27.09.2016
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Kreisparteitag der FDP: Westerwelle zur Stippvisite in Hennef

Guido Westerwelle war zu Gast beim Kreisparteitag der FDP.

Guido Westerwelle war zu Gast beim Kreisparteitag der FDP.

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Ralf Johnen

Hennef -

Vietnam, Kolumbien, China, Südafrika. Wer Guido Westerwelle dieser Tage zuhört, könnte meinen, es mit einem Reise-Journalisten zu tun zu haben – so begeistert spricht der Bonner von seinen zahlreichen Auslandsaufenthalten. Aber als Bundesaußenminister kommt man ja auch ganz schön herum. Dies aber hat den einstigen Chefliberalen nicht davon abgehalten, am Samstag seinen Parteifreunden im Rhein-Sieg-Kreis eine Visite abzustatten. Im Gepäck freilich hatte er keine Diashow, sondern eine kämpferische Rede für Europa.

Westerwelles Worte sind gezeichnet vom bevorstehenden Bundestagswahlkampf – aber auch von staatsmännischer Räson. So berichtet er von einer Reise nach Singapur: Dort durfte er mit dem Marina Bay Sands Hotel das neue Wahrzeichen des Stadtstaates in Augenschein nehmen. Dabei handelt es sich um einen Hochhauskomplex, dessen Dächer ein stilisiertes Surfbrett in einer Höhe von 200 Metern miteinander verbindet: „Ein Fünf-Milliarden-Projekt“, schwärmt der Minister. „Und realisiert binnen kürzester Zeit.“ Deutschland dagegen werde derzeit von Pleiten, Pech und Pannen beherrscht: „Ich denke da an Flughäfen. Und ich denke an Bahnhöfe.“ Sowohl Berlin als auch Stuttgart beschädigten das deutsche Ansehen nachhaltig.

Es folgt ein Exkurs über die demografische Entwicklung von Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika – und der Wirtschaftskraft der sogenannten BRICS-Staaten. Wenn Deutschland da mithalten wolle, müsse es seine Neigung zur Selbstblockade aufgeben und wieder schneller und entscheidungsfreudiger werden. „Denn es gibt kein Naturgesetz, nach dem wir immer in der ersten Reihe stehen werden.“

Sollte sich das bevölkerungsreichste Land der EU in der Spitzengruppe der Weltwirtschaft behaupten wollen, geht dies laut Westerwelle nicht ohne zwei Elemente: Den Mittelstand, dessen Verantwortungsbewusstsein auch in Krisenzeiten für wirtschaftliche Beständigkeit sorge, und den Verbund in einem starken Europa, ohne den Deutschland viel zu klein sei, um mithalten zu können.

Gegen Ende seiner Rede wechselt der gut aufgelegte Westerwelle dann doch noch in den Wahlkampfmodus. Zwar bleibt unklar, ob sein Seitenhieb in Richtung Horst Seehofer (CSU) oder Peer Steinbrück (SPD) geht, doch Hochmut gegenüber Politikern aus den Partnerländern der EU verbittet sich der Außenminister.

Dann verabschiedet er sich langsam – mit einem Aufruf für den Schutz des geistigen Eigentums und einem Schmähruf gegen die Regulierungswut der Politiker anderer Parteien.
Nach dem unterhaltsamen Auftritt des Außenministers wählen die Liberalen im Hennefer Euro-Park-Hotel Jana Rentzsch aus Rheinbach zur stellvertretenden Kreisvorsitzenden. Außerdem werden einige Liberale für ihre langjährige Treue zur Partei ausgezeichnet. Josef Bohnen aus Eitorf etwa ist bereits seit 65 Jahren im Besitz des Parteibuchs.


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