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Pädagogik: Wünsche versus Weltanschauung

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Kinder zu beschenken wird in Zeiten von Gruppendruck und Konsumrausch immer schwerer. Eltern, die versuchen gegen den Konsumrausch vorzugehen haben es oft nicht leicht.  Von
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Das Schenken wird immer komplizierter, stöhnen alle Jahre wieder Eltern, Großeltern, Tanten und Onkel. Die Wunschzettel des Nachwuchses sind oft ebenso lang wie konkret. Nicht die einfachste Aufgabe für Erwachsene: Sollen sie beim Einkauf das an das Christkind gerichtete Original mitnehmen oder den Wunschzettel nach eigener Weltanschauung streichen und ergänzen?


„Eltern haben einen schweren Stand, wenn sie gegen den Konsumrausch angehen möchten“, sagt Dörte Außem, Leiterin der Overather Kita „Der Regenbogen“. Das Ergebnis ihrer spontanen Weihnachtswunschumfrage ist wenig überraschend: Laufende Puppen, Einhörner, Prinzessinnenzubehör und Kinderküchen auf der weiblichen, ferngesteuerte Autos, Traktoren und Eisenbahnen auf der männlichen Seite. Derweil spielen Mädchen wie Jungen seit einer gefühlten Ewigkeit mit der in der Kita aufgestellten Krippe. Ein paar Gummifiguren, einige Holzklötzchen, Tannengrün- und zapfen. „Wie man sieht, reicht ihnen das“, stellt Außem trocken fest. „Die Kinder sind die gleichen geblieben.“ Nicht gleich geblieben sind die Informationsmöglichkeiten über das, was der Weihnachtsmann in seinen Sack packen kann. „Anscheinend werden die Begehrlichkeiten in der Werbeindustrie geboren und nicht im Kinderherz“, sagt Dörte Außem. Ihre kleine Umfrage bestätigt das. „Weil ich es aus dem Fernsehen kenne“ ist der meistgenannte Wunschgrund, knapp gefolgt von „weil meine Freundin das schon hat.“ Georg Engelen, Mitinhaber des Bensberger Spielwarengeschäfts „Der Rabe“, bestätigt: „Der Gruppendruck hat sehr stark zugenommen“, sagt er. „Das fängt spätestens in der Grundschule an.“ Die Eltern sitzen derweil zwischen den Stühlen ihres erzieherischen Anspruchs und der Horrorvision des enttäuschten Kindes, wenn das Christkind die Wünsche nicht erfüllt hat. „Manche entschuldigen sich sogar beim Kauf“, sagt Joachim Daubenbüchel, dem das zweite Spielwarengeschäft in der Schlossstraße gehört. „Ich kann nichts dafür – er/sie wünscht es sich doch so sehr!“ So oder ähnlich lauten Sätze von Eltern, die verschämt nach zähnefletschenden Monstern oder rosafarbenen kläffenden Plüschhunden fragen. „Krieg und Kampf stehen nach wie vor hoch im Kurs“, sagt Daubenbüchel. Der Renner 2012 sei eindeutig Lego.


Immer mehr Eltern machen im Geschäft die Geruchsprobe. „Alles, was aus Fernost kommt, wird immer kritischer betrachtet“, sagt Daubenbüchel. „Doch das sind 40 Prozent. Da bin ich trotz Zertifikaten auf der Packung in Erklärungsnot.“ Nur ein „Made in Germany“ stehe wirklich hoch im Kurs. Doch auch die so gekennzeichneten Produkte entstünden nur zum Teil in Deutschland. Bei Georg Engelen zeichnet sich ein anderer Trend ab. „Pädagogisch wertvoll“ sollen die Spiele sein, so dass beim Spielen explizit gelernt wird, am besten mit Zertifikat bestätigt. Engelen sieht es eher kritisch, wenn der Schwerpunkt auf den Wissenszuwachs der Kleinen gelegt wird. „Da geht die Kindheit verloren“, sagt er, in erster Linie gehe es doch um Lebensfreude. Prädikate und Tests seien ein Anhaltspunkt, sollten aber nicht der einzige sein. „Da wird sehr streng bewertet“, sagt er, „und selten unter dem Spaßaspekt.“ Seine Erfahrung im Geschäft zeigt jedoch, dass Eltern Zertifikate wollen. Nicht nur, weil sie Wert auf Bildung legen, sondern auch, um sich im Dschungel des Überangebots irgendwo festzuklammern. Beim „Kinderspiel des Jahres“ kann sich der Käufer sicher sein, dass die Juroren alle Spiele mit Kindern ausprobiert haben und dass auch an den Spaßfaktor gedacht ist. Sabine Koppelberg aus Odenthal ist Koordinatorin der Jury. Der diesjährige Sieger heißt „Schnappt Hubi“ und ist ein kooperatives Spiel. Die liegen bei den Gesellschaftsspielen im Trend. „Man gewinnt oder verliert zusammen gegen das Spiel“, erklärt Koppelberg. Die Jury gibt jährlich eine Empfehlungsliste mit zehn Spielen heraus. Die Jurorin rät: „Auf die Altersangabe achten und sie berücksichtigen.“


Kinder stehen im Raben meist begeistert an einem Tisch mit, so Engelen, „artfremden“ Produkten für den Spieleladen. Während der „Gyro-Kreisel“ mit Lichteffekten auf einer magnetischen Gabel turnt, krabbeln die „Hexbugs“ am Boden und weichen Hindernissen scheinbar intelligent aus. „Kein pädagogischer Hintergrund. Das macht einfach Spaß“, sagt Engelen. Mit seinen Kunden teilt er indes die Skepsis gegenüber elektronischem Spielzeug: Puppen (auch wenn sie nicht laufen) und Bücher (auch wenn sie sich nicht selbst vorlesen) seien gefragt; ebenso Kostüme für Rollenspiele (auch wenn kein Karneval ist).


Im Umgang mit dem Wunschzettel rät Pädagogin Dörte Außem zu einem Mittelweg: „Alles ablehnen ist schlecht. Alles erfüllen ebenso.“ Moralansprachen verstehen Kinder nicht, wenn es um den Herzenswunsch geht.
Wichtig sei aber, gewissem Spielzeug Tatsachen und Werte beizugeben. Das gelte für Krieg und Kampf, aber auch für Barbie-Puppen. Außem: „Man kann schon anmerken, dass im wirklichen Leben die Beine einer Frau irgendwo mal aufhören.“

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