30.07.2016
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Kinderklinik in Sankt Augustin: Stiftung „Humor hilft heilen“ fördert den Einsatz von Klinikclowns

Quicklebendig und sehr zufrieden mit der „Abschlussarbeit“ der Clowns: Eckhard von Hirschhausen hatte selbst an der viertägigen Fortbildung seiner Stiftung in Königswinter teilgenommen.

Quicklebendig und sehr zufrieden mit der „Abschlussarbeit“ der Clowns: Eckhard von Hirschhausen hatte selbst an der viertägigen Fortbildung seiner Stiftung in Königswinter teilgenommen.

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Quentin Bröhl

Sankt Augustin -

Sie verabreichen keine Medikamente und lindern doch den Schmerz; obwohl sie im Krankenhaus arbeiten, ist ihre Dienstkleidung knallbunt. Ihre schiere Anwesenheit nimmt den Besuchten oft die Angst: Klinikclowns sind für Eckhart von Hirschhausen die „Joker der Zuwendung“, sie nehmen sich Zeit, wo sonst keine ist. Sie sind, so der prominente Kabarettist, das „Gegengift“ für Missstände im Gesundheitswesen.

Mit den Patienten zum Mond

Dass die Klinikclowns normalerweise eine sehr leise Arbeit tun, davon war in der Asklepios Kinderklinik wenig zu spüren: 40 Männer und Frauen strömten am Vormittag ins Haus, Teilnehmer einer Fortbildung von Hirschhausens Stiftung „Humor hilft heilen“ in Königswinter. „Wenn man schon so viele Verrückte auf einem Haufen hat, dann muss man das nutzen“, erklärte von Hirschhausen das gut 20 Minuten währende Spektakel. Gern aber nutzten er und seine Mitstreiter diese „Abschlussarbeit“ des viertägigen Seminars, um für ihren Einsatz zu werben.

„Die Kinder erinnern sich an die Clowns“, erklärte von Hirschhausen, selbst promovierter Arzt, was bei den kleinen Patienten von langen Klinikaufenthalten hängen bleibt. Die Begegnungen können helfen, viele unangenehme Erlebnisse auszublenden.

Seit 20 Jahren gibt es Klinik-Clowns in Deutschland, seit 2008 fördert die von Hirschhausen gegründete Stiftung deren Einsatz. Seit 2013 sind beispielsweise in der Sankt Augustiner Kinderklinik wöchentlich Kollegen im Einsatz, anfangs nur auf der Kinderkrebsstation, inzwischen auf allen Stationen. Mieke Stoffelen von der Bochumer Initiative „Clownsvisite“ gehört dazu, die ihren Einsatz so beschreibt. „Wir klopfen an, es gibt die Möglichkeit zu sagen: ich will nicht.“

Eine Option, die der neunjährige Matthias aus Lohmar nicht nutzen wollte. „Einmal ging es ihm so schlecht, da haben wir nur gesungen“, weiß Mieke Stoffelen. „Wir waren auf dem Mond“, erinnert sich Matthias selbst, der wegen Leukämie in Sankt Augustin behandelt wird. Mit der Rakete flogen Clowns und kleiner Patient aus dem Krankenhaus. „Die haben uns durch manchen schlechten Dienstag gebracht“, sagt Matthias’ Mutter dankbar. „Wenn die Clowns reinkommen, sind die Kinder direkt bei denen.“ Die heilsame Wirkung der kostümierten Besucher, die weit über eine kurzzeitige Ablenkung hinausgehe, sei inzwischen wissenschaftlich belegt, sagt von Hirschhausen. Eine Studie in Berlin habe bei Kindern, die von den Clowns zum OP begleitet wurden, einen um 30 Prozent erhöhten Wert des als „Kuschelhormon“ bekannten Oxytocin nachgewiesen; eines angstmildernden Stoffes.

Für Studien wie diese, aber auch für die Workshops der Clowns oder Fortbildungen des Klinikpersonals zum „Humor in der Pflege“ hat die Stiftung seit ihrer Gründung 2,5 Millionen Euro ausgegeben. Bislang ausschließlich über Spenden finanziert, doch gebe es inzwischen Gespräche auch mit den Kostenträgern über deren Beteiligung, sagte von Hirschhausen. „Wir halten einen Wert hoch, der unter Druck steht“, argumentiert er angesichts täglicher Aufwendungen von einer Milliarde Euro im Gesundheitswesen. „Aber dann heißt es: keine Zeit.“ Für den Kabarettisten, Autor, Arzt und Comedian hat der Einsatz daher auch eine politische Dimension. „Mein Traumberuf“ ist es für Mieke Stoffelen, die im Clownsleben als Lilly auftritt: „Es ist manchmal so wie früher, wenn ich zum Spielen verabredet war.“