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Finkens Garten: Durchforstung sorgt für Diskussionen

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Die Schneisen, die die Durchforstung hinterlassen hat, sind gut zu erkennen.  Foto: Süsser
Plötzlich war in dem Rodenkirchener Erlebnis-Garten nichts mehr so wie vorher — Schneisen, Lichtungen und Reifenspuren waren neu. Naturschutzbund und Grünflächenamt wehren sich gegen die Kritik an der „Nacht- und Nebelaktion“.  Von
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Rodenkirchen

In Finkens Garten wird es allmählich grün, die ersten Schneeglöckchen spitzen aus der Erde, Vögel sind mit dem Bau ihrer Nester beschäftigt. Regelmäßige Besucher des Naturerlebnisgartens wundern sich allerdings, denn Finkens Garten hat sich in den vergangenen Wochen verändert. Es gibt jetzt Schneisen, wo früher Büsche und Bäume wuchsen, nur noch Haufen mit gehäckseltem Holz sind übrig. Lichtungen und Blickachsen wurden geschaffen und Biotop-Bereiche frei gelegt. Schwere Maschinen waren am Werk. In den Wiesen sind die Spuren der Reifen noch sichtbar. Heller, lichter, übersichtlicher erscheint Finkens Garten. Aber er hat auch seinen natürlich-wilden Charme verloren.

Manche Bürger bedauern dies. Dieter Maretzky zum Beispiel, der Vorsitzende der Bürgervereinigung Rodenkirchen. Er kritisiert, dass die Rodung wenig behutsam durchgeführt, zu ruppig gearbeitet worden sei. Möglicherweise sei durch den schweren Eingriff die biologische Vielfalt gestört worden, befürchten diejenigen, für die „Natur“ schwerer wiegt als „Garten“ im Natur-Erlebnis-Garten.

Arbeiten ohne Vorabinformationen

Dazu zählt vor allem der langjährige Leiter von Finkens Garten, Bernd Kittlass. „Natürliche Biotope und Lebensräume, die sich mehr als 30 Jahre lang entwickelt haben, wurden in einer Nacht- und Nebelaktion zerstört“, sagt er enttäuscht und mit Wut im Bauch. Inkompetent und ohne Vorabinformation sei hier gearbeitet worden. Nur durch Zufall habe er von der Aktion erfahren.
Die Durchforstung ist inzwischen beendet. Die Arbeiten wurden im Auftrag des Beirats des Fördervereins von Finkens Garten und in Abstimmung mit dem Naturschutzbund (Nabu) und dem Grünflächenamt sowie mit der neuen Leiterin von Finkens Garten, der Diplom-Biologin Rebecca Lay, durchgeführt.

„Hier waren keine Vandalen oder Laien am Werk“, sagt Marion Heuser, die stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins von Finkens Garten, die in der Bezirksvertretung Rodenkirchen die Fraktion der Grünen vertritt. Sie verteidigt die umfangreiche Durchforstung, wenngleich sie über das Ausmaß doch überrascht sei. Sie könne verstehen, dass manch einer zunächst erschrocken gewesen sei. Aber es sei nötig gewesen, wuchernde und allzu dominante Gewächse zu reduzieren.

Marcus Nitzsche hält die Aufregung um den Garten für übertrieben.
Marcus Nitzsche hält die Aufregung um den Garten für übertrieben.
Foto: Süsser

Joachim Bauer, stellvertretender Leiter des Grünflächenamtes, denkt ähnlich. Finkens Garten sei ursprünglich ein Garten und keine Wildnis und auch kein Wald, meint er. Jörg Pape, Vorsitzender des Nabu Köln, zeigt sich überzeugt, dass sich Finkens Garten nach der Durchforstung positiv entwickeln werde. Jahrelang habe es keine größeren Rückschnitte gegeben, vor allem Birke und Ahorn hätten sich deshalb zu sehr ausgebreitet. Ursprüngliche Gartenelemente mit heimischen Gewächsen wie etwa der Eibe seien kaum mehr sichtbar gewesen. Sie müssten aber auf Dauer gesichert werden, schließlich sei Finkens Garten eine Kulturlandschaft, ein Garten mit Baumschule.

Zwei Philosophien

Letztlich träfen, so Bauer, beim Streit um die weitere Entwicklung von Finkens Garten zwei Philosophien aufeinander: Auf der einen Seite jene vom Naturgarten, der am besten sich selbst überlassen wird, und zum anderen die vom Naturgarten, den man lieber pflegt und strukturell entwickelt. Die erste Variante habe eher der frühere Leiter, Bernd Kittlass, vertreten. Die zweite Variante befürworte der Beirat von Finkens Garten, zu dem auch der Nabu gehöre. Jeder Pflegeeingriff wirke am Anfang dramatisch, sagt Jörg Pape, aber in zwei Monaten habe die Natur ihre eigene Dynamik entwickelt. Bald werden die Spuren der Durchforstung nicht mehr auffällig sein.

Ungeachtet der Diskussionen sägt Marcus Nitzsche, Gartenexperte vom Kolpingbildungswerk, morsche Äste ab und erklärt einigen lernbehinderten Jugendlichen, warum der Zuschnitt nötig ist. Er will sie für den Gartenbauberuf begeistern. Nitzsche schaut sich um. Eine brutale Rodung könne er nicht erkennen, sagt er, eher eine „normale Durchforstung“. Die Aufregung hält er für übertrieben.

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