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Fuhrwerkswaage: Ende eines Sürther Wahrzeichens

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Ein Kletterer sägte Ast für Ast ab. Die Fällung dauerte einen ganzen Tag. Foto: Süsser
Die HGK hat die 18 Meter hohe Pappel am Kunstraum fällen lassen. Noch vor einem vereinbarten Ortstermin musste der Baum plötzlich weichen. Die Informationspolitik des Unternehmens sorgt für Irritationen bei den Mietern.  Von
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Sürth

Immer höher steigt der Mann mit der Motorsäge und schneidet Ast für Ast von der Pappel ab. 18 Meter hoch ist der Baum, und es dauert einen ganzen Tag, bis nichts mehr von ihm übrig ist. Wie viele Jahre die Pappel gebraucht hat, bis sie so groß geworden ist, ist unklar. Von rund 30 Jahren spricht Ralph Reuten, Leiter der Abteilung Immobilien der Häfen und Güterverkehr AG (HGK) und Koordinator der Fällaktion. Kunst-Kurator Jochen Heufelder dagegen glaubt, dass die Pappel fast 60 Jahre auf dem Buckel hat. Er hätte den Baum am liebsten gerettet. Traurig sei er über die Fällung, aber er sehe ein, dass die aus Gründen der Sicherheit notwendig geworden sei, sagt er. Ein Baumgutachter hatte Pilzbefall und morsche Äste festgestellt.

Die hohe Pappel steht auf einem Grundstück der HGK direkt neben dem Kunstraum Fuhrwerkswaage, einem markanten Kubus mit historischer Backsteinfassade am Bahnhof Sürth. Jochen Heufelder hat die Halle vor 25 Jahren für den Förderverein Kunstraum Fuhrwerkswaage von der HGK gemietet und veranstaltet dort seitdem erstklassige Kunst-Ausstellungen und Events, die nicht kommerziell ausgerichtet sind und sich einen Namen über Köln hinaus gemacht haben. Der Förderverein zählt 130 Mitglieder, und die Vorsitzenden sind der ehemalige Bundesminister Gerhart Baum sowie Jochen Heufelder, der auch Kulturmanager des Jahres 2012 ist und dafür vom Kölner Kulturrat im Juni ausgezeichnet wurde.

Plötzliche Fällaktion

Jochen Heufelder, Ralph Reuten und HGK-Mitarbeiter (v.l.) beobachteten die Fällung.
Jochen Heufelder, Ralph Reuten und HGK-Mitarbeiter (v.l.) beobachteten die Fällung.
Foto: Süsser

Pappel und Kunsthalle sind weithin sichtbare Wahrzeichen von Sürth – und schöne Hingucker im ansonsten weitgehend ungestalteten Areal direkt am Bahnhof. Täglich fahren mit der Stadtbahnlinie 16 bis zu 13000 Fahrgäste daran vorbei, und laut Zahlen der KVB gibt es täglich 2500 Ein- und Aussteiger. Verständlich, dass der Mieter den beeindruckenden Baum im Garten seiner Kunsthalle gern behalten hätte. „Wir können aber nicht riskieren, dass der Baum umknickt und Äste herabfallen“, sagt Ralph Reuten. Zuvor schon hatte HGK-Pressesprecherin Margit Knott betont: „Der Baum kommt weg.“

Über den Zeitpunkt war man sich innerhalb der HGK offenbar nicht ganz einig. Erst sollte die Aktion am 29. Juli stattfinden, dann wurde nach einem Einwand Jochen Heufelders ein Aufschub gewährt und ein Ortstermin mit Vertretern der HGK und dem Förderverein vereinbart. Nun kam die Fällaktion doch plötzlich – noch vor dem Ortstermin. Sie sei notwendig geworden wegen eines Sturms, der möglicherweise die Standfestigkeit bedrohen könne, sagte Reuten.

Schlechte Informationspolitik der HGK

18 Meter hoch und – je nach Schätzung – zwischen 30 und 60 Jahre alt: Der Baum war ein Wahrzeichen Sürths.
18 Meter hoch und – je nach Schätzung – zwischen 30 und 60 Jahre alt: Der Baum war ein Wahrzeichen Sürths.
Foto: Süsser

Offenbar war die Pappel schon in diesem Mai zur Fällung auserkoren worden. Eine Kennzeichnung am Baumstamm hatte den langjährigen Mieter Jochen Heufelder alarmiert, wenngleich es keine offizielle Information gab. Im Gegenteil. Erst auf Heufelders Nachfrage bei der HGK hieß es in einem Antwortschreiben, die Markierungs-Kreuze seien von „Unbefugten“ angebracht worden. Das geht aus einem Schriftwechsel zwischen Mieter und Vermieter hervor, der dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ vorliegt und der von Dritten zugestellt wurde.

Umso erstaunter reagierte Heufelder, als er am 27. Juli vier anonyme Hinweiszettel am Gartenzaun der Fuhrwerkshalle entdeckte, die auf ein Parkverbot wegen Fällarbeiten hinwiesen. Er glaubte zunächst an einen schlechten Scherz. „Ich hätte vor einer derart eingreifenden Maßnahme gehört, mindestens jedoch informiert werden müssen, was seitens der HGK gewiss erfolgt wäre“, schrieb er an den Vermieter HGK.

Insgesamt ist eine gewisse Fassungslosigkeit über die Informationspolitik der HGK gegenüber dem langjährigen Mieter spürbar. Weitergehend möchten sich dazu weder der erste Vorsitzende des Fördervereins noch Jochen Heufelder äußern. Mit Interesse sieht dagegen Kulturmanager Heufelder einer Kunstaktion entgegen, die er gemeinsam mit Jan Zeese plant, dem Unternehmenssprecher der HGK. Beide wollen eine Ausstellung zur Geschichte der Fuhrwerkswaage in der Fuhrwerkswaage veranstalten.

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