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Vermieter: Eine Tagesmutter ist unerwünscht

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Rainer Loke (r.) holt seinen Sohn (2er von r.) bei Sylvia Kaul ab. Er hat mit der Tochter der Tagesmutter, Lina Marie, gespielt und Kekse gebacken.  Foto: Philipp Haaser
Tagesmutter Sylvia Kaul braucht eine neue Bleibe, denn ihr jetziger Vermieter will sie seit dem Frühjahr aus ihrer Wohnung drängen. Betreuungsplätze werden dringend gebraucht, doch die Suche nach passenden Räumen gestaltet sich schwierig.  Von
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An diesem Tag hat sie mit den Kindern Sternenkekse gebacken und der Ärger mit ihrem Vermieter tritt für eine Weile in den Hintergrund. Sylvia Kaul packt schnell noch eine Handvoll Plätzchen in Folie ein, schnürt ein Geschenkband um das kleine Päckchen und drückt es Levys Vater in die Hand. „Levy hat vor allem der Teig gut geschmeckt“, teilt sie ihm mit. Kaul betreut als Tagesmutter drei Kinder von berufstätigen Eltern. „Für uns ist das eine unkomplizierte und sehr direkte Form der Betreuung“, sagt Rainer Loke, Levys Vater.

Mit Hilfe der städtisch anerkannten Tagesmütter und -väter will die Stadt ausreichend Betreuungsplätze schaffen, bevor im August 2013 alle Eltern Ansprüche auf einen Platz auch für Kinder unter drei Jahren haben. Um bis zu vier Kinder kümmert sich Kaul in ihrer Wohnung, montags bis donnerstags, von 8 bis 16 Uhr. Ihre eigene Tochter kommt nach der Kita dazu. Zehn Kinder hat sie seit 2009 schon betreut. 2011 war der Andrang am größten. Sie hatte 25 Anfragen für zwei freie Plätze. Die Eltern können zwischen 20 und 32 Stunden wöchentlicher Betreuung wählen. Was den Eltern hilft, Beruf und Kinderwunsch zu vereinen, ist für Kauls Vermieter offenbar inzwischen ein großes Ärgernis. Er möchte, dass sie so schnell wie möglich auszieht, berichtet Kaul. Seine Geschäftsräume sind in einem Anbau hinter dem Haus untergebracht. Er selber wollte sich nicht zum Streit äußern.

Zehn Abmahnungen vom Vermieter

Sylvia Kaul, Tagesmutter in Rodenkirchen, wird von ihrem Vermieter gedisst.
Sylvia Kaul, Tagesmutter in Rodenkirchen, wird von ihrem Vermieter gedisst.
Foto: Philipp Haaser

Seit dem Frühjahr trudelt eine Abmahnung nach der anderen bei der 36-jährigen Mieterin ein. Sie habe die Treppenhausreinigung nicht durchgeführt, ihr Kinderwagen blockiere den Aufgang, Nachbarn würden belästigt. Kaul weist die Vorwürfe zurück. „Klar lassen die Kinder manchmal Dreck im Treppenhaus zurück. Aber das kehre ich abends weg.“ Den Kinderwagen habe sie in den Keller geschafft und verzichte darauf, ihn zu benutzen. Dass er erst nach drei Jahren zu stören schien, findet sie merkwürdig. In einem Ordner hat sie die Einverständniserklärungen von fast allen Nachbarn abgeheftet. Beschwerden habe sie noch keine gehört, außer von der Tochter des Vermieters. Vor kurzem zog sie in eine Wohnung ein Stockwerk höher auf der anderen Seite des Hauses ein.

Angefangen habe der Ärger nach Kauls Darstellung mit einer Nebenkostenabrechnung, mit der sie und ihr Mann nicht einverstanden waren. Sie zahlten nur einen Teil des geforderten Betrags. „Seitdem hagelte es Abmahnungen, zehn bisher“, erzählt Kaul. 500 Euro habe ihr der Vermieter mittlerweile angeboten, wenn sie auszieht. Für Kaul käme das sogar in Frage. Doch mit der Tagespflegestelle gestaltet sich die Wohnungssuche kompliziert. Elf Wohnungen haben die Kauls sich angeschaut, drei davon kamen in Frage. „Überall bekamen wir zu hören: Als Familie gerne, mit der Tagespflege auf gar keinen Fall“, berichtet Kaul. Noch hat sie nicht aufgegeben. Sie hofft auf eine Erdgeschosswohnung, verständnisvolle Vermieter und nette Nachbarn.

Das Jugendamt plant unterdessen, die Tagespflege stadtweit weiter auszubauen. Derzeit gibt es bei den Tagesmüttern und -vätern in der ganzen Stadt 2121 Plätze für Kinder unter drei Jahren. Bis August 2013 sollen noch einmal 929 Plätze dazu kommen.

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