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Sozialraumkoordinatoren: Auch Jung und Alt werden vernetzt

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„Horch was kommt von draußen rein“ – damit beginnen Anita Küsters (l.) und die anderen Senioren aus Meschenich und Rondorf ihren Singkreis in der Kita am Kölnberg. Foto: Bause
Nicht nur die Kleinsten profitieren im Alltag von den zahlreichen sozialen Angeboten und den regelmäßigen Treffen der Träger vor Ort. Wenn die 60 Kinder einer Kita mit Senioren singen, bereitet das allen große Freude.  Von
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Meschenich

Etwas unbeholfen fasst Aishe (Name geändert) ihren Hüssein am kleinen Ärmchen und dreht ihn auf die Seite. Sie blickt kurz zu Stefanie Hesberg, vor der eine Puppe liegt. Mit ihr hat die Familienhebamme gerade demonstriert, wie man einen Säugling dreht. Aishe schaut sich die Position der Puppe an und stützt Hüssein mit ihrem ausgestreckten Bein. Ihre eingeölten Hände streichen weiter vorsichtig tastend über die Haut ihres Sohnes, der vergnügt mit seinen kurzen Beinen strampelt.

Aishe und eine weitere Frau sitzen auf Gymnastikmatten und massieren ihre Babys. Der Blick aus dem Fenster hinter ihnen in der Erdgeschosswohnung von Haus 10 endet an den Hochhäusern der Siedlung „Am Kölnberg“, errichtet in den 1960er Jahren am südlichen Rand der Stadt. Zwischen hier und der Innenstadt liegen weite Felder. Knapp 3000 Menschen leben in der Siedlung, mehr als 7700 sind es im gesamten Stadtteil, der auch ein kleines Dorf mit einer Kirche in der Mitte umfasst.

2006 haben Politik, Verwaltung und Wohlfahrtsverbände die Stadtteile Meschenich und Rondorf als ein Sozialraumgebiet bestimmt und die Stelle von Ludger van Elten eingerichtet. Das Büro des Sozialraumkoordinators ist in einem alten Haus neben der Kirche untergebracht. Hesbergs Angebote haben sich dank des ständigen Austausches unter seiner Regie schnell herumgesprochen.
„Ich brauchte am Anfang Ansprechpartner, um an die Frauen heranzukommen“, erinnert sich Stefanie Hesberg. Seit September 2011 bietet sie eine offene Sprechstunde an, einmal pro Woche. Eine Mitarbeiterin der Caritas sitzt nebenan und bringt manchmal schwangere Frauen mit. „Hier funktioniert vieles nur über persönlichen Kontakt“, sagt Hesberg.

Beratung rund um den Nachwuchs

Während und unmittelbar nach der Geburt sind ihre Kolleginnen, die freien Hebammen, zuständig. Als Familienhebamme kümmert Hesberg sich um Mütter mit Kindern bis zu einem Jahr nach der Geburt. Sie bietet einen Kurs zur Babymassage an, berät Frauen ohne Krankenversicherung und hilft beim Ausfüllen von Anträgen.

Aishes Versuche, Blickkontakt zu Hüssein aufzubauen, wollen nicht so recht gelingen. Der sechs Monate alte Knirps reckt den Kopf und schaut in den Raum. „Beug’ dich über ihn und schau’ ihn an. Meistens folgen die Kinder dann den Augen ihrer Mütter“, schlägt Hesberg vor. „Die Babymassage eignet sich hervorragend, um eine Verbindung zwischen Müttern und Kindern aufzubauen“, erläutert sie. Mit der Arbeit der Familienhebammen erhoffen sich die Jugendämter einen frühzeitigen Zugang zu Familien, die mit der Versorgung ihrer Kinder überfordert sein könnten. Außerdem sollen sie als Lotsen dienen.

