26.08.2016
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Bonner Landgericht: Verurteilter widerruft Geständnis

Justitia. Symbolbild

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dpa

Siegburg/Bonn -

Die Berufungskammer des Bonner Landgerichts muss sich derzeit mit einem längst abgeschlossen geglaubten Fall von sexuellem Missbrauch beschäftigen. Im März 2011 soll es in der Wohnung von Siegburger Tageseltern zu einem sexuellen Übergriff auf eine damals Neunjährige gekommen sein.
Der Tagesvater , der heute 40 Jahre alt ist, wurde vor dem Amtsgericht Siegburg wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern angeklagt. Er soll das Kind unter der Dusche angegangen haben. Der Siegburger war zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Der Mann hatte die Vorwürfe gestanden. Allerdings erst, nachdem das Mädchen vor Gericht ausgesagt hatte.

Nur auf Druck des Verteidigers

Inzwischen hat der 40-Jährige aber Berufung eingelegt – und widerspricht seinem damaligen Geständnis. Er habe es nur auf Druck seines Verteidigers hin abgelegt, erläuterte der Siegburger jetzt vor der Berufungskammer des Bonner Landgerichts. Der Anwalt habe ihm das Gefühl vermittelt, er habe die Wahl, für ein Geständnis Bewährung zu bekommen oder aber ins Gefängnis zu gehen.
Auf Intervention seiner Ehefrau und der Schwiegereltern habe er dann allerdings Berufung eingelegt. Vor dem Bonner Amtsgericht beteuerte der Siegburger gestern: „Ich hab das nicht getan.“

Der 40-Jährige, der in der Badehose zu dem Mädchen in die Dusche stieg, will das Kind ausschließlich mit einem Waschlappen gewaschen haben. Angeblich, weil das Mädchen es mit der Körperhygiene nicht so genau nahm.
In der Verhandlung gab der Mann an, hinter den Missbrauchsvorwürfen einen Racheakt der Mutter (50) des ehemaligen Pflegekindes zu vermuten. Die Frau habe ihm Avancen gemacht, die er allerdings zurückwies.

Ob das mutmaßliche Opfer im Berufungsverfahren als Zeugin erscheinen muss, steht noch nicht fest. Die Kammer möchte dem Kind die Aussage wenn möglich ersparen und hat die heute Elfjährige erst zum Ende der Beweisaufnahme geladen. Der Prozess wird fortgesetzt. (jcb)