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Josef „Jöppi“ Espey: Der letzte Jahrgang der Sürther Spätlese

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Die 98 Rebstöcke in seinem Garten will er herausreißen und verbrennen. Foto: Süsser
Auch wenn es für den Hobby-Winzer Josef „Jöppi“ Espey nie eine Rolle gespielt hat: Er selbst ist Teil der langen Keltertradition in Sürth. Nun muss der 84-Jährige sein Hobby nach mehr als 20 Jahren aufgeben. Schuld daran ist ein Unfall.  Von
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Sürth

Das Dorf Sürth war einmal ein Weinort. Auf einer alten Flurkarte aus dem Jahr 1776 sind massenhaft Rebstöcke zwischen der Sürther Hauptstraße und dem Rheinufer eingezeichnet. Aber schon viel früher wurde hier Wein angebaut und gepresst. Das Zisterzienser-Kloster Altenberg besaß hier vermutlich seit dem 16. Jahrhundert einen Winzerhof – den einstigen Keltershof. Das ursprüngliche Gebäude wurde allerdings 1956 abgebrochen.

Für den Sürther Hobby-Winzer Josef „Jöppi“ Espey spielt die lange Weinbau-Tradition nur am Rande eine Rolle. Mehr als 20 Jahre hat er seinen „Sürther Johannisgrund“ aus reiner Passion gekeltert – aus Freude am Hegen und Pflegen der Weinstöcke, aus Spaß am Ernten und am Pressen und Zuschauen, wie aus dem Reben-Saft ein gehaltvolles Tröpfchen wird. Nun muss der Senior, der in diesem Jahr 84 Jahre alt wird, sein Hobby aufgeben.

Josef Espey mit einem Glas seiner Riesling-Spätlese „Sürther Johannisgrund“.  Foto: Süsser

Ein Unfall ist schuld daran, dass er sich nur noch schlecht auf den Beinen halten kann. Im vergangenen Jahr hat Espey seine Rebstöcke zum letzten Mal gestutzt. Diesmal rührt er die Baumschere nicht an. Zwar will er die Reben in seinem riesigen Garten hinter der Häuserfront an der Sürther Hauptstraße noch eine Saison stehen lassen. Dann aber ist endgültig Schluss, meint „Jöppi“. Dann werde er die Stöcke herausreißen, auf einen Haufen werfen und verbrennen. Mit einer gewissen Bitterkeit und Bedauern sagt er das, denn ohne seine Krankheit hätte er liebend gern weitergemacht.

Einen geeigneten Nachfolger hat Espey nicht gefunden. Kinder und Enkel hätten viel zu wenig Zeit, seine Ehefrau Sibylle sei schwer krank. „Ich habe mich auch bei Bekannten umgehört“, sagt er. Aber ohne Erfolg. Und einen Fremden wolle er nicht gern in seinen Garten lassen. Oder vielleicht doch? Jedenfalls würde er einen Interessenten „sehr genau unter die Lupe nehmen“, sagt Espey.

100 Flaschen pro Jahr

Insgesamt 98 Rebstöcke hat er angepflanzt – Riesling, Müller-Thurgau und die roten Spätburgunder-Trauben. Insgesamt weit mehr als 100 Flaschen seiner bernsteinfarbenen, gehaltvollen Spätlese und seines kräftigen Roten habe er pro Jahr hergestellt in seinem voll ausgestatteten Keller. „Jeden Tag war ich mit dem Wein beschäftigt“, sagt der Rentner. Jede Traube habe er einzeln abgezupft. „Die Maische musste zwei- bis dreimal täglich umgerührt werden“, sagt er. Als Dünger habe er Laub und Mist verwendet. Viel Arbeit habe er investiert in seinen Wein, der sogar als Ökowein durchgehen würde.

Spätburgunder und Riesling. Foto: Süsser

Die Flaschen hat er meist verschenkt oder gespendet, bei besonderen Gelegenheiten auch mal verkauft für 6,90 Euro, und einmal sei eine Flasche sogar für 25 Euro für einen guten Zweck versteigert worden. Natürlich hat er sein fruchtiges Tröpfchen gern selbst getrunken, am liebsten im Kreis der Familie, mit Freunden und befreundeten Weinkennern. Dazu zählt er auch Franz Josef Antwerpes, den ehemaligen Kölner Regierungspräsidenten und Hobby-Weinbauer. Auch er – sein „Konkurrent“, wie Espey sagt – habe einmal seinen Wein verkostet, und er habe ihm geschmeckt.

Die Riesling-Trauben hatte Josef Espey von der Mosel mitgebracht, der Müller-Thurgau stammt aus Baden, die Spätburgunder-Trauben von der Ahr. Zehn Prozent Restsüße und ungefähr sieben Prozent Säure hat sein „Sürther Johannisgrund“, Zucker habe er nie zugesetzt. Auf diese Qualität ist der Senior stolz. Eigentlich ist er gelernter Bäckermeister, und bis 1988 führten er und seine Frau ein Feinkostgeschäft an der Sürther Hauptstraße. Das Keltern habe er sich selbst beigebracht und sich weiter fortgebildet. Nun liegen nur noch wenige Flaschen in seinem Keller. „Die Freunde werden meinen Wein vermissen“, glaubt Josef Espey. Und er selbst wohl auch.

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