27.09.2016
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Für andere im Einsatz, Teil 4: „Patenschaft“ eine echte Ehrensache

Er kennt sogar die Zugführer: Horst-Dieter Heimann aus Agger kümmert sich seit 30 Jahren ehrenamtlich um den Bahnhof Honrath.

Er kennt sogar die Zugführer: Horst-Dieter Heimann aus Agger kümmert sich seit 30 Jahren ehrenamtlich um den Bahnhof Honrath.

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Julia Hohenadel

Julia Hohenadel -

Ein großer Haufen Splitt, mutterseelenallein, abgeladen und liegen gelassen. Horst-Dieter Heimann wusste sofort: „Der war für mich, ein Wink mit dem Zaunpfahl.“ Platziert hatte den Splitt die Deutsche Bahn, aufreizend, mitten am Bahnsteig des Haltepunktes Honrath-Jexmühle. Und der Wink zeigte Wirkung. Heimann griff seufzend zum Rechen und verteilte die winzigen Steinchen sorgsam auf dem Hunderte Meter langen Bahnsteig.

Irgendwann verstehen sich in einer Beziehung eben beide Seiten blind, und bei dem Mann aus Agger und der Deutschen Bahn ist das noch heute so. Seit 1982 ist Horst-Dieter Heimann ehrenamtlicher „Bahnhofspate“. Damals, berichtet er, habe er in das Gebüsch am Bahnsteig einen Durchgang geschnitten. Einfach so, um den Reisenden und sich selbst die Wege zu erleichtern. Die deutsche Bundesbahn nahm die Initiative des Anwohners wohlwollend zur Kenntnis. Als nächstes erklärte sich Heimann bereit, die Blumen am Bahnsteig zu gießen. „Ich wohne ja nur fünf Gehminuten entfernt.“

Zudem arbeitete er zwar früher viele Jahre bei einem Industriekonzern, ist aber gelernter Eisenbahner. Die „Patenschaft“ ist also eine echte Ehrensache. Und mit den Jahren kam eine Fülle unbezahlter Aufgaben hinzu: Laub kehren, Müll aufsammeln, Schäden melden. Selbst wenn heute ein Reisender „einen hoffnungslosen Ringkampf“ mit dem Ticketautomaten ausficht, kann Horst-Dieter nicht wegsehen. Dann erklärt er hilfsbereit Route und Tarif, und hat sogar immer Fahrpläne in der Tasche, die er kostenlos herschenkt. Alles aus Liebe zum Schienenverkehr, wie der passionierte Modellbahnsammler bekennt. Noch heute packt der 74-Jährige regelmäßig sein Arbeitsgerät und müht sich über den zwar kurzen, aber steil bergan führenden Weg von seinem Haus in Agger zum Zugsteig Honrath: „Ein Leben ohne Eisenbahn gibt es nicht für mich.“