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Verkehrsplanung: 50 Jahre warten auf Ortsumgehung

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Heribert Hirte (CDU, v.l.), Elfi Scho-Antwerpes (SPD), Manfred Waddey (Grüne) und Hans Stein (FDP) bei der Bürgerversammlung. Foto: Philipp Haaser
Bereits seit 1961 warten die Meschenicher auf eine Umgehungsstraße. Bisher ist nichts passiert. Jetzt haben sich die Bürgern mit aktuellen Bundestagskandidaten getroffen, um die Verkehrsprobleme des Ortes endlich zu lösen.  Von
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Meschenich

Es gibt eine Anekdote, die die unendlich scheinende Geschichte der Ortsumgehung Meschenich treffend zusammenfasst: Als sie zurück in das elterliche Haus an der Brühler Landstraße zog, sorgte sich eine Meschenicherin um den Verkehr vor ihrer Haustür. "Mach dir keine Sorgen, in ein paar Jahren ist die Umgehungsstraße fertig", beruhigten sie die Eltern. Das war Anfang der 1960er Jahre. Die Frau starb im vergangenen Jahr und hatte kurz zuvor noch richtig vorausgesehen, dass sie die geplante Umgehungsstraße nicht mehr erleben werde. Ihre Tochter erzählte die Geschichte bei einer Veranstaltung des Bürgervereins "aktiv für Meschenich". "Das zeigt ganz gut, wie wir uns vorkommen", sagt der Vorsitzende Ingo Brambach, "nämlich verschaukelt."

Die Verkehrsbelastung im Ortskern, ein äußerst dürftiges Radwegenetz und eine miserable Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr - das sind nach Ansicht der Meschenicher die Probleme, die vielen anderen Schwierigkeiten im Stadtteil zugrunde liegen. "Diese Probleme zu lösen, wäre die Grundlage für eine entscheidende Verbesserung der Lebenssituation der Menschen in Meschenich", sagte Brambach.

Diskussionsabend mit allen großen Parteien

Überschrittene Grenzwerte für Stickstoffdioxid, Demonstrationen im Berufsverkehr, Eingaben, offene Briefe, Forderungen nach einem Durchfahrtverbot für Lkw, entsprechende Beschlüsse der Bezirksvertretung - Aussicht auf Erfolg hatte bislang keiner der zahlreichen Versuche, sich Gehör zu verschaffen und die Situation zu verbessern. Deshalb hatten die Meschenicher Bürger die Bundestagskandidaten aller großen Parteien zu einem Diskussionsabend eingeladen.

Elfi Scho-Antwerpes, die für die SPD kandidieren wird, versprach einen gemeinsamen Termin an Ort und Stelle mit der Regierungspräsidentin Gisela Walsken, deren Behörde in den vergangenen Jahren die Genehmigung eines Durchfahrtverbotes für Lkw untersagte. Auch KVB-Chef Jürgen Fenske, dessen Unternehmen eine Busverbindung zum S-Bahnhof Hürth-Kalscheuren ablehnt, soll dabei sein, ebenso Rats- und Bezirkspolitiker und die Bürgermeistern angrenzender Gemeinden.

Projekt mit höchster Priorität

Heribert Hirte, Bundestagskandidat der CDU, wies darauf hin, dass die Meschenicher doppelt benachteiligt seien, weil sie nicht nur besonders unter dem Durchgangsverkehr litten, sondern auch schlecht an öffentliche Verkehrsmittel angebunden seien. Eine Expressverbindung mit der Buslinie 132 hielt er für eine gute Lösung. Hirte machte die Verkehrspolitik der rot-grünen Landesregierung für die Verzögerung bei der Umgehung verantwortlich. Auch Ingo Brambach sieht beim Landesministerium die Verantwortung. Dort wollte man sich, hieß es auf Anfrage des "Kölner Stadt-Anzeigers", erst beim Straßenbaubetrieb über den Vorgang informieren, bevor eine Stellungnahme abgegeben werden könne.

Ein Lkw rollt auf der Bundesstraße 51 mitten durch Meschenich.
Ein Lkw rollt auf der Bundesstraße 51 mitten durch Meschenich.
Foto: Philipp Haaser

"Man kann eine Autobahn nicht einfach vor dem Ort enden lassen", machte Manfred Waddey deutlich, das sei auch für die Grünen völlig klar. Der Vorsitzende des Verkehrsausschusses, an diesem Abend Vertreter für den Bundestagsabgeordneten der Grünen, Volker Beck, klärte über den aktuellen Stand des Projektes auf. Die Ortsumgehung sei eines von zwei Projekten im Kölner Raum, das mit höchster Priorität in die neue Version des Bundesverkehrswegeplans aufgenommen werde.

Die Bezirksvertretung Rodenkirchen hatte in ihrer vergangenen Sitzung mit einem gemeinsamen Dringlichkeitsantrag aller Fraktionen die Einrichtung einer Umweltzone für Meschenich gefordert. Lkw müssten dann draußenbleiben. Zuständig für ein Verbot ist die Bezirksregierung, die zuletzt das vom Verkehrsausschuss des Rates beschlossene Lkw-Durchfahrtverbot kippte. Sollte die geforderte Umweltzone wider Erwarten genehmigt werden, würde damit ein Präzedenzfall für Kommunen mit ähnlichen Problemen geschaffen, erläuterte der Rodenkirchener Bezirksbürgermeister Mike Homann.

Planung der Ortsumgehung seit 1961

Für den vierspurigen Ausbau der L 150 wurde vor kurzem mit den Vorbereitungen begonnen. Das bestätigte Laurenz Braunisch vom landeseigenen Baubetrieb Straßen NRW, der den Auftrag für den Ausbau vergibt.

Zurzeit verhindere aber eine Klage eines unterlegenen Teilnehmers der Ausschreibung, dass mit dem Ausbau begonnen werden könne. Die Straße verbindet die Autobahn 553, die kurz vor Meschenich endet, mit der Auffahrt der Autobahn 555 und dem Godorfer Hafen.

Unklar ist allerdings, ob der Ausbau die Verkehrsbelastung in Meschenich reduzieren wird: Um zum Güterbahnhof Eifeltor zu gelangen, ist die Straße nicht geeignet.

30 000 Fahrzeuge am Tag wurden während der letzten Messung auf der L 150 gezählt, davon etwa 2000 Lkw. Auf der B 51 durch Meschenich verkehren 16 000 Fahrzeuge täglich, davon 1800 Lkw. Zum Vergleich verweist Braunisch auf die Dürener Straße in Höhe der A 4. Hier wurden zuletzt 18 000 Kfz gezählt.

Der Bau einer Ortsumgehung um Meschenich wurde 1961 zum ersten Mal in Aussicht gestellt. Sie soll den Verkehr östlich am Ort vorbeiführen. Der zuständige Planer beim Betrieb Straßen NRW prüft auf Weisung des Landesverkehrsministeriums momentan weitere Varianten für die Verbindung der Ortsumgehung mit der Autobahn 4 und dem Güterbahnhof Eifeltor.

Stickstoffdioxidmessungen in Meschenich haben ergeben, dass die zulässigen Grenzwerte überschritten werden.

Ein Gutachten soll zusätzlich ermitteln, wie hoch die Lärmbelastung ist. Einen entsprechenden Auftrag hat das Umweltamt der Stadt mittlerweile erteilt. Mit den Ergebnissen ist in spätestens drei Monaten zu rechnen. (phh)

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