Eine Babymassage fördert die Beziehung zwischen Mutter und Kind.  Foto: Philipp Haaser

Sie wissen, welche Kinderärzte und Krankenhäuser in der Nähe sind, wer Krabbelgruppen anbietet, wer bei Anträgen hilft, wo die Sucht- oder Schuldnerberatung sitzt und wann die Jobbörse besetzt ist. „In Meschenich gibt es sehr viele Angebote“, sagt Stefanie Hesberg. Alle drei bis vier Monate tagt der Arbeitskreis Kindergesundheit, einer der Arbeitskreise, die der Sozialraumkoordinator organisiert. Dort stellen die Teilnehmer ihre neuen Angebote vor und beraten gemeinsam: was fehlt, was ist vielleicht überflüssig oder wird doppelt angeboten. Vernetzung und Absprache – die Arbeit der Sozialraumkoordination wirkt im Hintergrund.

Ohne Sozialraumkoordinatoren mehr Arbeit

„Ich kann mich auf den Informationsfluss verlassen“, sagt Heidi Sauer. Sie leitet den evangelischen Kindergarten im Erdgeschoss von Haus 4 am Kölnberg, auch sie nimmt an den Sitzungen des Arbeitskreises Kindergesundheit teil. Ohne die Sozialraumkoordinatoren käme mehr Arbeit auf sie zu, weil sie den Austausch mit anderen Einrichtungen selbst organisieren müsste. Besonders am Herzen liegt ihr die Vernetzung mit dem alten Meschenich.

„Horch was kommt von draußen rein“ – damit beginnen die sogenannten Singpaten einmal in der Woche eine Stunde mit Volksliedern. Alle 60 Kinder in Sauers Kita kommen aus Einwandererfamilien.Einmal in der Woche sitzen die älteren auf dem Boden der Turnhalle und singen mit den Senioren aus Rodenkirchen und Meschenich. „Die Kinder kommen auf uns zu, umarmen uns, geben uns einen Kuss. Das ist einfach schön“, sagt Anita Küsters.

Die 86 Jahre alte Meschenicherin freut sich auf das gemeinsame Singen, das bei ihren eigenen Eltern früher „nicht so gerne gesehen war“. Sie freut sich auch auf die Kinder, die ihr vom neuen T-Shirt, vom verlorenen Backenzahn und anderen Neuigkeiten berichten. „Die Kinder lernen dadurch besser deutsch“, sagt sie. „Wenn dat Trömmelche jeht“, „Bibabutzemann“, „Die Gedanken sind frei“ – nicht nur die Kinder lernen dazu. Küsters hat ihre anfänglichen Berührungsängste verloren. Ihr Fahrrad lässt sie mittlerweile unabgeschlossen auf dem Gelände stehen. Die Kinder grüßen sie beim Einkaufen oder im Bus. Viele sind inzwischen so textsicher, dass sich Küsters auf sie verlässt, wenn ihr eine Strophe mal nicht sofort einfällt.

Singpaten gesucht

Derzeit mangelt es den Singpaten aber an Mitwirkenden. Sie suchen auch über das Netzwerk der Sozialraumkoordination nach Verstärkung. Vier Herren vom Rodenkirchener Kammerchor helfen zwar aus, wann immer sie Zeit finden. Doch für viele Senioren aus den anderen Stadtteilen im Kölner Süden dürfte der Weg nach Meschenich zu beschwerlich sein. „Meschenich ist so abgeschnitten“, klagt Kita-Leiterin Sauer.

Dass die Stadtgesellschaft weit weg ist, das äußert sich nach Meinung von Rainer Lindlahr auch im aktuellen Sparvorschlag der Jugenddezernentin. Einen „sozialen Aberwitz“ nennt Lindlahr, bis Ende 2012 Leiter des Bezirksamtes Rodenkirchen, diesen. Wer einen solchen „sozialen Kahlschlag für Meschenich“ zulasse, sei entweder so blauäugig zu glauben, dass man „mit einem zentralen Ehrenamtstag in Köln schon alles im Griff“ habe, oder habe Meschenich gar nicht im Blickfeld, „weil man es für einen Ort in der Eifel hält“, meint Lindlahr.

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