23.07.2016
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Verbraucherzentrale: Rechtsanwältin berät Senioren

Anwältin Maria Petra

Anwältin Maria Petra

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Stefan Villinger

Troisdorf/Porz -

Mit einem ganz besonderen Angebot stellt sich die Verbraucherzentrale jetzt auf die Bedürfnisse der Senioren ein. Rechtsanwältin Maria Petra steht ab sofort für alle Fragen zum Thema Pflegerecht zur Verfügung. „In letzter Zeit gab es immer häufiger spezielle Probleme, die jetzt kompetent beantwortet werden können“, so Sabine Wolter-Baade von der Verbraucherzentrale. Auch sie ist Juristin, kennt sich mit Fragen zum Gesundheitsrecht aus.

Ein Problem ist immer wieder die Vertragsgestaltung mit Pflegeeinrichtungen. „Eine Tochter, die ihre Mutter versorgt, kam zu mir“, berichtet Maria Petra. Sie hatte einen Vertrag für Kurzzeitpflege unterschrieben, der sich automatisch verlängerte, wenn er nicht rechtzeitig gekündigt wird. Die Mutter war längst wieder Zuhause und es kamen immer noch Rechnungen des Pflegeheimes. „Da muss man genau lesen, was man unterschreibt“, so die Rechtsanwältin. Es gibt eine Vielzahl von Kündigungsfristen. Ihr Rat: vorher informieren.

Meist würden sich Angehörigen oder auch Betroffene erst mit der Problematik auseinandersetzen, wenn ein akuter Fall eintritt. „Da hat man oft nicht die Kraft und auch die Zeit, lange Verträge zu studieren“, so Maria Petra. Man dürfe nicht generell davon ausgehen, dass die Verträge mit Pflegeeinrichtungen problematisch seien, auch diese Betriebe müssten ihre Bettenkapazitäten planen und seien deshalb auf rechtzeitige Informationen angewiesen. Deshalb seien Kündigungsfristen auch für diese Unternehmen wichtig.

Ein weiteres Thema ist die Bestellung eines Vormundes. Maria Petra berichtet vom Fall einer Tochter, die ihren Vater jahrelang liebevoll versorgt hatte. Als sie im Urlaub war, wurde eine Pflegedienst beauftragt, der nach dem Senior sehen sollte. Es kam zwischen dem Mitarbeiter und dem älteren Herrn zum Streit. Der Pfleger beantragt daraufhin die Entmündigung des Mannes bei Gericht, um ihn weiter versorgen zu können. Als die Tochter aus dem Urlaub kam, wurde sie vor vollendete Tatsachen gestellt. „Die wenigsten wissen, dass jeder einen Vormund für eine Person bestellen kann, wenn er die Bedürftigkeit nachweist“, so Maria Petra. „Der Richter entscheidet dann nach Faktenlage.“

Auch sei nicht immer klar, dass Angehörige als Vormund bestellt werden. „Wenn es mehrere Kinder gibt und die sich nicht einig sind, wählen Richter gerne eine außenstehende Person, um einen neutralen Betreuer zu haben“. Dann könnte man das weitere Leben der Eltern nur zusammen mit diesem Vormund gestalten. Deshalb sollten sich Kinder und Eltern rechtzeitig zusammen setzen und eine Vollmacht erstellen. Damit sei für den Notfall alles ausreichend geklärt. Doch was gehört in eine solches Schriftstück? Auf jeden Fall sollte eine Vollmacht für die Bank nicht vergessen werden. Auch hier berät die Verbraucherzentrale umfassend.