28.07.2016
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Hobbybühne Hurst: Wenn der Jungbauer den Knecht küsst

Lebedame Chantal (Christine Gelhausen) macht sich an den schüchternen Rainer Reisig (Marcel Engels) heran.

Lebedame Chantal (Christine Gelhausen) macht sich an den schüchternen Rainer Reisig (Marcel Engels) heran.

Windeck -

Wenn der Jungbauer den Jungknecht küsst, dann gerät an der Oberen Sieg die Welt aus den Fugen – zumindest auf der Bühne. Das Ensemble der Hobbybühne Hurst zeigt dort zurzeit den Schwank „Liebe vergeht, Hektar besteht“ von Wilfried Reinehr. Schon bei der Generalprobe tobte das Publikum vor Begeisterung.

Ausgangspunkt der Geschichte ist die Absprache zweier Bauernfamilien, die Kinder Toni und Sibille zu verheiraten. Die aber haben sich trotz erzwungener Verlobung längst anders entschieden. Toni (Oliver Bethge) liebt Schuhverkäuferin Maxi (Laura Gelhausen), Sibille (Julia Gelhausen) den Bankangestellten Rainer Reisig (Marcel Engels). Mittendrin mischen Altknecht Moritz (Andreas Gelhausen) und Magd Rosa (Anke Gelhausen) die Szenen auf.

Als Maxi auf dem Hof auftaucht und als Jungknecht Max aushilft, passiert, was auf der Bühne passieren muss. Die beiden werden von Tonis Eltern erwischt. Für Anne und Franz (Wolfgang und Elvira Schuldt) bricht eine Welt zusammen. Um den Sohn wieder ans „richtige“ Ufer zu manövrieren, engagieren sie sogar eine „Lebedame“ aus Köln. Die Hurster hatten für ihr Publikum wieder alle Register gezogen. Stilecht eingerichtet war die etwas verwohnte Stube: Möbel aus den 50ern, Porzellanwaschbecken und die unvermeidbare geblümte Wachstuchdecke. Als Überraschung zog mitten im Stück eine künstliche Spinne die Blicke auf sich. Weil durch ein Fenster zum Hof zu sehen war, wer auftreten würde, ahnte das Publikum so manche Turbulenz, wurde aber immer wieder überrascht.

Wie sehr sie aufeinander eingespielt sind, bewiesen in diesem Jahr auch die jüngeren Mitglieder des Ensembles, die inzwischen ihre Stammplätze haben. „Wir sind froh, dass die jungen Leute da sind. Die machen vielleicht manches anders. Aber es geht weiter“, sagte Regisseurin Inge Geisler im Gespräch mit dieser Zeitung.

Die Begeisterung der Zuschauer, ausgedrückt in dem einen oder anderen Szenenapplaus, zogen ganz besonders Anke Gelhausen und ihr Schwager Andreas als Magd und Altknecht auf sich. Ohne die Kollegen an die Wand zu spielen, überzeugten sie mit ihrer Mimik. Gekonnt wurde bei der Generalprobe der eine oder andere Hänger überspielt und dass der Altknecht den Jungbauern eine Szene zu früh in die Küche schicken wollte, wurde von denen, die es überhaupt merkten, mit freundlichem Lachen und Applaus quittiert. „Die werden spätestens bei der dritten Aufführung völlig locker sein“, kommentierte Werner Gelhausen, der in diesem Jahr als Akteur aussetzte.

Inge Geisler widmete das Stück in diesem Jahr ganz besonders dem Gründungsmitglied der Hobbybühne, Günter Güldenring. Er war im vergangenen Jahr überraschend verstorben. Dass das Ensemble am Ende gemeinsam auf der Bühne singt und schon zum Kartenverkauf für 2017 am 4. Dezember einlädt, hat in Windeck Kultcharakter. Für die dann folgende Saison ist eine Benefizveranstaltung geplant. 2016 hatte die Hobbybühne der Grundschule Obernau und dem Förderverein des Freibades Rosbach jeweils 1000 Euro überwiesen.

Das aktuelle Stück läuft noch bis zum 20. März zehnmal, mit einer Pause fast täglich. Karten gibt es allerdings allenfalls auf dem Schwarzmarkt.


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