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Brühler Landstrasse: Kaum Chancen für das Grüne Haus

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Stephan Teine (unten) und Andreas Marcellus Schwarte vor dem verfallenden Haus, in dem eine hölzerne Treppe ins obere Geschoss führt. Foto: süs
Eigentlich soll das „Grüne Haus“ an der Brühler Landstrasse abgerissen werden. Ein Verein will das leerstehendes Gebäude aber lieber in Eigenregie renovieren und als Raum für Jugendliche nutzen. Doch die Stadt stellt sich bislang quer.  Von
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Raderthal

„Das Grüne Haus“ nennt Stephan Teine das Gebäude an der Kreuzung Militärring/Brühler Landstraße. Nur im Winter und im Frühjahr, wenn die Bäume kein Laub tragen, ist es gut sichtbar. Seit vielen Jahren steht das Haus im Besitz der Stadt im Äußeren Grüngürtel leer, schon 2008 sollte es abgebrochen werden. Früher war dort die Schreinerei des Grünflächenamtes untergebracht. Stephan Teine ärgert sich, wenn er zuschauen muss, wie das Gebäude in dem von Mauern begrenzten Areal zusehends verfällt. Der 46-Jährige möchte es herrichten und einen „Jugend-Kultur-Raum“ dort unterbringen.

Vor etwa einem Jahr hat der Kölner sein Anliegen im Beschwerdeausschuss vorgetragen, konnte aber die Politik und die Fachverwaltung nicht von seinem Plan überzeugen. Das Projekt ist bislang am fehlenden Baurecht gescheitert. Das Haus liege im denkmalgeschützten Äußeren Grüngürtel und im Außenbereich, eine Bebauung sei dort nicht zulässig, begründeten die Stadtplanung, die Gebäudewirtschaft und das Jugendamt ihre ablehnende Haltung. Gleichwohl solle Stephan Teine sein Konzept überarbeiten und dem Ausschuss erneut zur Prüfung vorlegen, hieß es vor einem Jahr.

Sanierung in Eigenregie

Am 29. April will Teine sein Vorhaben erneut im Beschwerdeausschuss vorbringen. Er ist inzwischen erster Vorsitzender des neugegründeten Vereins Jugend-Kultur-Raum, der demnächst ins Vereinsregister eingetragen werden soll. Zu günstigen Konditionen möchte er Haus und Grundstück von der Stadt pachten. Für die aufwendige Sanierung in Eigenregie habe er bereits Zusagen für Materialleistungen in Höhe von ungefähr 50 000 Euro erhalten. Er selbst sei gelernter Zimmermann und könne das Dach reparieren, sagt Teine, der außerdem soziale Arbeit studiert hat.

Derzeit widmet er sich ganz seinem Jugend-Kultur-Projekt, die Idee dazu sei ihm vor gut zwei Jahren gekommen. Wenn er durch das marode Haus führt, lässt er seiner Begeisterung freien Lauf. Im Erdgeschoss sollen Räume für kreative junge Leute von 14 bis 30 Jahren eingerichtet werden. Zum Musikmachen, zum Theaterspielen, für Lesungen – für „multikulturelle Zwecke“ eben. „Mein 14-jähriger Sohn würde sich hier auch wohl fühlen“, sagt Teine.

Die Stadt stellt sich quer

Eine Holztreppe führt in die obere Etage. In der ehemaligen Küche sind die Fliesen noch in gutem Zustand. Die Räume sind hoch, zum Teil von Licht durchflutet. Der Aufwand für die Sanierung wäre allerdings erheblich. Im oberen Geschoss möchte Stephan Teine mit seinem gemeinnützigen Verein unterkommen. „Überall wird im sozialen Bereich gespart“, sagt er. „Wir würden keinen Cent von der Stadt verlangen und auch für jedes Risiko aufkommen.“ Aber die Stadt stelle sich bislang quer. Teine zeigt sich überzeugt, dass der Verein Jugend-Kultur-Raum das Gebäude unterhalten und den selbstverwalteten Jugendbetrieb leisten könne durch Vereinsbeiträge in Höhe von jährlich 100 Euro sowie durch Spenden und Untervermietung.

Vor zwölf Jahren musste der Schiffhof weichen

Ende März wurde eine Besetzung des Gebäudes verhindert. Die Autonomen zogen ab, als Stephan Teine sein Projekt und den mehrjährigen Kampf um das Haus erläuterte, ein Eingreifen der anwesenden Polizei erübrigte sich. Nach den Plänen der Stadt droht dem Grünen Haus ein ähnliches Schicksal wie dem Schiffhof, der ganz in der Nähe, ebenfalls im Grüngürtel an der Brühler Landstraße lag, bevor er vor zwölf Jahren abgebrochen wurde.

Der Schiffhof war ein Gutshof aus dem zehnten Jahrhundert. Ab 1963 baute die Stadt die Ställe zu Lager- und Wohnräumen um. In den 1970er Jahren lebten dort einige Kölner in alternativen Wohngruppen. In den 90er Jahren wurden Flüchtlinge untergebracht, überwiegend Roma-Familien. Auf den Freiflächen um den Hof siedelten sich später Bewohner in Bauwagen an. Die Bauwagen- und Containerkolonie wurde von der Stadt geräumt. Zuletzt hatte der Schiffhof leergestanden. (süs)

Die Lage mitten im Grünen sei ein Traum, finden Stephan Teine und Projektbefürworter Andreas Marcellus Schwarte. Es gebe dort keine Nachbarn, die sich womöglich über Lärm der Jugendlichen beschweren könnten. Die Abgeschiedenheit hat allerdings auch Nachteile: So liegt die nächste Stadtbahn-Haltestelle am Südfriedhof in Zollstock. Für Pkw besteht bislang keine Zufahrtsmöglichkeit. Einen kleinen Parkplatz gibt es zwar ganz in der Nähe des Grundstücks an der Brühler Landstraße – den müssten sich aber die Besucher des künftigen Grünen Hauses mit den Prostituierten und Freiern teilen, die dort ab 20 Uhr beschäftigt sind.

Skeptisch zeigt sich Lothar Buntenbroich, der zurzeit die städtische Bauaufsicht leitet. Es bestünde nach wie vor Bauverbot im Landschaftsschutzgebiet Äußerer Grüngürtel, sagt er dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ auf Nachfrage. Die Erschließung sei nicht gesichert und die Niederlegung des Gebäudes beschlossen; schätzungsweise 20 000 bis 30 000 Euro würde diese kosten. Bei einer „Ämterbesprechung“ sei vor kurzem das Projekt erneut abgelehnt worden. Künftig solle an diesem Standort ein Naturspielplatz angelegt werden.

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