27.09.2016
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Mühlen-Tag: Neues Mühlrad aus uraltem Holz

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Stephan Propach

Windeck -

Er hat Vordächer gezimmert, Fachwerk saniert, Türme und zusammen mit Kollegen ganze Häuser gebaut. Eine Leidenschaft von Steffen Hollatz aber ist der technische Denkmalschutz. Und wenn er sich in das Verständnis früherer Generationen hineindenkt, deren Umgang mit Holz studiert und nachvollzieht, ist er ganz in seinem Element. In einer Halle in Leuscheid entsteht derzeit sein größtes Projekt, der originalgetreue Nachbau eines etwa 300 Jahre alten Mühlrades.

Ursprünglich, so Hollatz, habe sein Auftraggeber aus dem Oberbergischen lediglich das zu einem Drittel weggefaulte Originalrad restaurieren wollen. Das sei so aufwendig gewesen, dass in Absprache mit dem Denkmalschutz ein Neubau als sinnvollere Lösung gewählt wurde, berichtet der Schreiner und Zimmerer. Das Nebeneinander von Altem und Neuem hätte zu einer gewaltigen Unwucht führen können.

Als Vorlage für seinen Neubau stehen die Teile des uralten Mühlrades mit immerhin 3.50 Metern Durchmesser noch an der Stirnwand der Werkstatthalle. Von ihnen hat er die Maße eins zu eins übernommen und auf frisches Holz übertragen. Immerhin 200 Jahre sind auch die „frischen“ Eichenbretter schon alt. Vor 30 Jahren wurden sie geschlagen und geschnitten. Seitdem lagerten die Bohlen fachgerecht in einem Sägewerk. Aus dem Holz von 200 seinerzeit gefällten Eichen suchte sich Hollatz die 22 passenden, 60 Zentimeter breiten Bretter heraus.

Das neue Mühlrad besteht wie auch das alte aus zwei Scheiben, die aus jeweils zwei Bohlen-Lagen zusammengeschraubt sind. 24 Bohlen hat Steffen Hollatz zurechtgeschnitten, die Nuten für 24 Wassertaschen und 140 Wasserlatten hineingefräst. Zusammengehalten werden die beiden Bohlenlagen von 200 Bolzen. Da hat der Schreiner eigens Schwarzstahl besorgt, auch hier eng am 300 Jahre alten Vorbild orientiert.

Verbunden sind die Seitenplatten des Mühlrades durch acht kräftige Eichenbalken. In deren Zentrum wird der Achsblock eingespannt. Der besteht aus zwei rechtwinkligen Eichenbalken, in deren Mitte die Achse eingespannt wird. Achse und Achsblock übernimmt Hollatz vom uralten Vorbild, wobei die Eichenbalken noch aus der Zeit stammen, in der das alte Rad gebaut wurde. Die Achse sei ebenso wie die Lager mindestens einmal erneuert worden, meint der Experte.

Bis zur endgültigen Montage wird Hollatz die beiden Scheiben des Mühlrades mit einem Kran noch einmal auseinandernehmen. Dann werden Löcher für 22 Stahlstangen gebohrt, die am Ende die beiden Scheiben des Rades zusammenhalten. Für die endgültige Montage sind einige helfende Hände nötig, die die Bretter der Wassertaschen zwischen die Scheiben dirigieren. Am Ende wird dann der alte Achsblock ins Zentrum des Rades gespannt.

Seinen Platz soll das Rad aus leuscheid in einer alten Mühle in Gummersbach-Hanfgarten bekommen. Dorthin will Steffen Hollatz das Rad mit einem Anhänger für riesige Kabeltrommeln bringen, den er von einer Elektrofirma leiht. Bis das Rad in neuen Achslagern nach dem Willen seines Besitzers Strom erzeugt, werden noch ein paar Monate vergehen. Erst einmal müsse das Fundament fertiggestellt werden, erklärt der Zimmerer.

Außerdem habe er noch jede Menge Respekt vor dem Wassern. Wenn sich die uralten Eichenbohlen und -bretter ausdehnten, werde es kräftig krachen. Hollatz ist zuversichtlich, dass sich sein Rad weitere Jahrhunderte drehen wird.