25.07.2016
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Klassen im Rhein-Sieg-Kreis: So läuft die Integration von Flüchtlingskindern in den Schulen

Rege Beteiligung gibt es beim Unterricht in der Internationalen Klasse am Eitorfer Siegtal-Gymnasium. Unterrichtet werden alle Fächer, von Deutsch bis Chemie. Die Schüler verschiedener Nationen sind zwischen elf und 17 Jahren alt.

Rege Beteiligung gibt es beim Unterricht in der Internationalen Klasse am Eitorfer Siegtal-Gymnasium. Unterrichtet werden alle Fächer, von Deutsch bis Chemie. Die Schüler verschiedener Nationen sind zwischen elf und 17 Jahren alt.

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Ebert

Rhein-Sieg-Kreis -

Schulpflicht herrscht in Deutschland, ohne Wenn und Aber, auch für Flüchtlingskinder, wenn sie einer Kommune fest zugewiesen sind. „Vor großen Herausforderungen“ sieht sich das Land Nordrhein-Westfalen angesichts einer „anhaltenden Zuwanderung“, spricht in derselben Mitteilung aber auch von „strukturell guten Voraussetzungen“. Zudem investiere man „erhebliche Mittel, um die Schulen mit zusätzlichen Stellen auszustatten. 2015 und 2016 seien das zusammengenommen mehr als 4000 um den gestiegenen Grundbedarf an Lehrern anzudecken und 1200 zusätzliche Integrationsstellen für die Sprachförderung. Aber reichen die Anstrengungen auch aus?

Siegburg

In Siegburg hat Bürgermeister Franz Huhn die Angelegenheit zur Chefsache erklärt. Gemeinsam mit den Beigeordneten und Schuldezernenten Andreas Mast besuchte er die Schulen und nahm sich viel Zeit, um mit den Klassenpflegschaftsvorsitzenden über die Lage und Zukunftsaussichten zu sprechen.

Was die Zusammenarbeit seiner Stadtverwaltung mit den Schulen der Kreisstadt angeht, sieht er keine Probleme: „Die machen großartig mit.“ Acht Klassen an den Grund- und weiterführenden Schulen sollen bald für Flüchtlinge zur Verfügung stehen. Bei der Einrichtung von Lerngruppen für den ersten Deutschunterricht, für die es jeweils eine halbe Stelle gibt, sprechen sich die Grundschulen ab. „Gesamtschule und Realschule sind bis an den Rand gefüllt“, berichtet er zudem. Dort werde man zusätzlich Container für Schulklassen aufstellen müssen.

Huhn fragt sich aber, ob die vom Land zugesagten Stellen auch wirklich alle besetzt werden können: „Ich bin überzeugt, dass der Lehrermarkt leergefegt ist“, fürchtet er. Wichtig wäre ihm darüber hinaus, eine sozialpädagogische Betreuung, für die es aber ebenfalls zu wenig Personal gebe. „Dabei wäre das für die Integration besonders wichtig.“ Er plädiert dafür, Lehrer aus der Frühpension für sechs bis acht Stunden pro Woche zurückzuholen und auch Menschen mit artverwandten Berufen für den Unterricht zu qualifizieren.

Für Huhn spielen die Schulen eine besonders wichtige Rolle für das künftige Zusammenleben, gerade wenn die neuen Klassenkameraden beginnen, Freundschaften zu schließen. „Die können ganze Familien mitnehmen.“

Eitorf

Zu viele Schüler, zu wenig Lehrer, das ist die Zwischenbilanz von Werner Teubler, Schulleiter am Siegtal-Gymnasium in Eitorf: „Über 40 Kinder besuchen unsere beiden internationalen Klassen, das ist eine Überbelegung. Es dürfen nur 36 Schüler sein.“ Das Gymnasium behilft sich damit, den täglichen Unterricht um eine Stunde zu kürzen: „Wir fangen erst in der zweiten Stunde an, von 8.15 Uhr bis 12.50 Uhr.“ Die Einrichtung einer dritten Förderklasse ist bei der Bezirksregierung Köln beantragt. „Wir haben derzeit zwei voll ausgebildete Lehrerinnen, aber in den Klassen sind natürlich mehr Kräfte im Einsatz. Wir brauchen noch einen Lehrer, die Stelle ist aber von der Bezirksregierung noch nicht genehmigt.“

Ruppichteroth

In Ruppichteroth leben zur Zeit 53 minderjährige Flüchtlinge. Davon sind 18 in schulpflichtigem Alter und besuchen eine entsprechende kommunale Bildungseinrichtung. Sechs Kinder lernen in einer Förderklasse der Grundschule Ruppichteroth, zwei Kinder gehen in eine reguläre Klasse der Grundschule Winterscheid. Neun Jugendliche lernen in einer Vorbereitungsklasse, in der auch Schüler aus dem Kreis Oberberg sitzen, an der Sekundarschule Ruppichteroth. Während die Grundschulen der Gemeinde mit dem vorhandenen Personal auskommen müssen, gibt es eine Extralehrkraft für die Vorbereitungsklasse an der weiterführenden Schule. Die türkische Lehrerin Reyhan Yuecetas mit der Zusatzqualifikation „Deutsch als Fremdsprache“ unterrichtet seit Herbst 2015 an der Schule. Wie Rektor Jürgen Horn erklärte, habe die Schule schon früh die Zusage von der Bezirksregierung für die Einrichtung einer solche Klasse bekommen. So konnte man gleich nach den Sommerferien die Stelle ausschreiben und hatte noch die Auswahl unter mehreren Bewerbern.

Neunkirchen-Seelscheid

In Neunkirchen-Seelscheid gibt es derzeit zwei internationale Förderklassen. Eine an der Gesamtschule mit einer zusätzlichen Lehrerstelle. Dort werden derzeit 24 Kinder unterrichtet. Das ist eine Überbelegung mit sechs Schülern, deswegen hat die Verwaltung die Einrichtung einer weiteren Förderklasse beantragt. An der Grundschule in Neunkirchen wurde für die internationale Förderklasse eine halbe Lehrerstelle zusätzlich eingerichtet.


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