25.09.2016
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Kölner Stadt-Anzeiger | Asylbewerber muss ins Gefängnis: „Das Gastrecht wurde erheblich missbraucht“
11. February 2016
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Asylbewerber muss ins Gefängnis: „Das Gastrecht wurde erheblich missbraucht“

Der Eingang des Landgerichtes in Bonn. (Archivfoto)

Der Eingang des Landgerichtes in Bonn. (Archivfoto)

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dpa

Bonn -

Keine zwei Monate war der Flüchtling aus Algerien in Deutschland – und schon wurde er beim Diebstahl in flagranti erwischt.

Ausgerechnet während des Kölner Rosenmontagszug 2015 bedrängte er eine Karnevalistin am Wegesrand, drückte sie gegen die Hauswand, griff ihr in die Jackentasche und entwendete das Handy. Assistiert wurde ihm von einem Komplizen, der ein geöffnetes Klappmesser hielt.

Da sich die kriminelle Szene unter den Augen der Polizei abspielte, wurden beide festgenommen und der 26-jährige Algerier wurde bereits vier Tage später durch ein beschleunigtes Verfahren vom Amtsgericht Köln zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

Verfolgt und gestellt

Aber weder die Strafe noch die Tage in der Untersuchungshaft haben den Asylbewerber offenbar beeindruckt. Drei Monate später tauchte der Flüchtling in Bonn auf und beging weitere Straftaten. Am 11. Mai 2015 entwendete er einer Radfahrerin ihre Tasche, in der sich Schlüssel, Papiere und auch 120 Euro in bar befunden hatten. Kurz darauf klaute er einem Mitarbeiter der Caritas, den er auf dem Münsterplatz nach dem Weg zum Bahnhof gefragt hatte, das Portemonnaie.

Der Dieb wurde von Passanten verfolgt und gestellt, dabei fiel er dreimal hin und verlor die Tasche der Radfahrerin. Bei der Vernehmung durch die Polizei behauptete er wahrheitswidrig, dass er von mehreren Männern geschlagen worden sei.

„Alles Lippenbekenntnisse“

Die beiden Diebstähle, aber auch das Vortäuschen einer Straftat brachten dem Flüchtling weitere sechs Monate hinter Gitter. Eine Bewährung kam für das Bonner Amtsgericht nicht mehr in Frage, zu schnell sei er rückfällig geworden. Der 26-Jährige jedoch bestand auf einer Chance und ging in Berufung.

Vor dem Bonner Landgericht beteuerte er jetzt, er wolle arbeiten und Deutsch lernen. Und vor allem: Keine Diebstähle mehr begehen.

„Alles Lippenbekenntnisse“, bezeichnete Berufungsrichterin Claudia Gelber später die Beteuerungen des Angeklagten. Denn im Prozess stellte sich heraus, dass der 26-Jährige kürzlich erst wieder auf Diebestour gewesen war.

In einem weiteren Fall wird sogar wegen Körperverletzung und Widerstands gegen die Staatsgewalt ermittelt. „Sie haben das Gastrecht erheblich missbraucht“, stellte Gelber schließlich fest – und verwarf die Berufung.

Laut Gericht ein „hoffnungsloser Fall“

Damit bleibt es bei den sechs Monaten Haft. „Sie sind erst kurz in Deutschland und schon dreimal straffällig geworden.“ Das sei ein „hoffnungsloser Fall“, hieß es im Urteil. Die Richterin zum Angeklagten: „Wir wissen um Ihre schwierigen sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse, aber anderen Asylbewerbern reichen die 320 Euro monatliche Unterstützung. Die leben damit, ohne straffällig zu werden.“