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Geschichtswerkstatt: Führung durch die Kölner Bunker

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Friedrich Bors im Bunker seiner Familie, wo er als Kleinkind einige Kriegsnächte verbrachte. Foto: Michael Bause
Der Zweite Weltkrieg ist mittlerweile seit über 65 Jahren vorbei und trotzdem gibt es noch viele Spuren in Köln. Bei Führungen durch Kölner Bunker und Luftschutzräume kann man die Geschichte noch einmal lebendig werden lassen.  Von
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Rodenkirchen

Kuni Parr-Schumacher erinnert sich noch genau an den Tag, an dem die Rodenkirchener Brücke in den Rhein stürzte. Im Januar 1945 war sie, damals 25 Jahre alt, mit ihrem Vater bei strahlend-blauem Himmel und in klirrender Kälte unterwegs. Unweit der Brücke hörten sie, wie zwei Jagdflugzeuge sich näherten. Parr-Schumacher und ihr Vater warfen sich auf den Boden in den Schnee. Die Flugzeuge feuerten mit ihren Bordkanonen auf die Brücke. In den Jahren zuvor war die Hängebrücke schon mehrfach Ziel von Angriffen aus der Luft, ohne jedoch zerstört worden zu sein. An diesem Tag trafen die Piloten die haltenden Seile. „Das gab ein Riesengetöse, als die Brücke in den Rhein fiel“, erinnert sich die Rodenkirchenerin.

Vorbei an Stahltrossen, geflochten aus unzähligen Drahtseilen, verankert in meterdicken Betonblöcken, führt Cornelius Steckner von der Rodenkirchener Geschichtswerkstatt eine Gruppe durch das Innere der Autobahnbrücke. An diesem Tag und bei einer weiteren Führung drei Tage später zeigt Steckner Bunker und Luftschutzräume in Rodenkirchen und lässt die Schrecken der Kriegsjahre erfahrbar werden. Viele Erinnerungen der Rodenkirchener drehen sich um die strategisch bedeutsame Brücke, deren Pfeiler unversehrt blieben und für die Wiederherstellung der Brücke 1954 benutzt wurden.

„Macht, dass ihr hier rauskommt“

Eigentlich war geplant, einen Durchgang im Brückenpfeiler zu besichtigen, der während des Krieges als Luftschutzraum genutzt wurde. Doch das verrostete Schloss in der gänzlich mit Graffiti besprühten Stahltüre verhindert die Tour. Viele Teilnehmer der Führung erinnern sich gut an den gewölbeartigen Durchgang. Das Schild über dem Eingang haben einige noch genau im Gedächtnis: „LSR“, die Abkürzung für Luftschutzraum, die im Unterschied zu Bunkern nicht primär als Zufluchtsorte eingerichtet wurden. Nach dem Wiederaufbau der Brücke gelangen Fahrradfahrer und Fußgänger durch den Durchgang auf einen Weg zwischen den Fahrspuren der Brücke.

Cornelius Steckner führt durch Rodenkirchener Bunker.
Cornelius Steckner führt durch Rodenkirchener Bunker.
Foto: Philipp Haaser

Parr-Schumacher suchte dort noch wenige Monate vor der Zerstörung der Brücke gelegentlich Schutz vor Luftangriffen. Wenn sie mit ihren Ruderkameradinnen im Bootshaus an der Rodenkirchener Brücke beisammensaß – ein Stück Normalität, das sie aufrechterhielten, auch als die Bombenabwürfe über Rodenkirchen häufiger wurden –, bot der nahe Durchgang in der Brücke Schutz. Sie war ein strategisch bedeutsames Ziel. Westhoven auf der anderen Rheinseite hatte als Verladestation eine wichtige Funktion für den Transport von Soldaten und Material in die Frontgebiete, sowohl zu Anfang des Kriegs in Richtung Osten als auch später nach Frankreich. Zahlreiche Konvois überquerten die Brücke, die deshalb oft Ziel von Luftangriffen wa. Die Treppen, die rechts und links neben der Brücke an den Zugängen zum Luftschutzraum vorbeiführen, waren mit flachen Stufen angelegt worden, damit auch größere Gruppen von Soldaten und Autofahrern, die auf der Brücke unterwegs waren, ihn rasch erreichen konnten. Unmittelbar an der Brücke war ein Trupp mit Flugabwehrkanonen stationiert. Manchmal vertrieben sich die Soldaten die Zeit im Bootshaus des Sportvereins, knüpften Kontakt zu Parr-Schumacher und ihren Freundinnen. Über bevorstehende Angriffe waren sie häufig früher als die Bevölkerung informiert. „Macht, dass ihr hier rauskommt“ – an den dramatischen Ausruf des Hauptmanns kurz vor einem der ersten Angriffe, die sie dort erlebte, erinnert sie sich lebhaft.

Ein Bunker im Garten

Der Zugang erfolgt durch den Keller des Wohnhauses.
Der Zugang erfolgt durch den Keller des Wohnhauses.
Foto: Michael Bause

Er führte sie vom Bootshaus in den schützenden Durchgang. „Das war ein furchteinflößender Riesenraum“, beschreibt Parr-Schumacher das Gewölbe in der Brücke und fügt an, dass man sich heute keine Vorstellung mehr davon machen könne, wie sie sich im Krieg gefühlt hätten. „Mensch und Tier sind vor Angst eingegangen“, sagt sie.

Im Garten ihres Grundstücks in der Weißer Straße bauten die Eltern von Friedrich Bors einen Bunker, in dem 15 bis 20 Menschen Platz finden konnten. „Der Bunker ist sehr gut erhalten“, meint Steckner bei der einmalig stattfindenden Führung. Der Zugang erfolgt durch den Keller des Wohnhauses. Über der 1,40 Meter dicken Betondecke wachsen Tomaten. Zwischen den Pflanzen ragen Lüftungsrohre aus dem Boden. Im Inneren sind Sitzbänke, Kleiderhaken und die Originalbeleuchtung zu sehen.

Als Kleinkind verbrachte Bors, der mit Steckner durch das Bauwerk führt, so manche Bombennacht in dem 1942 erbauten Schutzraum. Im eng besiedelten Rodenkirchen fänden sich viele solcher privater Bunker, erläutert Steckner. Der öffentlich zugängliche Hochbunker in der Friedrich-Ebert-Straße sei vor allem für Reisende gewesen, die in ihren Zügen im nahen Bahnhof von Luftangriffen überrascht wurden. Dieser hätte aber bei weitem nicht allen Rodenkirchenern Schutz bieten können, so dass viele in Eigenregie für ihren Schutz sorgten.

Ein weiterer Termin für die Besichtigung des Luftschutzraums in der Brücke steht noch nicht fest; er soll im kommenden Jahr stattfinden.

www.rodenkirchen-erinnert-sich.de

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