29.09.2016
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Modenschau in Hennef: Schicke Kleider und ein gutes Gewissen

Schick, den frau guten Gewissens tragen kann, wurde in Meys Fabrik präsentiert.

Schick, den frau guten Gewissens tragen kann, wurde in Meys Fabrik präsentiert.

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Bilder: Hauser

Hennef -

Den Modemachern, die am Samstagabend in der Hennefer Meys Fabrik ihre Kollektionen präsentierten, ging es nicht darum, die großen Bestellungen zu ergattern. Der Auftritt auf dem Laufsteg war für fast alle Models ein Debüt. Und auch für Hennef war die Fair Trade Fashion Show eine Premiere.

Natürlich ging es auch um gutes Aussehen. Vor allem aber um fair gehandelte und zu fairen wie umweltfreundlichen Bedingungen hergestellte Kleidung. Dass das kein Widerspruch ist, bewiesen die Laienmodells, die in schwungvollen wie trendigen und sogar sexy Outfits für Damen wie Herren aus den Nähstuben der Fair-Trade-Modemacher über den Laufsteg promenierten.

Designerin Julia Muthig aus Berlin brachte auf den Punkt, was wohl alle Designer mit Sinn für nachhaltige Produktionen antreibt: „Ich möchte nicht, dass jemand leiden muss, weil ich was Schönes mache.“ So verwendet sie ausschließlich Stoffe aus kontrolliert biologischem Anbau, die auch in der weiteren Verarbeitung ohne Chemikalien auskommen.

Pioniere der Idee für die Fair-Trade-Show kommen aus den Reihen des Arbeitskreises Fairer Handel, einer Initiative im Rahmen des Agenda-21-Vereins in der Siegstadt, und der Grünen Jugend. Partner fanden die Initiatoren in Hennefer Unternehmen wie Sayang Textiles, das mit Kleidung handelt, die ohne Insektizide und Pestizide und schon gar nicht von Kinderhand produziert wird, und in Designern aufstrebender Labels aus Köln, Bonn, Hamburg und Berlin.

Der Journalist und Buchautor Frank Herrmann hat die Nase voll von Chemie und Abzocke in den Textilfabriken der Herstellerländer. Der Gast am Rednerpult machte klar, wo in Ländern wie Bangladesh und Indien die Probleme liegen: „Es geht nicht um die Frage von Mindestlöhnen, sondern um ein existenzsicherndes Lohnniveau, das ein menschenwürdiges Dasein ermöglicht.“

Herrmann klagte in seinem Vortrag marktführende Häuser und Konzerne wie Otto, H&M sowie die Versandriesen Zalando und Discountware an. Und er riet den Verbrauchern: „Haken Sie nach, wie die Kleidung hergestellt worden ist.“ Denn manche Mode sei aus seiner Sicht untragbar. Er verwies auf Kampagnen und machte gleichzeitig deutlich: „Es fehlen externe, unabhängige Kontrollen.“

Bittere Wahrheiten bekamen die Besucher der Modenschau auch von Gisela Burkhardt serviert. Die Menschenrechtlerin und Vorsitzende des Vereins Feministische Perspektiven auf Politik, Wirtschaft und Gesellschaft (Femnet) hatte Bilder von den Trümmern einer Textilfabrik in Bangladesh mitgebracht, bei deren Einsturz im April 2013 weit mehr als 1000 Menschen ums Leben gekommen waren. „Bis heute stellen sich die Unternehmen nicht der Verantwortung, die sie gegenüber den Angehörigen der Opfer haben. Die Entschädigungszahlungen gehen nicht voran“, sagte Burkhardt. Gerade einmal 18 Millionen US-Dollar seien geflossen.

„Unter ökologischen Kriterien hergestellte Mode ist sehr weiblich“, verriet Designerin Anette Hoffmann dem Moderator des Abends, Ralf Rohrmoser-von Glasow, Redakteur des „Rhein-Sieg-Anzeiger“. Er schloss mit pfiffigen Kommentaren und Interviews die Pausen zwischen den Präsentationen der fantasievollen Kollektionen.