thurn seit dem Jahr 2006 Praktikums- und Ausbildungsplätze geboten bekommen.
Petition übergeben

Bürgermeisterin Nicole Sander nahm das Schriftstück entgegen. Sie sagte, dass die Verwaltung alles so vorbereitet habe, dass nun der Rat eine Entscheidung treffen könne. Sie bedankte sich bei den Mitarbeitern für „den friedlichen und konstruktiven Aufmarsch“.

Mustafa Fakiri arbeitet im Versand bei Thurn. Er hat im vorigen Jahr geheiratet und möchte nun eine Familie gründen. „Dazu ist es wichtig, dass ich einen festen Arbeitsplatz habe, den mir die Firma hier bietet“, sagte er. „Der geplante Ausbau sichert auch die bestehenden Arbeitsplätze“, so der 34-Jährige. Sein Kollege Sakib Dzinic versteht nicht, dass manche Bürger sich Sorgen machen, die Umwelt würde durch die Produktion belastet. „Unsere Produkte stehen in fast jedem Haushalt, diese Sorgen sind unbegründet“, meint der 38-Jährige. Rica Trummer arbeitet im Marketing und Vertrieb. Sie hat mit Kollegen sechs Plakate und zwei großen Banner gestaltet, die die Mitarbeiter auf dem Demonstrationszug in die Höhe hielten. „Für uns ist es wichtig, dass wir inhaltlich nichts fordern, sondern nur Denkanstöße geben“, so die 31-Jährige.

Die Fraktion „Bürgernahe Grüne“ möchte Ruhe in die Diskussion bringen, indem die beantragte Änderung des Bebauungsplanes erneut offengelegt wird. Dies könnte dadurch begründet werden, so ihr Antrag für die heutige Ratssitzung, dass es mittlerweile wesentliche Änderungen gegenüber dem ersten Bauantrag gegeben habe – bei den Bauhöhen, Grünflächen sowie beim Lärm und Emissionsschutz. Ferner beantragen sie, dass ein runder Tisch gegründet wird, an dem sich alle Beteiligten zusammensetzen.

Die Initiative Neunkirchen-Seelscheid muss sehr wahrscheinlich eine erste Niederlage verbuchen. Sie hatte Anregungen und Beschwerden zum Thema Ausbau der Thurn-Werkes als Bürgerantrag eingereicht. Diese können jedoch nicht mehr berücksichtigt werden, da sie nicht fristgerecht, sondern erst nach dem Ende der Offenlage der Pläne eingereicht worden seien, so die Verwaltung. In der Stellungnahme wird aber darauf hingewiesen, dass die Schriftstücke den Mitgliedern der entsprechenden Ratsausschüsse zu Kenntnis gegen worden seien und somit auch der politischen Willensbildung dienen könnten.
Fragenkatalog beantwortet

Ein Fragenkatalog zur geplanten Änderung des Bebauungsplanes von FDP-Fraktionschef Heinz Hadamik wurde beantwortet. Dort geht es vor allem um wasserrechtliche Probleme. So teilt die Verwaltung mit, dass wassergefährdende Stoffe zum Werk und vom Werk weg transportiert würden. Dazu gebe es eine spezielle Umgehungsroute über die Bundesstraße 507 ins Bröltal und von dort zum Autobahnanschluss in Hennef. Die Kosten für den Bau eines neuen Regenrückhaltebeckens in Höhe von 400 000 Euro hätten nichts mit dem aktuellen Ausbauantrag zu tun.

Diese Planung gebe es schon länger. „Alle Fragen wurden zu meiner Zufriedenheit beantwortet“, erklärt Hadamik, „ich werde daher dem Antrag der Firma Thurn zustimmen“.

Er betont jedoch, dass eine geheime Abstimmung ohne Fraktionszwang geplant sei. „Jedes Ratsmitglied kann selber entscheiden, wofür es stimmt.“

Anders sieht das Grünen-Fraktionschef Gunter Gallasch: „Ich bin für eine offene Abstimmung, damit jeder Bürger sieht, wie seine Vertreter votieren. Ich persönlich lehne das Projekt aber aufgrund der Größe und fehlender Anlagen für erneuerbare Energien ab“.