26.07.2016
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Verkehrsplanung in Much: Kampf um eine kleine Straße

Der Installateur Achim Siebertz (51) sammelt Unterschriften gegen die Pläne der Gemeinde Much.

Der Installateur Achim Siebertz (51) sammelt Unterschriften gegen die Pläne der Gemeinde Much.

Foto:

Jens Höhner

Much -

Armin Siebertz ist sauer, energisch blättert er in einem dicken Stoß Papier. Namen, Adresse, Unterschriften – 80 an der Zahl. „Da kommen sicher noch etliche dazu“, sagt der 51 Jahre alte Installateur und Heizungsbauer. Denn in Hündekausen kocht er nicht allein: Auch die Nachbarn seien auf die Gemeinde Much gerade nicht gut zu sprechen, schildert Siebertz. Der Grund für diese Verärgerung verbirgt sich hinter knappen Zeilen und einer Handvoll Kennzeichen, zu finden in einer öffentlichen Mitteilung.
Darin geht es um die eingeschränkte Nutzung einer Straße in Höhe der Gemarkung Bonrath. Diese führt in das Unterdorf von Hündekausen und soll künftig nur noch für den Forst- und Landwirtschaftsverkehr geöffnet sein. „Ich habe irgendwie sofort geahnt, dass unsere Straße gemeint ist“, blickt Siebertz zurück. Und in der Tat: Kaum hatte er die Datenbank „Boris“ des Landes Nordrhein-Westfalen mit den Angaben gefüttert, war klar, dass jenes nur etwa 600 Meter lange Asphaltstück auf der Streichliste der Verwaltung steht.

„Aber das ist unsere Hauptzufahrt“, klagt der Handwerker. Vor allem im Winter sei dies bei Eis und Schnee der einzige sichere Weg: „Alle anderen Straßen sind zu steil“, sagt Siebertz. „Und da der Räumdienst immer erst zur Mittagszeit ausrückt, gibt es eigentlich keine Alternative zu der Route, die bald verboten sein soll.“ Neben dem aus seiner Sicht seltenen Winterdienst sprächen auch der wesentlich längere Umweg und das damit einhergehende, höhere Verkehrsaufkommen im Oberdorf gegen den Einzug der Waldstraße zur Kreisstraße 35. „Die Anwohner dort werden sich bedanken“, prophezeit Siebertz.

Grund für die geplante Änderung ist der Generalverkehrswegeplan der Gemeinde – angelegt ist dieser auf zehn Jahre, pro Jahr sollen fünf asphaltierte Straßen oder Wege aus der kommunalen Fürsorge genommen werden. Denn kaum eine andere Kommune in Nordrhein-Westfalen mit der Größe Muchs leistet sich so viele Straßenkilometer: Zurzeit sind es 210 asphaltierte Kilometer zwischen den 114 Orten der Gemeinde. „Die Gemeindeprüfungsanstalt macht uns Druck, damit wir das Netz verkleinern“, schildert der Beigeordnete Norbert Büscher. „Denn schließlich geht es um die gesicherte Instandhaltung der Straßen, damit kein Vermögen verlottert.“

Ein Viertel ist abgearbeitet

40 Straßen sind nach Auskunft von Büscher für eine Überprüfung und womöglich für eine „Entwidmung“ vorgesehen. „Ein Viertel ist bereits eingezogen und etwa zu Wirtschaftswegen erklärt worden“, schildert der Beigeordnete. Dabei weiß Büscher, dass es jetzt an kritische Straßen geht, dass die Gemeinde jetzt auf die Proteste der Bürger stößt – so wie eben in Hündekausen. „Damit die Anwohner ihre Bedenken vorbringen können, ist der Generalverkehrswegeplan jetzt im Rathaus einsehbar“, lädt Norbert Büscher dazu ein, mögliche Bedenken vorzubringen. In Hündekausen sei die Gefahrensituation im Winter ein starkes Argument gegen die Streichung aus dem öffentlichen Verkehrsnetz, sagt er.

100 000 bis 150 000 Euro führt die Gemeinde Jahr für Jahr in ihrem Haushalt für Instandhaltung ihrer Straßen, im kommenden Jahr soll das Netz weiter schrumpfen. „Manche Mucher Orte besitzen gleich drei Zufahrten, da ist die eine oder andere sicher entbehrlich“, erklärt Büscher, dem auch Bedenken des Bürgerbus-Vereins zu Ohren gekommen sind.

Der Verein wehrt sich ebenfalls gegen jene Pläne für Hündekausen. „So müsste der Bus auf seiner Strecke nämlich im Unterdorf wenden“, schildert Vorstandsmitglied Karl-Heinz Schulte. „Das wäre sicherlich machbar, birgt aber für unsere Fahrer ein zusätzliches Risiko.“ Für Anwohner Achim Siebertz sind besonders Handwerker und Geschäftsleute: Auf nur 900 Metern seien im Ort gleich 14 selbständige Gewerke ansässig. „Die nutzen die Zufahrt ebenso wie ihre Kunden“, sagt er. „Und für die Kinder ist diese Straße der kürzeste Weg zu den Schulen in Oberberg.“


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