27.07.2016
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Schauspieler Haydar Zorlu: Die universelle Sprache des Theaters zwischen Eitorf und Istanbul

Einen anderen Blick auf Goethes Faust ermöglicht Haydar Zorlu in seiner Solo-Inszenierung.

Einen anderen Blick auf Goethes Faust ermöglicht Haydar Zorlu in seiner Solo-Inszenierung.

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Ebert

Eitorf -

In China hat er ihn schon gespielt, in Südafrika, in Österreich, in der Türkei natürlich, und ebenso natürlich in mehreren deutschen Städten: Goethes „Faust“ hat es dem türkischen Schauspieler und Germanisten Haydar Zorlu angetan. Ins Türkische hat er ihn schon übertragen, in diesem Jahr spielt er ihn erstmals auch auf Englisch.

„Die Übersetzung ist fertig, ich habe schon erste Termine in New York“, erzählt der 48-Jährige, der zwischen Eitorf und Istanbul pendelt und regelmäßig hinter der Theke des türkischen Obst- und Gemüseladens seines Bruders Sevim in der Asbacher Straße steht.

„Zeitlos“ findet Haydar Zorlu die Tragödie aus dem Jahr 1808, die er auf 80 Minuten gerafft hat und im Alleingang auf die Bühne bringt. Ohne Kostüme, ohne Bühnenbild, dafür aber mit großer Intensität und Atmosphäre. Die Wirkung, die der 48-Jährige allein mit Stimme, Körper und Mimik erzeugt, hat schon 35 000 Zuschauer in ihren Bann geschlagen.

Übersetzung ins Spanische geplant

Der in der Türkei geborene und in Köln aufgewachsene Haydar Zorlu konzipierte sein Solo für eben jene Wirkung. Die Idee hatte er schon 1991 bei einem Besuch des türkischen Amphitheaters Aspendos in Side bei Antalya: Er wollte herausfinden, wie Theaterspiel vor 2500 Jahren funktionierte. Den Beweis, dass es auch heute noch ebenso funktioniert, trat er mit seinem „Faust-Solo“ an, das die WAZ als „ganz großes Theater im Taschenformat“ lobte.

Am 31. März 2009 feierte Zorlus „Faust“ Erstaufführung in deutscher Sprache in der Türkei. Seitdem ist das Stück fester Bestandteil der Istanbuler Kulturszene. Bereits 250-mal hat Zorlu, der in New York, Paris, Barcelona, Madrid und Köln Schauspiel studierte, sein „Faust-Solo“ auf die Bühne gebracht.

Im Jahr 2020 soll es auch auf Spanisch gespielt werden. Für die Übersetzung sorgt Zorlu, der sechs Sprachen spricht, auch diesmal wieder selbst: „Goethe hat die hellen und dunklen Vokale so gesetzt, dass beim Lesen die Mimik des jeweiligen Charakters entsteht“, erklärte er einmal. „Spricht Mephisto, entsteht ein diabolisches Gesicht, bei Gretchen ein kindliches.“ Im Jahr 2011 eröffnete Haydar Zorlu seinen „Kunstraum“ in Istanbul, ein deutsch-türkisches Theater. Die Vorstellungen sind regelmäßig schon lange im Voraus ausverkauft. Zusätzlich zum „Faust“ gibt er dort jetzt auch den „Don Juan“; zwei Charaktere, wie er findet, die „in ihrem Begehren maßlos sind“. Wie eng beide Stücke zusammengehören, demonstriert er in seinem gerade veröffentlichten Buch: Auf der einen Seite ist es „Faust“ auf Deutsch, dreht man es um, der „Don Juan“.


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