24.08.2016
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Erfinderklub: Nüsse knacken mit Knalleffekt

Max (l.) und Simon führen den Pendel-Nussknacker vor.

Max (l.) und Simon führen den Pendel-Nussknacker vor.

Foto:

Jens Höhner

Troisdorf -

Max nimmt das Pendel aus Stahl und zieht es in die Höhe. Dann erledigt die Schwerkraft das Unausweichliche: Der zwölfjährige Erfinder lässt das Pendel sausen und – Klatsch! – zermalmt die Kugel am unteren Ende die Schale einer Walnuss in grobe Stücke. „Mehr als ein Jahr haben wir an den Nussknackern gearbeitet“, blickt derweil Ulli Herzog zurück.

Seit dem Jahr 2002 leitet der 60 Jahre alte Diplom-Biologe den Erfinderklub „Signo“ an der Realschule „Am Heimbach“, seither stecken Schüler und Absolventen die Köpfe zusammen und lassen ihren Ideen freien Lauf. „Einmal im Jahr, immer nach der Erfindermesse in Nürnberg, führen wir vor, was wir so gebaut haben“, schildert Herzog, der die Arbeitsgemeinschaft ehrenamtlich führt und diesmal auch Troisdorfs Bürgermeister Klaus-Werner Jablonski zur öffentlichen Präsentation in der Schule begrüßen kann.

Zweimal in der Woche, montags in der Mittagspause und zudem am Samstagvormittag, kommen die zwölf Mitglieder im Alter zwischen zwölf und 20 Jahren zusammen und tüfteln an ihren Erfindungen, zum Beispiel an jenen Nussknackern, von denen es heute bereits drei Modelle gibt. Jenes Pendel ist eines davon, das Schafott ein anderes. „Das arbeitet aber viel sauberer“, betont Simon (12), der das Gerät vorführt. Denn eine Schutzscheibe aus Plexiglas verhindert, dass Nussschalentrümmer wild herumfliegen.

Apropos fliegen. Vor einer anderen Apparatur hockt Christian (15) und nimmt sorgfältig Maß. Entspannt er seinen rechten Zeigefinger, schießt ein Katapult eine kleine Stahlkugel in die Höhe. Und wenn er es mit viel Geschick macht, plumpst diese durch einen jener bunten Körbe davor. Das gibt Punkte, „Flip-Basket“ heißt das Spiel. „Zurzeit überlegen wir, ob wir eine Klappvariante hinkriegen“, verrät der Realschüler. Zwar sei das Spielgerät leicht, doch wäre es auch faltbar, könnte man es noch einfacher transportieren. Christian liebt das Handwerkliche, zurzeit schreibt er Bewerbungen für eine Lehrstelle als Hörgeräte-Akustiker. „Im Erfinderklub machen wir viel Technisches, für das im normalen Unterricht keine Zeit ist“, erklärt der Jugendliche, warum er sich der Erfinderriege angeschlossen hat.

Bei seiner Mitstreiterin Sabrina (13) ist es nicht unbedingt das Handwerkliche, sondern eher das Kreative, das sie zu dieser Gruppenarbeit gebracht hat. „Ideen in die Tat umzusetzen, das macht einfach großen Spaß“, schwärmt das eine von zwei Mädchen in der Erfinderrunde. Aber genau dieser Spaß ist es, der Ulli Herzog für sein unentgeltliches Engagement an der Troisdorfer Realschule immer wieder entlohnt. „Junge Leute können Erwachsenen sehr schnell zeigen, wie man abseits der eingefahrenen Bahnen denkt“, nennt der Leiter einen anderen Grund.

Stolz ist Herzog aber auch auf die Erfolge, die seine Schützlinge vorweisen können: Von der jüngsten Erfindermesse in Nürnberg, der „iENA“, ist das Team mit einer Bronze-Medaille zurückgekehrt, damit ausgezeichnet worden ist eben jenes „Flip-Basket“-Spiel. Und nicht nur das: Zwei Patente hat der Klub inzwischen, auf drei weitere Erfindungen hält der eingetragene Verein den Gebrauchsmusterschutz.
„Leider vertraut die Industrie lieber den eigenen Entwicklern, als sich mal die Ideen von Schülern anzusehen“, bedauert Ulli Herzog. Zur Marktreife habe es deshalb bisher noch keine der Erfindungen gebracht.