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Wollseifen: Verschwinden die Kampfhäuser?

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Kampfhäuser
Den Abriss der ehemaligen „Kampfhäuser“ (unten) am Ortsrand von Wollseifen plant der Nationalparkverwaltung. (Bild: Sammlung Heinen)
Schleiden-Gemünd

Jahrzehntelang dienten die Anfang der 1980er Jahre nahe der Wüstung Wollseifen errichteten Rohbauten den Nato-Truppen, später insbesondere SFOR- und KFOR-Einheiten als Übungsobjekte für den Häuser- und Straßenkampf. Es handelt sich um ein gutes Dutzend unwirklich dastehender, meist zweigeschossiger Rohbauten aus Kalksandstein. Mitten hindurch führt bis heute eine Betonstraße, so dass die Militärs auch Panzer einsetzen konnten, ohne hinterher jedes Mal die Straße erneuern zu müssen.

Dort lernten die Kriseninterventionsstreitkräfte des westlichen Bündnisses, wie man sich in Krisengebieten sichert, aber auch, wie man sich verhalten soll, wenn es zu Feindseligkeiten kommt. Neben den Militärs nutzten auch die polizeilichen Spezialkräfte bisweilen die surreal anmutende Kulisse der Geisterstadt im militärischen Sperrgebiet, um bestimmte Einsätze zu trainieren.

Heute liegt das Gespensterdorf direkt neben den wenigen halbwegs erhaltenen Bauwerken des früheren Dorfes Wollseifen im Nationalpark. Eigentümerin der Immobilien ist seit langem die Bundesforstverwaltung, somit ist sie dort auch für die Sicherheit verantwortlich. Die ist aber ohne erheblichen Kostenaufwand kaum zu gewährleisten.

Warten auf Genehmigung

Das führte jetzt dazu, dass der Bundesforst und die Nationalparkverwaltung bei der Kreisverwaltung beantragt haben, die Kampfhäuser abreißen zu dürfen.

In Deutschland bedarf es nämlich nicht nur der behördlichen Erlaubnis, wenn man ein Bauwerk neu errichten will, sondern auch, wenn man eines abreißen will. Dass der Antrag gestellt wurde, bestätigte gestern auf Anfrage Henning Walter, der Chef der Nationalparkverwaltung, dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.

Walter: „Wir können nicht ewig ungenutzte Bauwerke erhalten. Das ist auch aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht auf Dauer nicht tragbar. Sobald die Abrissgenehmigung des Kreises vorliegt, wird der Abriss sehr schnell erfolgen.“ Die Alternative, so Walter weiter, sei „die Einzäunung des Geländes“.

Tatsache ist, dass Wollseifen und damit auch das seltsame Geisterdorf direkt nebenan jede Menge Touristen anlockt. Von Vogelsang aus führt einer der meistbegangenen Wanderwege im Schutzgebiet nach Wollseifen und von dort weiter zur Urftstaumauer. Viele Wanderer nutzten die höchst ungewöhnliche Kulisse für eine Rast auf den Bänken, die seit dem vergangenen Jahr an einem Rastplatz im Schatten der restaurierten Kirchenruine stehen. Es ist ganz offensichtlich, dass es neben den Resten des alten Eifeldorfes insbesondere auch die bizarren Kalksandsteinbauten der Militärs sind, die den Ort touristisch „spannend“ machen. Daher haben die Tourismus-Verantwortlichen der Region mit Sicherheit das größte Interesse am Erhalt. Und es gibt einen weiteren Aspekt, der gegen den Abriss sprechen dürfte.

Nationale Interessen

Die seltsame Gebäudeansammlung bildet in jedem Fall einen Bereich, an dem man noch sehr lebendig die politischen und ideologischen Verwerfungen des 19. und 20. Jahrhunderts aufzeigen kann, als nationale Interessen zur Verwüstung weiter Teile Europas und der restlichen Welt führten.

In der Zeit der ideologischen Frontstellung zwischen Ost und West war das belgische „Camp Vogelsang“ einer der Orte, an dem sich die westlichen Staaten auf eine militärische Auseinandersetzung mit dem Warschauer Pakt vorbereiteten.

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