27.09.2016
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Michaelsberg: Ein Wohnzimmer mitten in Siegburg

Sehr beliebt bei der Jugend ist der Spielplatz am Fuße des Berges.

Sehr beliebt bei der Jugend ist der Spielplatz am Fuße des Berges.

Foto:

Johannes Schmitz

Siegburg -

Seit 15 Jahren sind die Kunstkurse auf und um den Michaelsberg eine feste Größe im Sommerprogramm der Stadt. Der Verein Junges Forum Kunst Siegburg macht sich daher auch besonders viele Gedanken darum, wie der Berg in Zukunft aussehen könnte. Karl-Heinz Löbach, Bildhauer und Vorsitzender des Vereins, erscheint zum Ortstermin mit Jack, einem 13-jährigen Golden Retriever.

Schließlich treffen wir uns auf der so genannten Hundewiese hinter dem Altenheim Zum Kleiberg, also genau da, wo sich bald eine 230 Meter lange Straße den Berg hinauf schlängeln wird.
Mit anderen Hundebesitzern ist man schnell im Gespräch, von der Baustraße haben sie schon gehört. Nicht nur Löbach hofft, dass die Straße nach Fertigstellung des Katholisch-Sozialen Institutes im Jahr 2016 wieder vom Osthang des Berges verschwindet. Mit seinen Vereinsfreunden hat er einige Ideen entwickelt, die er der Stadt demnächst übermitteln möchte.

Vor allem aber hat auch er Wünsche. Etwa den: „Der Berg muss offen bleiben. Man sollte nicht alles regeln und reglementieren“, findet er. Eine eingezäunte Hundewiese etwa findet er nicht gut. Dass seine kleine Tochter beim Rodeln im Winter ständig Hundekot an der Kleidung hatte, der unter dem Schnee lag, findet er allerdings mindestens genau so schlecht. Die Stadt könnte seiner Meinung nach zusätzlichen Spender für Hundekottüten und mehr Abfalleimer aufstellen. Ein weiterer Wunsch: Der Spielplatz sollte vergrößert werden.

Darüber hinaus schlägt der Verein Junges Forum Kunst echte Neuerungen vor: Dort, wo bisher die Workshops im Sommer stattfanden, am Pfarrer-Kneipp-Platz, wo bisher nur ein Tisch mit zwei Bänken steht, können sich Löbach und seine Kunstfreunde einen Pavillon vorstellen. Mit öffentlichen Toiletten, vielleicht sogar mit Café-Bbetrieb im Sommer.

Feuerstelle mit Grill

Eine Feuerstelle und ein öffentlicher Grill fände er auch toll. Der Berg soll zum „Wohnzimmer“ werden. Mit Matineen, Konzerten oder Lesungen könnte man diesen Ort auch ins Kulturleben einbinden.

An der Seufzerallee über dem Osthang sieht man dann, warum die Stadt nicht umhinkommen wird, den Baumbestand auf dem Berg zu reduzieren. Metergroße Krater tun sich im Erdreich auf. Die umgestürzten Bäume, die diese Löcher gerissen haben, liegen teilweise quer über dem Weg.

Auf der Westseite des Berges, rechter Hand der sanierten Treppe, weist Löbach auf die Struktur des in Terrassenform angelegten Gartens hin, der auf Maximilian Jacobi zurückgeht. Dort konnten sich im 19. Jahrhundert die Patienten der von ihm geleiteten Irrenanstalt ergehen.

Jetzt ist das alles stark überwuchert. Löbachs Idee: „Der essbare Berg“. Das Konzept habe nicht der Verein erfunden, das werde schon praktiziert, etwa in Andernach, das sich als essbare Stadt bezeichnet, weil es Brachen mit Obstbäumen und Sträuchern bepflanzt hat. Apfel-, Birnen- und Pflaumenbäume sowie Sträucher mit Beeren kann sich Löbach zur allgemeinen Nutzung dort vorstellen.

Und das sind nur die ersten Ideen. Löbach sieht die Entwicklung am Berg positiv. Er begreift nicht, dass es Stimmen gibt, die den Neubau des Bistums am liebsten hinter Bäumen verschwinden lassen möchten. „Was ist das für ein Verständnis von Architektur?“, fragt er auch in Richtung der Grünen im Stadtrat. In der Geschichte des Berges werde ein neues Kapitel aufgeschlagen, sagt Löbach, das dürfte man ruhig sehen. Und wenn es nach ihm geht, sollen die Bürger den Berg unterhalb der ehemaligen Klosteranlage stärker in Besitz nehmen. Eben wie ein Wohnzimmer.