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Städte-Austausch: Kölner feiern in Nord-Frankreich

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Das Gastgeschenk des Bürgermeisters fand doch noch im Bus Platz. Foto: Süsser
Eine Delegation aus dem Kölner Süden ist zu einem Festakt in den Norden Frankreichs gereist. Zwei Tage lang wurde gefeiert und der Partnerschaftsvertrag erneuert. Auch eine große Gruppe Engländer war mit von der Partie.  Von
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Rodenkirchen/Wattignies

Fast hätte das Bild nicht in den Bus gepasst, das Malheur wäre perfekt gewesen. Schließlich war das gerahmte Riesen-Foto der Rodenkirchener Riviera als Geschenk gedacht vom Bürgermeister für den Bürgermeister. Mit viel Tüftelei klappte der Transport im Stauraum des Busses dann doch noch. Anlässlich des 40. Geburtstages der Städtepartnerschaft zwischen Rodenkirchen und Wattignies reiste eine Abordnung des Rodenkirchener Partnerschafts-Komitees samt Bezirksbürgermeister Mike Homann nach Wattignies zum „Anniversaire de Jumelage“, um dort zwei Tage lang zu feiern, den Partnerschaftsvertrag zu erneuern – und natürlich, um Geschenke auszutauschen.

„Das sieht bestimmt gut aus im Rathaus von Wattignies“, sagte Mike Homann mit einem Blick auf das große Foto – ein Schelm, der Böses dabei denkt. Denn derartig schicke Attraktionen kann die französische Partnerstadt nicht vorweisen. Wattignies präsentiert sich bescheidener. Eine altehrwürdige Kirche hat der Ort zu bieten, einen gigantischen Supermarkt und das winzige Süßigkeiten-Museum „La pie qui chante“. Aber immerhin gewinnt Wattignies jedes Jahr einen Preis als „ville fleurie“, als blühende Stadt.

Vier Kilometer von Lille entfernt

Zum 40. Geburtstages der Städtepartnerschaft zwischen Rodenkirchen und Wattignies reiste eine Abordnung des Rodenkirchener Partnerschafts-Komitees samt Bezirksbürgermeister Mike Homann nach Wattignies zum „Anniversaire de Jumelage“.
Zum 40. Geburtstages der Städtepartnerschaft zwischen Rodenkirchen und Wattignies reiste eine Abordnung des Rodenkirchener Partnerschafts-Komitees samt Bezirksbürgermeister Mike Homann nach Wattignies zum „Anniversaire de Jumelage“.
Foto: KStA-Grafik

Die liegt etwa vier Kilometer von Lille entfernt in der Region Nord-Pas-de-Calais, dem Landstrich, in dem die Sch’tis leben. Jene Bevölkerungsgruppe gilt als herzlich und gastfreundlich, als bodenständig und trinkfest und ist spätestens seit der Komödie „Willkommen bei den Sch’tis“ (2008, Regie Dany Boon) bestens bekannt. 335 Kilometer liegen zwischen Wattignies mit 13 500 Einwohnern und Rodenkirchen mit 16 000.

Eine echte Städtepartnerschaft ist die Freundschaft der beiden Orte nicht. Denn Rodenkirchen wurde 1975 von Köln eingemeindet und ist seitdem nur ein Stadtteil. Anstelle eines städtischen Partnerschafts-Beauftragten pflegt ein ehrenamtliches Bürger-Komitee die Beziehung mit Sorgfalt, veranstaltet einen regelmäßigen Austausch und gegenseitige Besuche. 50 Einzelmitglieder und etwa zehn Vereine gehören dem Komitee der zeit an, seit zwölf Jahren ist Christine Lenzen Präsidentin, Dieter Maretzky seit 35 Jahren Geschäftsführer. Erkennbare Beweise für die Partnerschaft sind die Wattigniesstraße in Rodenkirchen und ein Partnerschafts-Apfelbaum, der in Finkens Garten wächst und Früchte der Freundschaft trägt. Eine „Rue Rodenkirchen“ in Wattignies ist allerdings noch Zukunftsmusik.

