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Kölner Fährmann: Ungewisse Zukunft für Rheinfähre

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Heiko Dietrich an Bord seiner Fähre, die zwischen Zündorf und Weiß pendelt. Foto: Süsser
Der Kölner Fährmann Heiko Dietrich befördert seit 26 Jahren Menschen über den Rhein zwischen Zündorf und Weiß. Ewig wird der 69-Jährige den Job nicht machen können, daher sucht er nach einem Nachfolger für seinen Traditionsbetrieb.  Von
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Zündorf/Weiß

Das wettergegerbte Gesicht von Heiko Dietrich sieht zurzeit noch etwas düsterer aus als gewöhnlich. Der Fährmann hat Sorgen. „Der März war ein Mega-Flopp.“ Dieser Monat habe viel Geld gekostet, ohne dass eine nennenswerte Summe in die Kasse geflossen sei. Es war zu kalt. Die Ausflügler, die sich sonst zu der Zeit schon gerne nach Weiß oder Zündorf übersetzen ließen, blieben aus.

Ganze 900 Euro habe er eingenommen, sagt Dietrich. Dagegen würden mehrere tausend Euro an Ausgaben für Tüv, Wartung und Versicherung stehen. Derzeit habe er Schwierigkeiten, seinen Mitarbeitern die Arbeitslöhne zu zahlen. Im Moment würde es noch nicht einmal helfen, wenn er die Fahrpreise erhöhen würde. Dabei hat er mit dem Gedanken schon gespielt. Immerhin liegen die Gebühren seit zehn Jahren unverändert bei zwei Euro für die einfache Fahrt. „Wenn ich anheben würde, dann um jeweils 50 Cent“, führt Dietrich aus, schüttelt aber den Kopf: „Das macht jetzt ohnehin keinen Sinn.“ Auf jeden Fall will er durchhalten. „Das ist eine Frage der Ehre. Der Betrieb muss laufen.“

Solide Leute mit Fährpatent gesucht

Nicht aufgeben will er auch bei der Suche nach einem Nachfolger. Seit der 68-Jährige angekündigt hat, in Ruhestand gehen zu wollen, wird er mit Nachfolge-Vorschlägen überhäuft. „RTL hat sogar angeboten, eine Casting-Show zu machen.“ Aber davon hält er nichts. Dabei sind Fernseh-Teams gerne gesehene Gäste auf seinen Booten. Viele waren schon bei ihm. „Hier wurden zwei Mal Szenen für Tatort-Folgen gedreht.“ Einen Nachfolger finde man über das Fernsehen aber nicht. Damit werde nicht die richtige Klientel erreicht. „Das müssen solide Leute sein, die auf dem Wasser zu Hause sind und ein Fährpatent haben.“ Außerdem sei viel Enthusiasmus nötig. „Solche Menschen gibt es kaum noch.“

Dietrich ist sich durchaus bewusst, dass die Suche dauern kann. Der Fährmann weiß aber auch: „Ich kann es nicht mehr alleine stemmen.“ Zur schnellen Entlastung würde er sich deshalb ein wenig mehr Engagement von der Stadtverwaltung wünschen. Etwa bei Büroarbeit und Organisation, vor allem aber bei der Instandhaltung der Anlegestellen in Weiß und an der Groov.

Fähre als kultureller Wert

Aktuell ist nach dem letzten Hochwasser auf Zündorfer Seite ein kleiner Sandhügel auf dem Zugang zum Anleger zurückgeblieben. Er versperrt den Weg. „Da müsste einer mit einem kleinen Bagger kommen.“ Es sei niemandem zuzumuten, das per Hand mit der Schaufel zu beseitigen. Gleichzeitig geißelt der Fährmann die Jugendlichen, die jeden Abend mit Treibholz ein Lagerfeuer entzünden und Bierflaschen in die Flammen werfen. Zurück bleiben Asche und Scherben.

In Weiß wünscht er sich, dass die Karte des Weißer Bogens, die oberhalb des Fähranlegers steht, runderneuert wird. „Die ist so alt, die stimmt nicht mehr.“ Eine Aufwertung täte dem Ambiente auf jeden Fall gut. Immerhin würden sich viele Spaziergänger auf den Bänken ringsum niederlassen und den Ausblick genießen. Auch locke sein Boote-Ensemble Fotofreunde, die teilweise von weit her kämen. Zudem: „Ich bin seit 26 Jahren Fährmann und habe in der Zeit zwei Millionen Menschen übergesetzt“, sagt Dietrich. „Das hat hier schon einen kulturellen Wert.“

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