30.07.2016
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Probleme mit Unterbringung: Bornheim erwartet 1500 Flüchtlinge bis Frühjahr 2016

In der Turnhalle der Verbundschule in Uedorf sollen bis zu 70 Schutzsuchende untergebracht werden.

In der Turnhalle der Verbundschule in Uedorf sollen bis zu 70 Schutzsuchende untergebracht werden.

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Engel-Strebel

Bornheim -

Der anhaltende Flüchtlingszustrom nach Deutschland und damit in die Kommunen war und ist das beherrschende Thema in 2015 und wird die Städte und Gemeinden auch im kommenden Jahr beschäftigen. „Dieses Thema nimmt derzeit 20 bis 30 Prozent meiner Arbeitszeit in Anspruch“, sagte Bornheims Bürgermeister Wolfgang Henseler auf Anfrage. Zunächst gibt es jedoch eine kleine Atempause: Vom 23. Dezember bis zum 3. Januar wird es keine Zuweisungen in die Kommunen des Rhein-Sieg-Kreises geben, die Schutzsuchenden bleiben bis dahin in den Landesaufnahmeeinrichtungen. Doch was geschieht danach?

Mit Stand vom 15. Dezember sind in Bornheim 766 Neuankömmlinge untergebracht, davon 150 in der Erstaufnahmeeinrichtung in der Turnhalle der Johann-Wallraf-Grundschule, von den restlichen 616 Asylbewerbern sind 48 geduldet. Zudem gibt es allein reisende Minderjährige, etwa 20 bis 30 schätzt Henseler, die in Jugendeinrichtungen oder in Pflegefamilien betreut werden. Bis zum Frühjahr, so besagen laut Henseler „sehr vorsichtige Prognosen“, könnte die Zahl an Flüchtlingen in Bornheim zwischen 1000 und 1500 liegen. Die Zahlen machen deutlich, dass damit die bisherigen Unterkünfte nicht ausreichen werden.

Dezntrale Unterbringung

Nach wie vor ist das Ziel, möglichst viele Zugewiesene dezentral unterzubringen. So fanden aktuell in verschiedenen Ortschaften Einladungen zu Bürgergesprächen statt, um die Bevölkerung über die weiteren Planungen zu informieren. Alleine im kleinen Höhenort Hemmerich kamen 130 Interessierte. Dort soll in den ersten Monaten des kommenden Jahres eine Containerwohnanlage neben dem alten Schulhof entstehen, in Kardorf ist eine entsprechende Anlage im Gewerbegebiet Richtung Stadtbahnlinie geplant. Bis Ende Februar soll dann auch die Wohnanlage auf dem Widdiger Dorfplatz fertig sein. Geplant sind weitere Einrichtungen in Dersdorf und Brenig. Über die Standorte wollte Henseler noch nichts sagen, zunächst sollen die Anwohner in einem Bürgergespräch am heutigen Montag (siehe Infokasten) informiert werden. Insgesamt entsteht so neuer Platz für bis zu 210 Flüchtlinge.

Am Freitagabend informierten Sozialdezernent Markus Schnapka und Ortsvorsteher Bernd Marx, der von einer „einschneidenden Maßnahme für Uedorf“ sprach, in der Verbundschule in einem Bürgergespräch, an dem mehr als hundert Zuhörer teilnahmen. 60 bis maximal 70 Flüchtlinge könnten in der Turnhalle der Verbundschule untergebracht werden. Ab dem 11. Januar ist die Halle gesperrt, Decken- und Heizungssanierungsmaßnahmen sind notwendig, parallel laufen die Vorbereitungen für die Unterbringung der Flüchtlinge, die ab dem 8. Februar einziehen könnten. Die Auswirkungen auf den laufenden Schulbetrieb sollen möglichst gering bleiben. Für Schul- und Vereinssport stehen Ausweichmöglichkeiten zur Verfügung. So habe die Herseler Werth-Schule signalisiert, dass sie ihre Turnhalle an zwei Tagen der Woche zur Verfügung stellt, Gespräche mit der Ursulinenschule laufen, auch werden freie Hallenkapazitäten am Vorgebirge untersucht.

Turnhallen sollen nicht belegt werden

Apropos Turnhalle: Das Ziel, dass die an der Bornheimer Grundschule im Frühjahr wieder als Turnhalle nutzbar ist, wird weiter angepeilt. Daher laufe die Suche nach Alternativen auf Hochtouren. Weitere Turnhallen sollen jedoch nicht belegt werden.

Ob das haltbar ist, dürfte fraglich sein. Denn auch eine weitere Unterbringungsmöglichkeit fällt ab April weg: Ein Teil der angemieteten Erntehelfercontainer „Am Ühlchen“ bei der Firma Ritter steht dann nicht mehr zur Verfügung. Sie werden wieder für die Saisonarbeiter benötigt.

Sieben Container-Anlagen hat die Stadt geordert. Da der Markt leer gefegt ist, sind oft spontane Entscheidungen notwendig. Henseler vergleicht dies mit dem Handel an der Börse: „Nehmen wir sie nicht, nehmen sie andere.“

Ungebremst ist das Engagement in der Bevölkerung, wie Henseler beobachtet hat: „Nach jeder Bürgerversammlung melden sich neue Freiwillige.“ Derzeit sind rund 500 Bürger mit dabei. Daher sieht Henseler auch den Feiertagen mit Gelassenheit entgegen. Die ehrenamtliche Einsatzbereitschaft sei gesichert.

Nach wie vor werden der Stadt Wohnungen oder Grundstücke angeboten. Künftig will die Verwaltung etwa mit Kirchen oder Ortsvorstehern nach Wohnraum suchen: „Sie kennen die Leute vor Ort, haben eher die Möglichkeit, über die persönliche Ebene ins Gespräch zu kommen“, so Henseler.