29.07.2016
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Baustelle Michaelsberg: Die Baustraße kommt und bleibt

Bis zu 400 Autofahrten pro Tag könnten an Spitzentagen ab 2016 über die Bergstraße gehen.

Bis zu 400 Autofahrten pro Tag könnten an Spitzentagen ab 2016 über die Bergstraße gehen.

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Johannes Schmitz

Siegburg -

In der Ratssitzung gab es einen Überraschungsgast: Horst Becker (Grüne) aus Lohmar, parlamentarischer Staatssekretär der NRW-Landesregierung. Zwar hatte er sich mit den Siegburger Grünen und vor allem mit deren Fraktionsgeschäftsführer Hans-Werner Müller vor geraumer Zeit gründlich und öffentlich überworfen. Hier sah man die beiden in vertraulichem Gespräch.

Anlieger Horst Becker

Da staunten die Vertreter der anderen Parteien nicht schlecht. CDU-Fraktionschef Jürgen Becker, nicht verwandt mit seinem grünen Nachnamensvetter, witzelte sogar über den „Beistand von oben“, dessen sich die Siegburger Grünen versichert hätten. Horst Becker flüsterte während der Sitzung tatsächlich immer wieder mit den Mitgliedern der Grünen-Fraktion. Zu Wort melden durfte er sich nicht, weil er kein Mitglied des Siegburger Stadtrates ist.

Verhandelt wurde ein Thema, das Horst Becker persönlich betrifft: Er besitzt nach Informationen dieser Zeitung eine Eigentumswohnung an einer Stelle, an der bald der Baustellenverkehr zum Umbau der Abtei vorbei rollen wird. Die Siegburger Grünen befürchten, dass diese Straße zur Dauerlösung wird. Die Ablehnung dieser Straße eint Horst Becker und die Siegburger Grünen.

Auch Peer Groß, Vertrauter Horst Beckers und Vorstandsmitglied der Kreis-Grünen, ist persönlich betroffen, woraus er keinen Hehl macht. Er wohnt am Kleiberg. Zu Beginn der Ratssitzung stellte er in der Einwohnerfragestunde viele kritische Fragen zur Baustraße. Neue Fakten förderte das aber nicht zutage.

Fakten hingegen schuf der Rat durch seine Entscheidung gegen die Stimmen der Grünen, die Baustraße über die freie Wiese an der Ostseite des Michaelsberges hinauf zur Bergstraße zu führen. Die Grünen wollten jetzt schon im Beschluss festlegen, dass die Baustraße auf jeden Fall wieder weg muss, wenn die Arbeiten an der Abtei beendet sind.

Genau das aber will sich die CDU offen lassen. Sie bekommt darin die Unterstützung von SPD und FDP. Jürgen Becker (CDU) betonte die Überzeugung seiner Fraktion, dass die Baustraße sich nach der Einweihung des Katholischen Sozialen Instituts auf dem Berg als überflüssig erweisen werde. Auch das Gutachten des Erzbistums, das die Straße über den Kleiberg als Dauerlösung vorschlägt, sieht er dabei nicht als Hindernis, im Gegenteil: „Wenn stimmt, was der Verkehrsgutachter schreibt, sehe ich keine Probleme, das Ziel zu erreichen.“ Der Gutachter prognostiziert bis zu 400 Autos pro Tag an rund 40 Spitzentagen. Sonst seien es deutlich weniger. Zum Vergleich: Durch die relativ ruhige Goethestraße fahren rund 800 Autos am Tag.
Auch Bürgermeister Franz Huhn unterstrich, es gebe ausschließlich ein Konzept für die Baustraße, nicht für eine Dauerlösung. Daher will er auf Antrag des Grünen Charly Halft auch prüfen lassen, ob die Baustraße überhaupt Laternen benötigt. Zustimmung fand auch der Antrag von Ex-FDP-Frau Margret Werner, während der Bauphase prüfen zu lassen, ob es für die Zeit danach alternative Wege auf den Berg gebe.

Schwere Lastwagen

Hans-Werner Müller kritisierte, dass der Rat erst jetzt mit der Sache befasst werde. Seine Parteifreundin Astrid Thiel argumentierte: „Keiner, der einen Vollausbau macht, wird die Straße zurückbauen.“ Doch für Jürgen Becker sind das Unterstellungen. Die Straße müsse extrem gut gebaut sein, da schwere Lastwagen darüber fahren, erklärte auch Bürgermeister Huhn. Frank Sauerzweig (SPD) sah bei den Grünen Opportunismus am Werk. Offenbar wollten sie durch „bewusste Falschmeldungen“ eine Gegenbewegung in der Öffentlichkeit hervorrufen wie es sie gegen das ECE-Einkaufscenter gab. Auch Jürgen Peter (FDP) unterstützt den Kurs der von der CDU geführten Stadtverwaltung. Der Ausbau der Abtei sei ein Kernprojekt für das Selbstverständnis und die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt.

Beschlossen haben CDU, SPD und FDP gegen die Grünen nicht nur den Bau der Baustellenstraße, sondern auch eine Testphase nach Fertigstellung des KSI. Dann wird die Baustraße für einige Monate dicht gemacht, um zu sehen, ob die Mühlen- und Bergstraße den Verkehr aufnehmen können.