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Germanistik: Einen Doktortitel mit 66 Jahren

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Hannelore Furch Foto: Christopher Arlinghaus
Ein Umzug nach Rösrath, bedingt durch den Beruf ihres Mannes, gab den Ausschlag: Hannelore Furch holte das Abitur nach, studierte anschließend Germanistik und hat jetzt die Promotion abgeschlossen - mit 66 Jahren.  Von 
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"Ich habe mich entschlossen, etwas Neues zu beginnen", sagt Hannelore Furch: Nach der Familienphase holte sie das Abitur nach, studierte Germanistik und nahm sich auch noch die Promotion vor, die sie soeben erfolgreich abgeschlossen hat - mit 66 Jahren. Ein beruflicher Wechsel ihres Ehemanns, der mit einem Umzug von Unterlüß bei Celle nach Rösrath verbunden war, schuf den äußeren Rahmen für den Neuanfang der zweifachen Mutter. In ihrem frisch bezogenen Haus in Hoffnungsthal las sie im "Kölner Stadt-Anzeiger" eine Notiz über die Anmeldung zum Abendgymnasium in Köln. Tags darauf ergriff Furch die Gelegenheit und arbeitete von 1991 bis 1994 konsequent: "Ich habe es immer bedauert, dass ich nur mittlere Reife hatte."

Mit dem Abitur in der Tasche war es für die Rösratherin keine Frage, dass sie auch ein Studium abschließen wollte, sie erwarb das Große Latinum und einen erforderlichen Französisch-Schein. "Das war schon eine große Herausforderung", berichtet sie und betont, dass sie die Wissenschaft sehr ernst nahm, obwohl sie nicht ihren Lebensunterhalt verdienen musste: "Als Hobby habe ich das Studium nie angesehen." Der Neustart nach ihrem Leben als kaufmännische Angestellte und Mutter war ein Schritt, den Furch zuvor anderen Frauen empfohlen hatte - als Leiterin von Seminaren des Deutschen Frauenrings. Nach diesem Engagement und der Arbeit als CDU-Gemeinderätin in Unterlüß schlug sie mit Abitur und Studium ein neues Kapitel auf.

Als Studentin über 50 habe sie an der Kölner Universität "ein sehr wohlwollendes Klima" angetroffen, sagt Furch. Es gebe dort viele ältere Studierende. Dass sie aber konsequent auf den Abschluss hinarbeitete, sei "ungewöhnlich" gewesen. Noch ungewöhnlicher war ihre anschließende Promotion. "Je älter ich werde, desto ehrgeiziger werde ich", sagt Furch. Zum Thema ihrer Doktorarbeit gelangte sie durch eine Vorlesung von Professor Volker Neuhaus, der als Experte für Günter Grass gilt. "Er hat das Grass-Feuer bei mir entfacht", erzählt Furch. So war Neuhaus sofort bereit, ihre Arbeit zu betreuen. Das Thema: Der Erzählerdiskurs in "Unkenrufe" und "Im Krebsgang" bei Günter Grass. "Es geht mehr um die Erzählform, weniger um den Erzählinhalt", erklärt die frisch Promovierte. Zu dem Prosawerk "Unkenrufe" habe es bisher wenig Literatur gegeben: "Da habe ich eine Lücke geschlossen."

Während der Promotionsphase interessierte Furch sich weiter für Themen, die nicht im Zusammenhang mit ihrer Doktorarbeit standen, und besuchte Seminare. "Ich hatte keinen Zeitdruck", sagt sie. Erst die letzten beiden Jahre widmete sie sich nur ihrer Dissertation. Von ihrem Doktorvater Neuhaus und dem zweiten Gutachter, Professor Walter Pape, fühlte sie sich "sehr unterstützt". Auch Dekanats-Mitarbeiterin Anna-Maria Gottschalk war eine Hilfe: "Sie hat mir immer Mut gemacht."

Intensiv bereitete sich Furch auf die abschließende mündliche Prüfung, die Disputation, vor. Haus- und Gartenarbeit mussten hintan stehen. Dozent Hartmut Kircher gab ihr wichtige Tipps. Dennoch hatte sie im Vorfeld Monate mit wenig Schlaf. Doch am Ende fühlte sie sich gar nicht nervös - und überzeugte die Prüfer: "Da bin ich wirklich gut rausgekommen."

Den Abschluss sieht Furch als Einschnitt: "Jetzt ist erst mal Schluss mit Grass." Sie will nun eigene Erzähltexte schreiben - wie schon vor ihrer Promotion.

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