31.08.2016
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Kölner Stadt-Anzeiger | Wolf erschossen: Viel Nachsicht mit betagtem Jäger
02. July 2013
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Wolf erschossen: Viel Nachsicht mit betagtem Jäger

Der im Westerwald erschossene Wolf ist inzwischen ein Museumsstück. Auch im Koblenzer Gerichtssaal soll er zu sehen sein.

Der im Westerwald erschossene Wolf ist inzwischen ein Museumsstück. Auch im Koblenzer Gerichtssaal soll er zu sehen sein.

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dpa

Rhein-Sieg-Kreis/Koblenz -

Entsetzen und Empörung bei den großen Naturschutzverbänden: Unter einigen Auflagen hat das Landgericht in Koblenz am Dienstag den Berufungsprozess gegen den Jäger, der im Westerwald einen Wolf getötet haben soll, eingestellt. Christian Comes, Verteidiger des 73 Jahre alten Peter R. aus Bad Honnef und selbst bekennender Jäger, hatte zuvor ein ärztliches Attest vorgelegt, „das den angeschlagenen Gesundheitszustand des Angeklagten belegt“. In einer halbstündigen Besprechung vor Richter Bernd Minnebeck kamen beiden Seiten überein, dass die Einstellung des Verfahrens angemessen sei, zumal Peter R. den Pachtvertrag für jenes Revier im Westerwald, in dem er den wildlebenden Wolf erlegt haben soll, im März ebenso gekündigt hat wie seine Mitgliedschaft im Hegering Siebengebirge.

Waffen müssen weg

Jetzt muss R. seinen Jagdschein bei der Unteren Jagdbehörde abgeben, auch von seinen Gewehren und der Waffenbesitzkarte muss sich er sich trennen. Gleichwohl bleibt die in erster Instanz verhängte Geldstrafe in Höhe von 3500 Euro, zahlbar in 70 Tagessätzen, bestehen. Die Justizkosten trägt jedoch die Allgemeinheit. Vor dem Amtsgericht in Montabaur (Westerwaldkreis) hatte sich der Senior zuvor wenig einsichtig gezeigt. Seine Qualitäten als Schütze wurden durch seine eigenen Aussagen und die Angaben von Zeugen an den drei Verhandlungstagen höchst unterschiedlich bewertet: Sie schwankten zwischen „höchst unsicher“ und der „beste Jäger unter den Pächtern des Reviers“. Am Ende verurteilte Richter Jens Kaboth Peter R. zu besagter Geldstrafe, doch gegen den Richterspruch legten sowohl Verteidiger Comes als auch Oberstaatsanwalt Ralf Tries Berufung ein.

Geahndet wurde damals allein der Verstoß gegen das Tierschutzgesetz, die „Tötung eines Wirbeltiers ohne vernünftigen Grund“, wie es Richter Kaboth in seiner Urteilsbegründung formulierte.  Auch wurden Peter R. die Kosten des Verfahrens aufgebrummt. Ziel von Oberstaatsanwalt Tries war es ursprünglich, R. mit dem Todesschuss im April vergangenen Jahres auch einen Verstoß gegen des Bundesnaturschutzgesetz nachzuwiesen. Bei einer Verurteilung wäre eine Freiheitsstrafe zwischen einem Jahr und drei Jahren möglich gewesen. „Vermutlich hätte ich es aber nicht geschafft, ihm nachzuweisen, dass er wusste, dass er auf einen Wolf angelegt hatte“, erklärte Tries nun seine Zustimmung zur Einstellung des Verfahrens. „Aber dass der Angeklagte einen Riesenfehler gemacht hat, ist wohl allen klar.“

Während Peter R. sichtlich erleichtert in Koblenz den Gerichtssaal verließ, machten erregte Vertreter des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und des Naturschutzbundes (Nabu) ihrem Ärger Luft: „Das ist ein herber Rückschlag für den Artenschutz“, erklärte Harry Neumann, BUND-Landesvorsitzender Rheinland-Pfalz. „Und das ausgerechnet im Jahr der Biodiversität – ein völlig falsche Signal!“ Neumann forderte ein „neues, ökologisch ausgerichtetes Jagdrecht“, das auch die Tötung vermeintlich wildernder Hunde verbietet, um künftig Verwechslungen vorzubeugen. Im Prozess hatte der angeklagte Jäger stets wiederholt, dass er den Wolf eben für einen Hund gehalten habe, der einem Reh nachsetzte. Olaf Strub, Naturschutzreferent der Nabu-Landesgeschäftsstelle Rheinland-Pfalz, fürchtet, dass noch mehr Wölfe zu Schaden kommen könnten: „Denn bald gibt es in unserem Land ganz sicher das erste Rudel.“