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Rodenkirchen erinnert sich: Expedition zur Flakstellung „Rondorf“

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Ein betonierter Unterstand im Grün zwischen dem Friedenswäldchen und der Siedlung Hahnwald. Foto: Philipp Haaser
Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges befand sich in Rondorf eine Flugabwehrstellung. Bis zu 400 Granaten feuerten die Soldaten bei einem Angriff in den Himmel. Die Überreste der Anlage können noch heute erkundet werden.  Von
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Rodenkirchen

Es sollte ein einigermaßen unbeschwerter Nachmittag im Oktober 1944 werden. Die Freunde aus Rodenkirchen wollten ihn in Weiß, auf den Feldern und am Rhein verbringen. Doch dann hören sie die anfliegenden Maschinen der Alliierten. Peter Rodenkirchen erinnert sich an „unheimlich viele Flieger“, die massenhaft Bomben ausklinkten, dazwischen zerplatzten die Granaten der deutschen Flugabwehrkanonen, abgefeuert unter anderem von der Stellung „Rondorf“ im Süden von Rodenkirchen. „Das hat die Flieger aber überhaupt nicht gestört“, schildert er seine Eindrücke. Ziel der Bomber war die Rodenkirchener Brücke.

Die Teilnehmer einer Führung in der Reihe „Rodenkirchen erinnert sich“ besuchten nun die Überreste der Flugabwehrstellung, an der gegen Kriegsende immer mehr Schüler als Luftwaffenhelfer eingesetzt wurden. Kein Schild weist auf die noch erhaltenen Gräben und Unterstände hin, niemand fühlt sich zuständig für deren Erhaltung. „Deshalb wollen wir wenigstens die Erinnerung wachhalten“, sagt Cornelius Steckner, der die Veranstaltungsreihe mit dem Verein Literamus organisiert.

Schüler musste die Geschütze bedienen

Wo sich heute dichter Wald zwischen Friedenswald und den Wohnhäusern des Hahnwalds befindet, ragten 1944 die Rohre einer Flakstellung in den Himmel, errichtet auf freiem Feld. Horst Noll hält eine Luftaufnahme in den Händen. Sie stammt von alliierten Aufklärungsflügen und zeigt deutlich sichtbare Gräben und Erdwälle. „Das ist fantastisch, was man hier sieht“, sagt Noll an einer Weggabelung, gleich neben der Straße Am Neuen Forst, inmitten eines Waldstücks.

Horst Noll (vorne) führt die Teilnehmer durchs Gelände.
Horst Noll (vorne) führt die Teilnehmer durchs Gelände.
Foto: Philipp Haaser

Baracken für die Soldaten, Laufgräben, im Zickzack angelegt, Kommandoposten und die Flugabwehrkanonen hat er auf dem Bild ausgemacht und zeigt sie den Teilnehmern, die sich über die Aufnahme beugen. Der Geologe im Ruhestand hat recherchiert und vermutet die Kommandostellung in zwei der zahlreichen Bunker. Mit Radar und Horchgeräten versuchten die deutschen Soldaten dort, die feindlichen Flugzeuge zu orten, um die Daten an die Kanoniere der Flak-Stellung weiterzugeben.

Noll stieß auf eine Aufstellung in einem Buch, aus der hervorgeht, dass 40 Oberstufenschüler der Flakstellung „Rondorf“ als Luftwaffenhelfer zugeteilt wurden. Ein Archivar aus Porz hat Dokumente und Fotografien aus der Zeit zusammengestellt. Noll hält eine Kopie der Liste in die Höhe. Auf einem Bild ist eine Unterkunft nahe der Stellung zu sehen, in Doppelstockbetten schliefen die Soldaten dort. Auf einer anderen Aufnahme ist eine Flugabwehrkanone zu sehen und fünf Soldaten, die sie bedienen. Sie schauen in die Kamera, ihre Gesichter sind gut zu erkennen.

400 Granaten pro Angriff

Dann drehen sich die Teilnehmer der Führung um. Noll und Steckner gehen voraus, tiefer in das Unterholz. Nach wenigen Metern steht die rund 20-köpfige Gruppe vor einer Treppe, dem Eingang in einen betonierten Unterstand in der Mitte eines mannshohen Erdwalls. Unwirklich wirkt die Szenerie in den Überresten der Flakstellung fast 70 Jahre später. Manche trauen sich, steigen die glitschigen Stufen hinab. In der Nähe stehen noch die moosbewachsenen Seitenwände des Granatlagers. Bis zu 400 Granaten feuerten die Soldaten bei einem Angriff in den Himmel. Ein Zeitzünder brachte die Geschosse zur Explosion.

Auf dem Luftbild war eine zweite Flakstellung ganz in der Nähe zu erkennen. Noll glaubt, sie sei zum Zeitpunkt der Aufnahme schon aufgegeben gewesen. Einschläge auf dem Feld rings um die Gräben deuten darauf hin. Peter Rodenkirchen erinnert sich, wie er nach dem Angriff mit seinen Freunden zurück ins Dorf lief. „Die Kirchstraße war völlig zerstört“, erzählt er. Das Haus seiner Eltern in der Bergstraße – heute Auf dem Brand – jedoch blieb unversehrt. Auch die Brücke, auf die die Bomber es abgesehen hatten, hielt stand. Erst im Januar 1945 wurde sie bei einem der weiteren Angriffe zerstört.

Wenige Schritte liegen zwischen den Überresten der Flak-Stellung und der Straße, die heute zum Hahnwald gehört, dem wohlhabenden Wohnviertel. Wer hier wohl von der Geschichte der sonderbaren Betonruinen in der Nähe weiß? Die Teilnehmer der Geschichtsführung wissen nun auf jeden Fall mehr von einem fast vergessenen Detail aus längst vergangenen Zeiten.

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