27.09.2016
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Neues Konzept der Polizei nach Silvester: Auch „verdeckte Kräfte“ im Einsatz bei Karneval in Rhein-Sieg

Auf dem Marktplatz in Siegburg wird eine mobile Wache stehen, wo die Einsätze koordiniert werden.

Auf dem Marktplatz in Siegburg wird eine mobile Wache stehen, wo die Einsätze koordiniert werden.

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Rohrmoser-von Glasow

Rhein-Sieg-Kreis -

Gemeinsam stellten am Donnerstag Landrat Sebastian Schuster, Kreisdirektorin Annerose Heinze, der Leitende Polizeidirektor Günter Brodeßer und der Polizeiführer für die Karnevalstage, Polizeidirektor Uwe Pasternak, das Einsatzkonzept der Polizei für die Zeit von Weiberfastnacht bis Veilchendienstag vor.

Landrat Sebastian Schuster betonte, dass die Ereignisse der Silvesternacht in Köln Auswirkungen bis in den Kreis haben. „Das Sicherheitsgefühl der Bürger hat Schaden genommen“, sagte er. Das Vertrauen in die Polizei sei beschädigt. Als bekennender Karnevalist will er aber, dass beim Straßenkarneval die Menschen ausgelassen, aber vernünftig feiern können. Deshalb wird die Polizei verstärkt präsent und ansprechbar sein.

Im veränderten Einsatzkonzept werden nicht nur die Großveranstaltungen, wie die Open-Air-Party in Siegburg und Hennef oder die großen Zügen in Eitorf, Hennef, Siegburg und Troisdorf betrachtet, sondern insgesamt 44 Veranstaltungen, darunter viele kleinere Züge. Dabei wird nicht jede Polizeiwache in ihrem Gebiet allein aktiv, sondern die komplette Zeit wird wie ein Einsatz behandelt und von Siegburg aus geführt.

Arbeitsgruppe nach Silvester

Eine Arbeitsgruppe unter Einsatzleiter Pasternak bereitet die Karnevalstage seit Bekanntwerden der Kölner Übergriffe vor. Es gibt Anforderungen für Kräfte der Bereitschaftspolizei. Doch eine Zusage gibt es bislang noch nicht. Also wurde ein Plan B entwickelt. Alle verfügbaren Mitarbeiter werden eingebunden. Dienstfrei-Wünsche mussten abgelehnt werden. Es ist die erste Urlaubssperre seit sehr langer Zeit, weder Brodeßer noch Pasternak konnten sich genau an die letzte erinnern. Sowohl von der Kriminalpolizei als auch aus den Verkehrsdiensten und der Verwaltung sind Beamte eingeplant. Mit dem größtmöglichen Personaleinsatz aus der eigenen Behörde werde gearbeitet. Sowohl Brodeßer wie Heinze werden an den Karnevalstagen im Kreis bleiben.

Weiberfastnacht und Rosenmontag, in abgeschwächter Form der Sonntag, sind die Schwerpunkttage. Im Mittelpunkt soll stehen, dass fröhlich gefeiert werden kann, Gegen Straftäter und Störer wird konsequent vorgegangen.

Es gibt bereits auf den Anreisewegen eine höhere Präsenz uniformierter Kräfte. Dazu kommen sogenannte Eingreifkräfte, die in Bereitschaft stehen. Wer nicht präsent ist, steht in Rufbereitschaft auf Abruf. Die Kommissarsanwärter der Jahre 2013 und 2014, die den Kreis bereits kennen, sind ebenfalls angefordert. Sie gehen zusammen mit erfahrenen Kollegen. Verdeckte Kräfte sind in der Menge unterwegs und beobachten genau, um mögliche Entwicklungen melden zu können. Ein ganz klarer Fokus liegt auf sexuellen Übergriffen. Dafür gibt es auch eine eigen Opferbetreuung. Auch mögliche Übergriffe auf Zuwanderer werden sofort konsequent unterbunden. Mehrere Beamten arbeiten in der Beweissicherung mit Videokameras, außerdem werden die sozialen Netze beobachtet, um Entwicklungen erkennen zu können.

Kreisdirektorin Heinze stellte die Kampagne „Nein heißt Nein“ vor. Freizügige Kleidung und ein Bützchen sind keine Einladung. Gruppen sollten aufeinander achten und untereinander erreichbar sein. Wenn Hilfe benötigt werde, gelte es, sofort auf sich aufmerksam zu machen. Und manchmal sollte man einer Gefahr lieber aus dem Weg gehen. Vor passiver Bewaffnung warnte sie, zu groß sei die eigene Gefährdung.