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Franziskanerinnen: Aus Indien ins Kölner Kloster

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Die Schwestern Divina (v.l.), Sherin, Agnet und Marina am Sürther Rheinufer. Ganz in der Nähe befindet sich ihr Kloster. Foto: Michael Bause
Dass modernes Klosterleben nicht viel mit den antiquierten Vorstellungen der meisten Menschen zu tun hat, zeigen vier Franziskanerinnen aus dem südindischen Kerala. KStA-Autorin Inge Swolek durfte die Schwestern im Alltag begleiten.  Von
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Sürth

Auf dem Klingelschild steht „Schwestern“, der Briefkasten ist etwas auskunftsfreudiger: „Indische Ordensschwestern“. Auf mein Klingeln öffnet eine Frau in Ordenstracht im ersten Stock das Fenster. Wir wechseln ein paar Worte, ich darf hinein. Rasch merke ich, dass meine Vorstellung vom Klosterleben ziemlich antiquiert ist: Denn dieses Kloster ist eine ganz normale Wohnung.

„Jede von uns hat ein Zimmer, es gibt ein gemeinsames Bad, eine Küche, ein Esszimmer, und das hier ist unsere Klosterkapelle“, sagt die Nonne, als könnte sie Gedanken lesen und öffnet eine weitere Tür. „Hier trifft sich der Konvent mehrmals täglich, um zu beten und zu meditieren. Einmal im Monat wird hier eine Heilige Messe gehalten“, sagt Schwester Sherin, die Oberin des Sürther Konvents und bekreuzigt sich.

Schwestern helfen Armen, Kranken und Schwachen

Die vier im Sürther Konvent lebenden Schwestern stammen aus dem südindischen Kerala.

Sie sind Franziskanerinnen und gehören der Franciscan Clarist Congregation (FCC) an, einem Orden, der 1875 gegründet wurde. Lebten Nonnen bis dato monastisch, also hinter hohen Klostermauern, so strebten die neuen Ordensfrauen hinaus in die Welt, um sozial-karitativ tätig zu sein. Armen, Kranken und Schwachen wollen die Schwestern helfen.

Mit fast 8000 Mitgliedern weltweit ist der FCC heute einer der größten Frauenorden Indiens. 163 Schwestern leben zurzeit in Deutschland. (is)

In meinem Kopf schwirren tausend Fragen: „Wer hält die Messe? Wie viele Nonnen…“, weiter komme ich nicht. „Psst…“, sagt die Oberin und schiebt mich sanft aus der Kapelle. Im nächsten Raum steht ein Tisch mit sechs Stühlen, an der Wand hängt ein Kruzifix. „Hier treffen wir uns zu den Mahlzeiten – um 6, 15 und 20 Uhr“, sagt sie und ruft etwas auf Malayalam, ihrer Muttersprache. Im Nu stehen drei Schwestern im Raum. Schwester Marina, Schwester Divina und Schwester Agnet. Ihre Blicke sind offen, sie strahlen förmlich und begrüßen mich, als würden wir uns lange kennen.

Genau strukturierter Tagesablauf

Die vier Frauen aus dem Süden Indiens sind Franziskanerinnen. Sie gehören einem der größten indischen Frauenorden an, dessen Mitglieder in vielen Ländern der Welt sozial-karitativ tätig sind. Oberin Sherin und Schwester Agnet arbeiten in der Altenpflege im Sürther Matthias-Pullem-Heim, die beiden Jüngeren befinden sich noch in der Ausbildung.

Der Tagesablauf im Sürther Konvent ist genau strukturiert: Der Wecker klingelt um 4.30 Uhr, es folgt das gemeinsame Beten in der Kapelle. Anschließend gehen Oberin Sherin und Schwester Agnet zum Dienst ins Altenheim, die beiden Jüngeren zur Messe in den Dom. Von dort geht es nach Merheim zum Sitz des Deutschen Ordens, dort beginnt um 8.15 Uhr der Unterricht. Nach der Schule wartet in Sürth eine Meditation, zu einem 15-minütigen Kurzgebet treffen sich die Schwestern nach dem Abendessen um 21 Uhr. Dann ist das Tagwerk beendet.

Nie an der Berufung gezweifelt

Fernsehen haben die Nonnen nicht mehr, aber einen Computer.
Fernsehen haben die Nonnen nicht mehr, aber einen Computer.
Foto: Michael Bause

Ob sie Hobbys haben? „Ich lese gerne“, sagt Schwester Divina, auch Nachrichten und Kindersendungen habe sie zum Erlernen der Sprache geschaut – als der Fernseher noch funktionierte. „Jetzt zahlen wir nur noch die Gebühren“, fügt die Oberin lachend hinzu. Mit ihren 29 Jahren sind Schwester Divina und Marina die jüngsten im Sürther Konvent. Bereits mit 15 Jahren stand für beide fest, dass sie ihr Leben in Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam verbringen wollten. Warum, möchte ich wissen. Beide schauen zunächst zögerlich zu ihrer Oberin, dann antwortet Marina: „Bis zur zehnten Klasse wurde ich ausschließlich von Nonnen unterrichtet. Diese Frauen haben mich fasziniert. So wollte ich auch werden.“

