Jetzt muss die Anlage grundsaniert werden. Denn einsatzbereit muss sie auch in Zukunft sein - jederzeit.
Mit der Planung der Großtagebaue in den 50er Jahren muss die Sümpfung, also das Trockenlegen der Tagebaue, langfristig sichergestellt werden. Um das zu erreichen wird das Wasser bei Bergheim-Kenten in die Erft gepumpt. Zur Zeit müssen jährlich 550 Millionen Kubikmeter Wasser, das meiste aus dem Tagebau Hambach, gehoben werden. „Die Hälfte davon nutzen wir, das meiste als Kühlwasser in den Kraftwerken, aber auch zur Bewässerung der Feuchtgebiete im Schwalm-Nettetal. Ein geringerer Teil kommt als Trinkwasser aus der Leitung, sagt Martin Pöss, Abteilungsleiter Wasserversorgung und Gewässer bei RWE Power. Dabei spielt die Erft eine wichtige Rolle. Wohin aber mit dem Sümpfungswasser, wenn Schneeschmelze und starker Frühjahrsregen die natürliche Erft schon im Unterlauf über die Ufer treten lässt?
Schon Anfang der 50er Jahre steht fest: Die Erft muss einen zweiten Ablauf bekommen, damit auch bei Hochwasser die Tagebaupumpen weiter laufen können. Der Kölner Randkanal bietet die Lösung. Aber: Zwischen Erft und Rheintal erstreckt sich eine Höhenzug - der Villerücken. Weil der Rhein aber die einzige Möglichkeit bietet, derart große Wassermassen zu bewältigen, beschließen die Verantwortlichen der damaligen Firma Rheinbraun einen Stollen durch den Villerücken zu graben - von Horrem-Götzenkirchen bis nach Neu-Buschbell. Dort soll das Wasser über den Randkanal in Richtung Worringen und dann in den Rhein fließen.
Im Winter 1955 / 56 sind die Arbeiten schon weit vorangeschritten. Von fünf Schächten aus treiben mehr als 100 Arbeiter über zwei Jahre lang mit Schneidbohrern und unter Hilfe von hohem Luftdruck den Stollen in zwei Richtungen voran. Schließlich hat die Röhre eine Länge von sechs Kilometern und eine Querschnittsfläche von neun Quadratmetern. Man kann mit einem Kleinbus hindurchfahren.
An der Erft bei Kerpen entsteht ein so genannter Abschlag und ein Kanal in Richtung Götzenkirchen. So kann die Erft bei Hochwasser direkt über den Kanal zum Villestollen nach Götzenkirchen fließen. Dort wird ein Pumpwerk errichtet, um das Wasser schließlich in den zehn Meter höher gelegenen Stollen zu befördern. 1957 nimmt es den Betrieb auf.
Vier bis fünf Mal im Jahr wird der Stollen aus seinem ruhigen Dasein gerissen und zum reißenden Kanal, weiß Martin Pöss. Aber nicht nur bei Hochwasseralarm kann die Erft kontrolliert umgeleitet werden. Schon bei Starkregen in der Eifel könne der Pegelstand der Erft durch den Abfluss Ville-Stollen reguliert werden.
Die Pumpen in Götzenkirchen haben eine enorme Leistung. Sie schaffen bis zu 8,5 Kubikmeter Wasser pro Sekunde. „Damit kann man ein großes Schwimmbecken von 50 mal 25 Meter in fünf Minuten füllen“, sagt Pöss.
Nach gut 50 Jahren wird die gesamte Anlage jetzt erstmals komplett unter die Lupe genommen. „Wir haben den Stollen mit einer Kamera befahren und festgestellt, dass es sich um kernigen Beton handelt, solide gebaut“, sagt Pöss. Dennoch wird die Sanierung einen zweistelligen Millionenbetrag kosten. Denn obwohl die Pumpen noch funktionieren, werden sie samt Elektrotechnik gegen moderne ausgewechselt. Genaues aber kann er erst sagen, wenn alle Kosten ermittelt sind. Mit der Sanierung soll im kommenden Jahr begonnen werden. Auch an die Sicherheit der Arbeiter, die dann in den Schacht müssen, ist bereits gedacht: Gemeinsam haben die Werksfeuerwehr und die Freiwillige Wehr der Stadt Frechen Kanal und Zugangsschächte inspiziert, um im Falle eines Falles schnell an jede Stelle im Stollen zu gelangen.



