29.09.2016
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"Heimatklänge"-Festival: Beinharte und klassische Gitarrenriffs

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Erik Zimmermann

Siegburg -

Kurz vor dem letzten Akt des Abends trägt Moderator Sebastian Messerschmidt eine leere Bierkiste auf die Bühne im „Kubana Live Club“ – geraden Schrittes wohlgemerkt, denn selbst geleert hat er sie nicht. Die Kiste ist allein ein Hilfsmittel: Ohne sie käme Messerschmidt für seine Ansage nicht mehr ans hochgeschraubte Mikrofon. Denn alles ist vorbereitet für die Headliner des „Heimatklänge“-Festivals – und da gilt es wahrlich Großes anzukündigen.

Die vier hünenhaften Hennefer von Caliber.X haben sich am Abend zuvor in Köln für das Finale des Internationalen Wettbewerbs „Hard Rock Rising“ qualifiziert. Mit großformatigen Metal-Hymnen lassen sie nun auch den Siegburger Kellerklub erbeben: Vor allem Songs aus dem Debütalbum „Surburbia“ spielen die Jungs um Sänger und Gitarrist Torsten Schramm. Ihre Fans gehen mit – „Headbangen ist Kopfsache“ steht auf einem T-Shirt geschrieben.

Das Publikum ist längst aufgewärmt, denn nicht minder leise sind davor Stolex zu Werke gegangen. „Drop the bomb“, wirf’ die Bombe, fordert das Quartett aus Siegburg und Köln etwa, um dieses – rein musikalisch – gleich selbst auszuführen. Zu beinharten, durchaus klassischen Gitarrenriffs verausgabt sich Sänger Sebastian Mahle kolossal. „Sexy“ ist ein anderer Song, mit dem die Band das „Kubana“ aufmischt. Und mit der Hymne „Stolex“ hat man bereits eine lautstarke Visitenkarte abgegeben, für die, wie so oft, Gitarrist, Songwriter und Buchautor Stiff Chainey verantwortlich zeichnet. Knackiger Glam-Metal und trockener Southern Rock treffen auf ungeschliffenen Blues, schlagkräftig inszeniert ist der Sound.

In der Kreisstadt zu Hause sind auch die Ohrenschmeichler von Conte, die das halten, was sie hinter den Kulissen noch versprochen haben: Trotz Folk-Instrumentierung mit Bassgitarre, Cajón und Akustikgitarre, geben sich die Musiker kantig und mischen einen Schuss Rock in ihre Nummern. Wunderbare Stücke sind es, angesiedelt zwischen deutschem Chanson, wie etwa der Conte-Klassiker „Welke Rosen“, oder eingängigem Pop wie „Leben“ und „Leuchtturm“, versehen mit Texten voller Lebensschmerz und Liebespein, famos aufgeführt von Frontfrau Cirsten Gülker. Zudem pfeift das Quartett um Gitarrist Mathias Wünsche auf das „Künstler sein“, ein Stück voll erfrischender Ironie.

Clever und nahezu weise sind auch die Texte von DorfMusic aus Königswinter. Die Rapper Toni Benoni, Beppa und Hey Jo sowie Sängerin Mia Maria eröffnen den Konzertreigen des „Rhein-Sieg-Anzeiger“ – und das Quartett macht seine Sache souverän: Mit den Armen winkend erlebt die Zuhörerschar die Single „Mein Zuhause“, das grandiose „Egal, welchen Weg“ und das elegische „Gib die Welt nicht auf“. Die Loops unter den Wortkaskaden sind muntere Anleihen aus der Musik dieser Welt, man hört Saz und Sitar.

Dabei ist der Name der Band eine Liebeserklärung an die Heimat, an das Dorf Oberpleis – der Ort, an dem alles anfing und zurzeit das erste Album entsteht. Mit der Ballade „Und ich geh’“ endet der Auftritt der Rap’n’Roller – der Auftakt für einen rauschenden Abend mit großer Bandbreite ist gemacht.


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