Rodenkirchen
Bayenth, Godorf, Hahnw., Immend., Marienb., Meschen., Raderb., Radert., Rodenk., Sürth, Rond., Weiß, Zollst.

Vorlesen
0 Kommentare

Inklusion: „Das Ferienlager lebt vom Blödsinn“

Erstellt
Frida (Mitte) , ihre Freundin Caro und eine Angreiferin hatten bei der großen Farbschlacht auf dem Sportplatz des Jugendhaus Sürth viel Spaß. Foto: Esch
Langeweile in den Sommerferien, im Ferienlager des Sürther Jugendhauses sucht man sie vergebens. Das zweiwöchige Programm für behinderte und nicht-behinderte Kinder endet jetzt in einer großen Farbschlacht.  Von
Drucken per Mail
Sürth

Fridas Nase ist blau-gelb, ihre Wangen sind lila, ihre Haare grün. „Am meisten Spaß macht mir das Body-Painting“, sagt die 12-Jährige und lacht. Das stimmt nicht ganz. Wer sieht, wie ausgelassen sie sich mit den anderen Kindern und Jugendlichen mit Farbpulver bewirft, spürt, dass sie die Farbschlacht genauso genießt. Die Rollstuhlfahrerin wird von ihrer Freundin Caro über den Sportplatz des Jugendhaus Sürth gefahren. Die beiden müssen schnell sein, um den Attacken der anderen auszuweichen. Schließlich bleibt Frida einfach in der Mitte stehen. Caro flieht, wird von einer Ladung grünem Farbstaub getroffen und lässt sich lachend auf Fridas Schoß fallen.

Der von dem indischen Holi-Fest inspirierte Farbtag ist der abschließende Höhepunkt des ersten Ferienprogramms im Jugendhaus Sürth. Drei Mal veranstalten Mitarbeiter in diesem Jahr ein zweiwöchiges Programm für Kinder mit und ohne Behinderungen. Während der vergangenen 14 Tage waren die Kinder klettern und schwimmen, haben Bilderrahmen bunt gestaltet und sich auch sonst auf vielfältige Weise kreativ beschäftigt.

Kunterbunten Anstrich verpasst

Farbiger Staub landete auch in den Haaren.
Farbiger Staub landete auch in den Haaren.
Foto: Esch

Heute ist das Programm im wahrsten Sinne des Wortes „kunterbunt“. Am Morgen hatten sich die Kinder und Jugendliche zunächst in vier Gruppen aufgeteilt. Jede Gruppe hatte sich einen zum Farbtag passenden Namen gegeben und ein Lager gebaut. „Deine Mudda ist farbenfroh“ ist etwa auf einer weißen Flagge zu lesen, die an einem Baum baumelt, an dem diverse Lakendächer befestigt sind. Jüngere Mädchen haben sich darunter niedergelassen.

„Die bunten Hühner“ hat sich die Gruppe der älteren Mädchen genannt. Von ihren Lagern aus unternehmen die Teilnehmer Expeditionen zu den diversen Stationen in und um das Jugendhaus. An der Hauswand ist eine riesige weiße Tapetenrolle aufgehängt, wo sich die jungen Künstler mit Farben ausdrücken kann. Abdrücke von in Farbe getauchten Kinderhänden sind besonders beliebt.

Davor stehen drei Planschbecken, die mit Wasser gefüllt sind, das mit verschiedenen Farben gefärbt ist: rot, grün und gelb. Ein Betreuer stellt die nächste Frage: „Welcher Fluss fließt hier in der Nähe?“ Wer glaubt, dass „Raus“ die richtige Antwort ist, muss in das grüne Wasser springen. Wer „Rhein“ für die richtig hält, in das rote, und wer „Fluss“ antworten möchte in das gelbe. Alle Kinder springen in das Planschbecken mit roter Farbe.

Mittlerweile haben zwei andere Mädchen Thomas Göttker einen Anstrich verpasst. Sein Gesicht ist mit Farbe befleckt. Seine Haare sind orangerot und stehen ihm zu Berge. „Das Ferienlager lebt vom Blödsinn“, sagt der Leiter. In diesem Moment scheint fast so etwas wie ein Stöhnen mitzuschwingen. „Die Kindheit und die Jugend sind heute so getaktet von der Schule. In den Ferien sollen die Kinder einfach Spaß haben. Hier haben wir eine therapie- und elternfreie Zone“ führt er aus.

Feste Anlaufstelle in der Ferienzeit

Das Jugendhaus ist auch während der Schulzeit als inklusives Jugendzentrum eine feste Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderungen. Die Mitarbeiter möchten gerade Besuchern mit einem Handicap die Möglichkeit bieten, sich in ihrem Freizeitleben von Eltern und Therapeuten zu emanzipieren.

Frida hat ihre Freundin Caro vor zwei Jahren im Ferienlager kennen gelernt. Heute sind die beiden unzertrennlich. „Ich nehme bereits seit der ersten Klasse an dem Ferienlager im Jugendhaus Sürth teil“, erzählt sie. Mittlerweile besucht Frida die siebte Klasse. Die Ferienangebote sind überaus beliebt. Kaum können die Eltern ihre Kinder im Januar dafür anmelden, sind sie auch schon ausgebucht. 100 Euro zahlen die Eltern für die tägliche Betreuung von 10 bis 17 Uhr.

500 Euro kostet das Angebot in den letzten zwei Ferienwochen. Denn da gehen die Betreuer mit ihren Schützlingen Segeln. „Das ist eine echte Herausforderung. Wir haben manche Teilnehmer, die Wasser von festem Boden nicht unterscheiden können und gar nicht wissen, wann sie sich selbst gefährden“. Warum sie trotzdem mit allen Kindern segeln? Die Antwort fällt Thomas Göttker nicht schwer: „Weil es für Kinder mit Behinderungen und deren Eltern ein tolles Gefühl ist, einmal ganz normal dazuzugehören.“

Auch interessant
KVB Fahrplan
Start
Ziel
Datum
Zeit
 
Videos
FACEBOOK
Blog
Digitale Themen
Das Logo von Rheinklick

Mini-Coding-Schulungen, Analysen oder Veranstaltungen, hier geht es um Themen rund um die digitale (Kölner) Szene.

Weitere Serien
Nachwuchs-Autoren

Szene, Lifestyle, Trends, coole Events: Schüler, Studenten und Auszubildende schreiben für junge Leute.

Kleinanzeigen
ipad
Tablet-Ausgabe

Jetzt noch lokaler und umfangreicher: Der „Kölner Stadt-Anzeiger“ für das Tablet lädt zur Erlebnisreise durch die Themen des Tages ein. Jetzt 20 Tage lang gratis testen!