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Restaurant-Kritik: Chinaküche mit Nostalgiefaktor

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Foto: Max Grönert
Das „Tchang“ gibt es bereits seit 1954 und Tradition wird hier großgeschrieben. Den meisten Gerichten kommt dies zugute, Service und Interieur hingegen wirken unfreiwillig komisch, machen den Besuch aber auch zu einem Erlebnis mit hohem Unterhaltungswert.  Von
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Innenstadt

Ein chinesisches Restaurant, das schon seit 1954 durchgehend geöffnet ist. Kaum zu glauben, dass sich schon zu Zeiten Konrad Adenauers genug normal-deutsche Kartoffelesser trauten, chinesisch essen zu gehen, damit ein solches Lokal bis heute wirtschaftlich überleben kann. Zehn Jahre später zählte das Magazin „Spiegel“ schon acht chinesische Lokale in Köln. Deren größtes Problem war es, Arbeitsvisa für die Köche zu bekommen, weil das Auswärtige Amt offenbar eine maoistische Unterwanderung durch die Küchentür befürchtete.

Die Familie Tchang führt ihr Lokal nun in der dritten Generation, aber das Interieur entspricht immer noch den Gründerjahren. Gediegene Holzvertäfelung, Porzellan-Buddha und andere Figuren in Glasvitrinen, Seidenstickerei an altrosa tapezierten Wänden und so dicke Polster auf den Sitzbänken, dass man im ersten Moment noch leicht nachschaukelt, wenn man sich hinsetzt. Die Damen im Service servieren in weißen Blusen und Kostüm, auf den mit Tafelsilber und Stoffservietten eingedeckten Tischen werden sogar Silberschälchen unter das Pilsener Urquell vom Fass gesetzt – allein das macht den Besuch hier zu einem außergewöhnlichen Erlebnis mit hohem Unterhaltungswert.

Original Peking-Ente enttäuscht

Auf der sehr großen Speisekarte ist freundlich vermerkt, dass alle Gerichte auch ohne die Verwendung von Geschmacksverstärkern, also Glutamat, zu bekommen sind – außer natürlich dem Anteil, der in den schon vorbereiteten Saucen verwendet wurde. Die original Peking-Ente in drei Gängen, ab zwei Personen für je 29,50 Euro und zwei Tage im Voraus zu bestellen, wird traditionell nach einem Rezept aus der Ming-Dynastie zubereitet. Das wiederum hört sich nun geheimnisvoller an, als es ist. Der erste Gang mit der knusprigen Haut, die zusammen mit feinen Streifen von Staudensellerie und Gurke sowie Schnittlauch in einen dünnen Pfannkuchen gewickelt wird, den man vorher mit einer süßlich dicken Bohnen-Sauce bestrichen hat – eine ungewöhnliche, aber gelungene Kombination. Beim zweiten Gang mit einigermaßen saftiger Entenbrust und Keule war allerdings die Haut wieder dran, weil es sich um eine andere Ente handelte. Sie lagen auf unterschiedlichem Gemüse, Sojasprossen und Morcheln, dazu wurden vier verschiedene Saucen von pikant bis fruchtig-säuerlich gereicht, die sich sehr ähnelten.

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Insgesamt alles eher zurückhaltend, um nicht zu sagen langweilig gewürzt und sicherlich keine große Offenbarung chinesischer Kochkunst. Die abschließende klare Suppe mit Einlage von Entenfleisch, Glasnudeln, Gemüse und Tofu wirkte erst nach beherztem Einsatz von Salz und Sojasauce ordentlich abgeschmeckt.

Kleinere Gerichte überzeugen

Wesentlich interessanter und deutlich sorgfältiger zubereitet waren die anderen Klassiker des Hauses: die gebackenen, sehr knusprigen Wan-Tan (4,30 Euro), die gedämpften Nudeltaschen Jiao Zi (6,20 Euro) und die leicht gebundene Hühnersuppe mit Mais (4,30 Euro). Die Qualität der gerösteten Poulardenbrust auf Gemüsebett rechtfertigte ihren Preis (15,50 Euro), ebenso wie die Stücke vom zweimal gebackenen Schweinebauch in einer sehr aromatisch Sauce – mit knackig gegartem Staudensellerie ein sehr bodenständiges Highlight der Karte.

Auch für Nostalgiker, die wie ich erst nach 1954 geboren sind, eignet sich außerdem besonders die enorme Loempia (3,90 Euro): Sehr groß, mit aufgeworfenen Blasen im knusprigen Teig und sehr viel Sojasprossen in der Füllung schmeckte sie in der Erinnerung genauso wie bei meinem ersten Mal – 1980 beim damaligen Lieblingschinesen aller Studenten in Dortmund, dem „Goldenen Drachen“.

Das Restaurant

Tchang
Große Sandkaul 19
50667 Köln-Innenstadt
0221/2575706
Öffnungszeiten: Täglich ab 11.30 Uhr

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