29.08.2016
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Tag der offenen Tür: Lernen vom Piloten der Kanzlerin

Zehn Maschinen gehören der Flugschule, funkelnagelneu ist der Tiefdecker mit der Zulassungsnummer D-EGP2.

Zehn Maschinen gehören der Flugschule, funkelnagelneu ist der Tiefdecker mit der Zulassungsnummer D-EGP2.

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Quentin Bröhl

Sankt Augustin -

„Es ist wie Radfahren“, versichert Ralf Jünnemann. „Aber Sie müssen drei Achsen beherrschen“. Nun ja, das Fahrrad hat in diesem Fall Propeller und Tragflächen; ein Sturz hätte deutlich mehr Fallhöhe. Und der Sachschaden dürfte dann erheblich höher liegen. Durchschnittlich 50 bis 60 Männer und Frauen aber schaffen es dennoch Jahr für Jahr, in der Flugschule Köln-Bonn am Flugplatz Hangelar ihren Pilotenschein zu erwerben. Ausbilder, Schüler, Absolventen und solche, die es vielleicht werden wollen, hatte Geschäftsführer Jünemann zum Tag der offenen Tür eingeladen.

Zehn Monate bis zur Lizenz

Vor fünf Jahren hat der heute 50-Jährige die Flugschule übernommen; selbst hatte er dort einen Pilotenschein gemacht, die betriebswirtschaftliche Expertise brachte der Troisdorfer aus der Druckbranche mit. 14 Fluglehrer beschäftigt die Firma heute, einen Flugbetriebsleiter und einen Ausbildungsleiter. Sie alle sorgen dafür, dass die Flugschüler in durchschnittlich acht bis zehn Monaten zur Lizenz geführt werden. Vorausgesetzt, sie haben Zeit genug, um ein bis zwei Mal in der Woche eine Stunde zu nehmen. Und verdienen genug, um die 12 000 bis 14 000 Euro aufzuwenden, die dafür nötig sind.

„Durchschnittliche Gesundheit“ muss mitbringen, wer ins Cockpit von einer der zehn Schulmaschinen steigen will; für die ebenfalls notwendige „Zuverlässigkeitsüberprüfung“ wird intensiver im Leben der Kandidaten geforscht als für das polizeiliche Führungszeugnis. Und mehr als vier Punkte in Flensburg versperren den Weg gänzlich. „Vor allem Punkte, die mit Alkohol zu tun haben“, weiß Jünnemann. Theoretischer Unterricht gehört zur Ausbildung wie in der Fahrschule, in der ersten Etage des Schulgebäudes an der Richthofenstraße steht außerdem ein Simulator, der alle wichtigen Instrumente beinhaltet. 45 praktische Flugstunden sind erforderlich für die Zulassung zur Prüfung: darunter ein Streckennavigationsflug, ein Alleinflug, Strecke über Land. „Bis jetzt ist noch jeder wiedergekommen,“, scherzt Ralf Jünnemann. Der stolz auf die Qualität seiner Ausbilder verweist: Lufthansapiloten sind hier Lehrer oder auch ein Pilot von Kanzlerin Angela Merkel. „Ich finde es am spannendsten, wenn die Schüler, die sich am Anfang nichts zutrauen, immer mehr können“, schildert Karl Kalwak (29) aus der Flugbereitschaft der Luftwaffe seine Motivation für das Unterrichten. „Ich bin immer genauso nervös wie die Leute, wenn sie ihren ersten Solo fliegen.“

Spaß an der Freud

Gut zwei Drittel der Piloten aus der Hangelarer Schule machen den Schein aus Spaß an der Freud, „die fliegen zur Insel, suchen nach einer neuen Herausforderung“. 30 Prozent der Schüler, so die Wahrnehmung des Geschäftsführers, wollen aber eines Tages die Fliegerei zum Beruf machen: Ein harter Weg, wie Jünnemann weiß. 70- bis 80 000 Euro müsse aufwenden, wer als „ready entry“ bei Gesellschaften wie die Lufthansa anklopfen wolle. „Und dann hat er keine Gewähr, dass er genommen wird“. Zugleich sind aber auch Piloten von mehrstrahligen Jets regelmäßig in Hangelar zu Gast, denn ihre Lizenz für das Fliegen von einmotorigen Maschinen müssen auch sie immer wieder erneuern.

„Man lernt hier, kleine Maschinen zu fliegen“, so Jünnemann. „Und das ist viel anspruchsvoller als die großen.“