25.09.2016
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Kölner Stadt-Anzeiger | Prima Perspektive: Profis gucken täglich in die Röhre
05. March 2013
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Prima Perspektive: Profis gucken täglich in die Röhre

Hamdi Cubuckcu (links) erlernt den Beruf des Anlagenmechanikers. Sein Ausbilder ist Jörg Krupp (rechts).

Hamdi Cubuckcu (links) erlernt den Beruf des Anlagenmechanikers. Sein Ausbilder ist Jörg Krupp (rechts).

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Jens Höhner

Siegburg -

Nichts läuft, nichts fließt, alles steht still. Erst wenn die Anlagenmechaniker ihre Arbeit verrichtet haben, kann die Produktion beginnen. Tag für Tag gucken diese Fachkräfte nicht nur in die Röhre – sie verlegen diese auch. „Früher sprachen wir allein von Hochdruck-Rohrschlossern“, erinnert sich Jörg Krupp an seine Lehre. Heute ist er selbst Ausbilder bei der Siegburger Firmengruppe Dr. Starck. Und die schult Anlagenmechaniker sowohl im Bereich Rohrsystemtechnik als auch in der Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik. „Die Anforderungen sind deutlich gestiegen“, sagt Krupp mit Blick auf die Ausbildung. „Denn in der Schule werden heute auch Themen wie etwa Elektro-Technik, Steuerungs- und Regeltechnik oder auch Heizungstechnik vermittelt.“

Hamdi Cubukcu ist einer jener jungen Leute, die sich für diesen Beruf entschieden haben. Er steht kurz vor dem Ende seiner Ausbildung. „Die Arbeit ist klasse“, schwärmt der 21 Jahre alte Siegburger. „Denn was ich hier lerne, brauche ich nicht nur im Beruf: Vieles lässt sich auch privat anwenden, im Hausbau zum Beispiel.“ Dass Cubukcu oft draußen anpacken muss – und das bei nahezu jeder Wetterlage – stört den jungen Mann indes nicht: „Daran gewöhnt man sich schnell.“
Er interessiert vor allem für jedes Gut, das später durch die von ihm installierten Rohre transportiert wird – Dampf, Kondensat oder verschiedenste Flüssigkeiten zum Beispiel. Aber auch das Schweißen liegt ihm. „Nach der Ausbildung möchte ich auf jeden Fall meinen Meister machen und den Schweißer-Schein erwerben.“

Zu den Einsatzorten eines Anlagenmechanikers zählen bei der mittelständischen Unternehmensgruppe Dr. Starck vor allem Betriebe in der Chemie und der Industrie, ein Dauereinsatzort ist etwa das Evonik-Werk in Krefeld am Niederrhein: Dort warten und erneuern die Beschäftigten sämtliche Leitungssysteme. „Andere Einsatzorte sind natürlich Baustellen“, ergänzt Ausbilder Krupp. „Dort setzen wir Montagen um, führen Druck- und Dichtigkeitsprüfungen aus und nehmen zuletzt die Anlage auch in Betrieb.“ Die Isolierung und der Korrosionsschutz seien dabei übrigens die wichtigsten Aspekte.

Geringe Zahl an Abbrüchen

Zu den weiteren Aufgaben an höherer Position gehören zudem das Aussenden von Angeboten, die Verhandlung mit Kunden, das Schreiben von Aufträgen und die Vermessung des späteren Standortes einer Industrie-Anlage. „Wer sich bei uns bewirbt, muss mindestens einen guten Abschluss an der Hauptschule und gute Noten in den Naturwissenschaften mitbringen“, zählt Krupp auf. Und wer die Ausbildung schließlich mit vorzeigbarem Ergebnis hinter sich gebracht habe, dürfe sich über eine Festanstellung freuen.

Gerd Lux, Ausbildungsberater in den technisch-gewerblichen Berufen und Leiter der Gemeinschaftslehrwerkstatt für den Bezirk der Industrie- und Handelskammer Bonn/Rhein Sieg, bestätigt diese gute Perspektive für Absolventen. Aber: „Da viele Firmen derzeit nicht sagen können, wo sie wirtschaftlich stehen, geht die Zahl der Ausbildungsplätze leider zurück.“ Dabei klagten viele Unternehmen bereits über den Mangel an Fachkräften und das hohe Durchschnittsalter ihrer Belegschaft. „Nach beendeter Ausbildung aber sind die Chancen nach oben immer weit offen.“

Die Fachleute betonen indes, dass die Lehrzeit zwar nach dreieinhalb Jahren zu Ende ist, doch erst nach weiteren zwei bis sogar fünf Jahren sei ein Anlagenmechaniker überhaupt in der Lage, selbstständig zu arbeiten. „Die Qualität eines Beschäftigten kommt erst im Laufe dieser Jahre zum Vorschein“, berichtet Ausbilder Jörg Krupp. „Eigentlich lernen sie Tag für Tag dazu.“ Dass der Beruf geschätzt wird, belegen auch die Statistiken des Bundesinstituts für Berufsbildung in Bonn: Von 1131 im Jahr 2011 geschlossenen Ausbildungsverhältnissen wurden nur 186 vorzeitig beendet. Verschwindend gering ist derweil die Frauen-Quote. Krupp: „Dabei ist der Beruf des Anlagenmechanikers durchaus für Frauen geeignet, auch wenn gelegentlich schwere Dinge getragen werden müssen.“