Ihre Freundinnen hatten hierfür wenig Verständnis, auch ihre Eltern waren dagegen. „Also wohnte ich bis zur Volljährigkeit auf Probe im Kloster und besuchte eine normale Schule.“ Nach dem Abitur hat sich der Wunsch, Franziskanerin zu werden, nur noch verstärkt. Die Entscheidung habe sie nie bereut, sagt sie. Ähnlich geht es Divina: „Ich habe an meiner Berufung nie gezweifelt. Das Beten und Singen hat mich schon in der Schule immer sehr glücklich gemacht. Mein großes Vorbild war und ist Mutter Theresa.“

„In Indien gibt es in jeder Schule nicht nur eine Kapelle, auch die Lehrerinnen sind überwiegend Ordensschwestern. Diese Frauen haben ein besonderes Charisma, man fühlt sich geborgen und einfach glücklich“, erzählt Schwester Agnet. „Die Zeit bis zum ewigen Gelöbnis ist sehr lang, da hat man genug Zeit, sich diesen Schritt gut zu überlegen.“ Die Ausbildung zur Ordensschwester dauert fast neun Jahre. Am Anfang steht eine Art Praktikum im Orden, das Postulat; dann folgt das Noviziat mit der ersten Profess. Nach sechs weiteren Jahren kommt der Abschluss, die ewige Profess, mit dem ewigen Gelöbnis und der Einkleidung in die Ordenstracht.

Nur die Besten gehen ins Ausland

„Unsere Kleidung in Deutschland sind ein langes graues Kleid, eine dunkle Strickjacke und ein Ring. Zu besonderen Anlässen tragen wir schwarze Ordenstracht. Andere Kleidungsstücke besitzen wir nicht. Der schwarze Schleier ist ein Muss. Er darf nur abgenommen werden, wenn man allein ist“, erzählt Schwester Agnet.

Diese indischen Franziskanerinnen leben in Köln Sürth, mit ihrer Oberin SchwesterSherin, in einem Enfamilienhaus, dass ihnen als Konvent dient.
Diese indischen Franziskanerinnen leben in Köln Sürth, mit ihrer Oberin SchwesterSherin, in einem Enfamilienhaus, dass ihnen als Konvent dient.
Foto: Michael Bause

Auf die Frage, ob sie gerne etwas Modisches tragen möchte, ernte ich nur ein Lachen: „Nein, normale Kleidung habe ich bis zum Abitur getragen, das alles brauche ich nicht mehr“, sagt die 42-jährige Agnet. Neben ihrer Ausbildung zur Ordensschwester haben alle einen zivilen Beruf. Die Oberin und Schwester Agnet sind Krankenschwestern, Marina ist Grundschullehrerin, und Divina hat Marketing an einer indischen Universität studiert. Sie sollte gerade eine Stelle annehmen, als die Versetzung nach Sürth kam. „Die Generaloberin schickt ins Ausland nur die Besten, nur kluge Frauen mit festem Charakter. Wer aus dem Mutterkloster ins Ausland geschickt wird, der ist auserwählt.“

Höchst motiviert und authentisch freundlich

In Sürth fühlen sie sich wohl, die Menschen seien freundlich und begegneten ihnen stets mit Respekt. Bemerkenswert sei auch das Gemeindeleben. „Ich war schon in Duisburg, Wuppertal und Hennef, aber selten habe ich so viele junge Familien in einem Gottesdienst gesehen“, sagt die Oberin.

Seit fünf Jahren beschäftigt das Matthias-Pullem-Heim südindische Franziskanerinnen. „Da die Frauen nicht nur in der Seelsorge, sondern hauptsächlich in der Altenpflege tätig sind, bringen sie den kirchlich-geistlichen Gedanken in die tägliche Praxis ein. Für den Geist des Hauses sind die Schwestern unerlässlich, sie sind immer gut gelaunt, höchst motiviert und strahlen eine authentische Freundlichkeit aus“, sagt Direktorin Petra Schillinger.

Rom wäre die Krönung der Laufbahn

Wie lange die Frauen noch in Sürth bleiben, ist offen; wann und wohin sie versetzt werden, bestimmt die Generaloberin in Indien. Der nächste Anruf könnte eine Abberufung in eine andere Stadt, ein anderes Land oder zurück ins Mutterhaus nach Kerala sein. Eine Versetzung in ein großes Kloster in Rom wäre für viele die Krönung der Laufbahn. Diese Wünsche werden aber nicht öffentlich geäußert – undenkbar, wie Oberin Sherin sagt: „Wir haben keinen eigenen Willen, wir sagen niemals nein, denn Gehorsam, Bescheidenheit und Enthaltsamkeit gehören zu uns Franziskanerinnen.“

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