27.08.2016
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Therapiehunde: Therapeuten mit Kuschelfaktor

Die vier- und zweibeinigen Mitarbeiter der Psychologischen Beratungsstelle des Kreises.

Die vier- und zweibeinigen Mitarbeiter der Psychologischen Beratungsstelle des Kreises.

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Sandra Ebert

Rhein-Sieg-Kreis -

Die Mitarbeiter der Psychologischen Beratungsstelle des Rhein-Sieg-Kreises haben alle Hände voll zu tun. Immer mehr Kinder und ihre Eltern nehmen das Angebot an den vier Standorten im Kreis in Anspruch. Den verstörten Kindern im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren Hilfestellung zu leisten, ist keine leichte Aufgabe. Manche verweigern sich dem Gesprächsangebot, ein Durchkommen zu ihnen ist fast unmöglich. Seit August vergangenen Jahres hat die psychologische Beratungsstelle jedoch zwei neue Mitarbeiter, die gerade bei verhaltensauffälligen Kindern das Eis zu brechen vermögen: Mioche und Gamine. Sie haben wuscheliges Fell, braune Knopfaugen und eine ganz spezielle Ausbildung – zum Therapiehund.

Sechs Monate lang hat sie ihre Besitzerin, Heilpädagogin Beate Berghan, auf eigene Kosten in Karlsruhe ausbilden lassen. Ein Wesenstest gehörte ebenso dazu wie Gehorsamslektionen, in denen die Tiere lernten, beängstigende Situationen zu meistern, in denen sie bedrängt, grob behandelt oder eingeschüchtert wurden.

„Die beiden Hunde sind jetzt Teil des Mitarbeiterstabes“, sagt Psychologe Volker Neuhaus. Das spezielle Angebot der tiergestützten Therapie sei besonders für den Erwerb sozialer Kompetenzen oder für solche Kinder geeignet, deren Eltern sich in oder nach einer Trennung befänden. „Und das sind mittlerweile mehr als die Hälfte der Neuanmeldungen“, schildert Neuhaus.

Mit allen Beteiligten wird besprochen, ob ein Hund zum Einsatz kommt – und welcher. Der verschmuste, aber dickköpfige Border Collie Mioche oder die verspielte und aufgekratzte Mischlingsdame Gamine. „Der Hund muss zu dem Kind passen“, erklärt Beate Berghan. Um eine entspannte Situation zu schaffen, bespricht sie Verhaltensregeln mit dem Kind, bevor es zur Begegnung mit dem Tier kommt. „Beim Treffen lasse ich den Hund wirken und interpretiere dann für das Kind die Situation als Heilpädagogin.“

Im vergangenen Jahr haben Beate Berghan und ihre Partner mit der kalten Schnauze bereits zehn Beratungen sowie eine Gruppentherapie glücklich abgeschlossen. „Ein Kind war dabei, das schon eine Begleitung und eine Therapie hinter sich hatte und das von seiner Schule als nicht mehr tragbar eingestuft wurde“, berichtet sie. „Nach der Arbeit mit dem Hund konnte es in der Schule bleiben.“ Ein Erfolg für die Pädagogen auf vier Pfoten. Therapiehunde, das findet auch Beratungsstellenleiterin Maria Buchholz-Engels, sind ein Bonus in der heilpädagogischen Arbeit, der in vielen Beratungsstellen, in der Troisdorfer Förderschule, in Ergotherapiezentren und Altenheimen bereits erfolgreich eingesetzt wird. „Ich freue mich, dass wir das nun auch hier haben. Den Hunden gelingt ein ganz besonderer Zugang zu Kindern, die sonst nur schwer zu erreichen sind.“

Ungesteuertes Sozialverhalten, eingeschränkte Selbstwahrnehmung oder Ängste – in solchen Situationen kann ein Therapiehund helfen. „Hunde reagieren deutlicher. Sie zeigen sofort, ob das Kind zu grob war oder in seiner Kommunikation zu ungenau. Das motiviert die Kinder wiederum, es geduldig noch mal zu versuchen.“