30.07.2016
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Birlinghoven: Bürgerhaus wird privatisiert

Frühlingsgefühle in Birlinghoven: Die Zukunft von Haus Lauterbach ist durch das Engagement des Männerchors gesichert.

Frühlingsgefühle in Birlinghoven: Die Zukunft von Haus Lauterbach ist durch das Engagement des Männerchors gesichert.

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Ralf Johnen

Sankt Augustin -

Das Bürgerhaus in Birlinghoven wird künftig von einem Verein geführt. Wie der Stadtrat am Mittwochabend beschlossen hat, wird der Männerchor 1872 Birlinghoven nicht nur neuer Träger von Haus Lauterbach, sondern auch dessen Besitzer. Bei der Mitte 2015 offiziell in Kraft tretenden Übertragung handelt es sich für Sankt Augustin um ein Novum. Ziel ist die Konsolidierung der städtischen Finanzen, die im Haushaltssicherungskonzept festgeschrieben ist.

Der Männerchor kauft dem namentlich nicht genannten Eigentümer das erst zehn Jahre alte Bürgerhaus zum Freundschaftspreis von 150 000 Euro ab. Hierzu erhalten die 45 Sänger von der Stadt einen Zuschuss in Höhe von 100 000 Euro. An den Grunderwerbskosten in Höhe von 10 000 Euro beteiligt sich die Stadt mit zwei Dritteln. Bis der Mietvertrag in rund zwei Jahren ausläuft, soll eine Zwischenlösung gefunden werden.

Was für die klamme Kommune zunächst nach einem Zuschussgeschäft klingt, wird den Haushalt schon bald entlasten. Bislang nämlich hat die Stadt das Bürgerhaus angemietet – für einen jährlichen Betrag in Höhe von 33 670 Euro. Schon nach etwas mehr als drei Jahren also wird sich der Kaufzuschuss für Kämmerer Stephan Rupp rechnen. „Das ist eine historische Chance, von der eine Signalwirkung ausgehen kann“, so Rupp.

Durch die nun gefundene Lösung vermeidet die Stadt zudem ein Gerichtsverfahren, das im Falle einer einseitigen Kündigung des Mietvertrages gedroht hätte. Die Privatisierung der Bürgerhäuser ist ein Projekt, das die Stadt seit geraumer Zeit verfolgt. Schon der ehemalige Beigeordnete Konrad Seigfried hatte ein entsprechendes Konzept entwickelt.

Die Politik begrüßte die nun gefundene Lösung denn auch einhellig. Ortsvorsteherin Heike Borowski (SPD) erklärte, dass alle Beteiligten „die Fakten sehr genau abgewogen haben“. Sie applaudierte der Bereitschaft des Vereins, für den Ort und die Gemeinschaft Verantwortung zu übernehmen.

Ähnlich äußerte sich FDP-Fraktionschefin Stefanie Jung: „Ich bedanke mich bei dem Verein, dass er diese Bürde auf sich nimmt.“ CDU-Fraktionsvorsitzender Georg Schell begrüßte zudem die Bereitschaft der Kommunalaufsicht, das Konzept abzusegnen: „Auch das ist keineswegs selbstverständlich.“

Die Betriebskosten für Haus Lauterbach belaufen sich auf jährlich 18 000 Euro. Die Stadt wird sich daran weiterhin mit 5500 Euro beteiligen. Den Rest des Geldes will der Männerchor erwirtschaften: Durch Vermietungen des Saales für öffentliche oder private Veranstaltungen.