25.08.2016
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Internationale Tourismusbörse: Zeichen stehen auf Tourismus 2.0

Ab dem Frühjahr öffnet die neugebaute Ausflugsgaststätte auf dem Drachenfels in Königswinter täglich.

Ab dem Frühjahr öffnet die neugebaute Ausflugsgaststätte auf dem Drachenfels in Königswinter täglich.

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Klaus Göhring

Berlin/Rhein-Sieg-Kreis. -

Der Reisende nimmt die Rhein-Schiene als ein einziges Urlaubsziel wahr: Seien es nun Drachenfels und Rheinromantik, Beethoven und Bundeskunsthalle, die Romanischen Kirchen und der Dom oder der Medienhafen und die Altbier-Altstadt. Deshalb treten Bonn, der Rhein-Sieg-Kreis, Köln und Düsseldorf auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin (ITB) seit Jahren schon als Einheit auf.

Der Erfolg gibt den Touristikern recht: Mehr als elf Millionen Übernachtungen konnten die Hoteliers zwischen Siebengebirge und Landeshauptstadt 2012 verbuchen – Rekord. Davon entfallen 2,6 Millionen auf die Bundesstadt und den Rhein-Sieg-Kreis. „Dieses Angebot ergänzt sich sehr gut“, urteilt Udo Schäfer, Geschäftsführer der Tourismus- und Congress-GmbH Bonn/Rhein-Sieg-Ahrweiler (T & C). Und wer den Regionalexpress benutze, brauche von Siegburg bis Düsseldorf nicht länger als ein Berliner, der vom einen Ende der Stadt ans andere wolle.

Die Reisebranche der Region setzt verstärkt auf solche Urlauber, die an Rhein und Sieg radeln oder die auf dem Natursteig Sieg wandern. „Oft sind es dieselben Leute, die zudem Museen in Köln oder in Bonn besuchen“, sagt Schäfer. Aber auch die Kombination mit dem Besuch von Veranstaltungen sei beliebt: „Die dritte Auflage des Siegtal-Festivals im vergangenen Sommer war ein großer Erfolg.“

Magnet „Rhein in Flammen“

Das Event mit dem größten Zuspruch bleibt indes „Rhein in Flammen“: Zwischen 100 000 und 500 00 Menschen erleben das Feuerwerk-Spektakel, je nach Wetter. Erstamls werde in Siegburg eine begleitende Messe dazu stattfinden: „Wir planen in der Stadthalle eine Schau mit rund 25 Ausstellern aus dem Tourismus“, kündigt Geschäftsführer Schäfer an.

So sollen die Leute, die einmal den Weg gefunden haben, die Gelegenheit zur Erkundung weiterer Attraktionen haben. Im Vergleich mit der ITB freilich ist der Stellenwert winzig: Rund 160 000 Besucher aus aller Welt werden bis einschließlich Freitag erwartet. Wer sich seinen Weg durch die 26 Hallen bahnt, findet die Rheinschiene in Halle 8.2. Dort wirbt die Naturregion Sieg mit Landschaftsimpressionen und dem Slogan „Entdecken, erleben, genießen“. Dies freilich dürfte sich tatsächlich in erster Linie auf die Reize der Natur beschränken, denn nachdem die „Villa Leonhart“ in Königswinter geschlossen hat, ist die Zahl der mit einem Michelin-Stern dekorierten Restaurants im Rechtsrheinischen auf Null gesunken – ein kleiner Makel. Dafür aber können sich Ausflügler freuen: Im Frühjahr, sagt Udo Schäfer, nehme die neue Gastronomie auf dem Drachenfels den Tagesbetrieb auf. Und gemessen an den Heerscharen, die bislang an den Wochenenden den nicht Aufstieg zum Gipfel auf sich genommen haben, sei mit einem Ansturm zu rechnen.

Richtig erfindungsfreudig zeigen sich derweil die Bonner. So hat in der Nähe der ehemaligen SPD-Parteizentrale das „Basecamp“ aufgemacht, ein privat betriebenes Hostel der etwas anderen Art: „In einer alten Halle stehen Wohnwagen verschiedener Größe, dazu zwei Schlafwagen der Deutschen Bahn“, schildert Schäfer. Die preisgünstige Unterkunft am Regierungsviertel soll junge Stadttouristen locken und als Herberge für neumodische Events dienen.

Online-gesteuerte Stadtsafari

Eines davon steigt am 6. April. An diesem Samstag wird in Bonn die erste Auflage von „Twonn“ ausgetragen. Die ersten beiden Lettern der Wortkreation verweisen auf das Sozialnetzwerk „Twitter“, die letzten drei auf die Bundesstadt. Dahinter verbirgt sich eine online-gesteuerte Stadtsafari, für die heute schon 150 Anmeldungen vorliegen – Stichwort: Stadttourismus 2.0. „Die Unternehmen reißen sich darum, die Veranstaltung zu unterstützen.“ Als Sponsor steht etwa die Bonner Personenschifffahrt bereit, die für den Transfer zwischen den Zielen sorgt.

Im Juni 2014 soll zudem nach mehrjährigem Baustillstand endlich das „World Conference Center Bonn“ fertig sein, das Tagungen mit bis zu 7000 Teilnehmern beherbergen kann. „Ein Impuls für die gesamte Region“, glaubt Schäfer. Bis es so weit ist, wollen sich die Touristiker ein Konzept überlegen, wie die beiden großen Themen des UN-Standorts Bonn auf die gesamte Region angewendet werden können. Nachhaltigkeit und Internationalität sollen zu prägenden Merkmalen für Bonn und das Kreisgebiet werden.

Während am benachbarten Stand des Flughafens Köln/Bonn die letzten Kölschfässer für die Messetage angeliefert werden, demonstrieren Schäfer und seine Kollegen Josef Sommer (Köln) und Eva-Maria Illigen-Günther (Düsseldorf) jene Einigkeit, die in der Politik dagegen weniger verbreitet ist. Als die drei Direktoren über den Stellenwert des Karnevals als Touristenattraktion diskutieren, spricht Illigen-Günther spontan eine Einladung aus: Und so kann es passieren, dass Sommer und Schäfer am Rosenmontag der kommenden Session auf einem Mottowagen durch die Landeshauptstadt fahren.