Englisch, Deutsch und Französisch gemischt

Die Chorfrauen des „Männerquartetts“ erkunden Wattignies.
Die Chorfrauen des „Männerquartetts“ erkunden Wattignies.
Foto: Süsser

Apropos Musik: Das „Männerquartett Frohsinn“ aus Immendorf begleitete die Jubiläums-Abordnung. Die Singgemeinschaft gehört seit Anfang an zum Komitee. Der Vorsitzende Mario Fontana (41) hatte 15 Sänger und Sängerinnen mitgebracht – aus Mangel an Tenören singen Frauen diese Stimmlage. Die Bezeichnung „Männerquartett“ hätte also eine Korrektur verdient. Dafür kann sich die Gruppe den Frohsinn auf die Fahne heften. Schon im Bus wurde munter geübt. Da gab es zum Beispiel Passendes von den Bläck Fööss zum Mitträllern: „Su simmer all he hinjekumme, mir sprechen hück all dieselve Sproch. Mir han dodurch su vill jewonne. Mer sin wie mer sin, mir Jecke am Rhing. Dot es jet, wo mer stolz drop sin.“

„Dieselve Sproch“ war allerdings übertrieben. Gleich bei der Ankunft in Wattignies an der modernen Mehrzweckhalle schwirrten französische und deutsche Sprachfetzen durch die Luft, und da waren auch noch die Engländer. Beim großen „Jumelage d’anniversaire“ mischte die Stadt Broadstairs mit, die mit Wattignies eine 30-jährige Partnerschaft unterhält. Eine große Gruppe samt dem Frauenchor „Harmony“ war aus der Grafschaft Kent angereist. Christine Lenzen parlierte und organisierte, der Bürgermeister von Wattignies, Alain Pluss, verteilte Küsschen, die Bürgermeister-Kollegin von Broadstairs, Rosalind Binks, hielt sich da eher zurück. Viele kannten sich und begrüßten sich wie alte Freunde.

Die Bürgermeister sangen in ihren Ansprachen ein Hohelied auf die Städte-Freundschaft – die Übersetzungen in drei Sprachen folgten prompt. Wenigstens saßen die gut 200 Gäste in der Mehrzweckhalle bequem auf der hochmodernen mobilen Zuschauertribüne, auf die Wattignies besonders stolz und Rodenkirchen ein wenig neidisch ist.

Nationalhymnen und Händel

Christine Lenzen, Präsidentin des Partnerschaftskomitées, Rodenkirchens Bezirksbürgermeister Mike Homann und sein französischer Amtskollege Alain Pluss (vorne v.l.n.r.) Bilder: Süsser (5), Duckwitz (1)
Christine Lenzen, Präsidentin des Partnerschaftskomitées, Rodenkirchens Bezirksbürgermeister Mike Homann und sein französischer Amtskollege Alain Pluss (vorne v.l.n.r.) Bilder: Süsser (5), Duckwitz (1)
Foto: Süsser

Die Stadt(teil-)oberhäupter und Christine Lenzen leisteten ihre Unterschriften und besiegelten die Freundschaft mit Vertrag und Siegel. Und dann kamen die Geschenke. Alain Pluss zeigte sich höflich erfreut über das riesige Foto und revanchierte sich mit einer ähnlich imposanten Fahne von Wattignies. Die wird künftig das Bezirksrathaus schmücken. Andächtig und unterstützt von den Chören sangen alle die Nationalhymnen. Chorleiter und Musikverleger Peter Tonger war kurzfristig und nur zum Dirigieren aus Köln angereist. Der fulminante gemeinsame „Chant final“ erzeugte Gänsehaut: Ungefähr 100 Sängerinnen und Sänger schmetterten das „Canticorum Jubilo“ von Georg Friedrich Händel.

Weniger klassisch, eher zünftig ging es beim Abendessen mit Tanz zu. Da zeigte sich die bodenständige Feierfreudigkeit der Nord-Franzosen, und auch die Tanzlaune der englischen Chorfrauen war beachtlich. Und auf einmal verstanden sich alle, irgendwie und grenzenlos. Sprachbarrieren waren verschwunden, die Reden vergessen, die Unterschriften auch. Was zählte, war die gemeinsame gute Laune. Also sprachen sie am Ende doch „all dieselve Sproch“.

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