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Erlebniswelt in Berlin: Lebensgroßes Barbie-Traumhaus in Pink

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So sieht es aus, das Barbie Dreamhouse am Berliner Alexanderplatz. Foto: dpa
Für kleine Mädchen ist sie ein Traum, die neue Barbie-Erlebniswelt in Berlin. Hier steht ein Stöckelschuhbrunnen am Eingang und innen wartet die berühmte Puppe in hundertfacher Ausführung. Einigen ist diese rosafarbene Welt aber einen Protest wert.
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Traum in rosé oder Hölle in pink? Schon vor der Eröffnung ist klar: Am neuen quietschrosa Barbie-Dreamhouse am Berliner Alexanderplatz scheiden sich die Geister. Die 2500 Quadratmeter große begehbare Barbie-Welt hat offenbar tatsächlich das Zeug, zu dem vom Veranstalter propagierten „unvergesslichen Erlebnis“ zu werden. Die Frage ist nur, in welcher Hinsicht. Seit Wochen regt sich schon Protest gegen die „Pinkifizierung“ – Proteste sind geplant.

Springbrunnen in Stöckelabsatz-Form

Ein Ortstermin vor Fertigstellung der „Erlebnisausstellung“ gab erste Einblicke: Vom Springbrunnen in Form eines riesigen rosa Stöckelabsatz, der in der Lobby prangen soll, ist zwar noch nichts zu sehen. Dafür stehen schon Teile der Einrichtung, ganz „Malibu-Style“ in Rosa, Weiß und Gold. „Willkommen in der sonnigen Barbie-Welt“, grüßt eine Agenturmitarbeiterin in die Runde. Von Sonne oder Tageslicht jedoch keine Spur, die Fenster sind nur aufgemalt. Dafür ragt ein lächelnder Plastik-Pferdekopf ins Zimmer.

Pretty in Pink – im Berliner Barbie-Haus

Das maßgeschneiderte Barbie-Erlebnis

Barbies Welt: Vom Sportflitzer bis zum pinkfarbenen Klavier.
Barbies Welt: Vom Sportflitzer bis zum pinkfarbenen Klavier.
Foto: barbiedreamhouse.com

1100 Quadratmeter Verkaufs- und Aktionsfläche, 1400 Quadratmeter Barbie-Wohnung – so ist das Event-Konzept von Barbie-Anbieter Mattel und EMS Entertainment Germany. Sich einmal rundum wie eine Super-Barbie fühlen, das soll hier gelingen – für Eintrittspreise von 15 Euro (ermäßigt 12 Euro). Berlin ist nur der erste Standort des Barbie-Hauses (bis 25. August). Danach soll es noch in weiteren deutschen Städten und in Österreich Station machen.

Im Balkon-bewehrten Salon, im riesigen Bad, im Schlafzimmer und vor allem im fast Turnhallen-großen begehbaren Kleiderschrank stehen interaktive Monitore für das maßgeschneiderte Barbie-Erlebnis bereit. Ein personalisierter Chip im Eintrittsarmband macht es möglich. Gegen Aufpreis darf man auch in „echten“ Barbie-Outfits auf einen Laufsteg oder auf eine Pop-Star-Bühne: Topmodel-Parcours und DSDS in rosé.

Ken wäscht den rosa Sportwagen im Hof

„Ken bleibt ein Accessoire“, ergänzt eine Mattel-Sprecherin zu Barbies männlichem Gegenstück. Lässt man in der Küche den durch so viel Magenta, Violett und Pink erschlafften Blick aus dem virtuellen Fenster schweifen, erblickt man Ken. In der Auffahrt wäscht er den - rosa - Sportwagen. Es gibt keine Rettung.

Protest gegen die Pinkifizierung

Immer im Rampenlicht: Barbie mit Plüschverzierung.
Immer im Rampenlicht: Barbie mit Plüschverzierung.
Foto: dpa

So viel Pink ist vielen ein Dorn im Auge. Inzwischen sind einige Proteste gegen das neue Barbie-Welt angekündigt. Die Protestbewegung „Occupy Barbie Dreamhouse“ wehrt sich gegen das klischeehafte, einseitige Rollenbild. Auf ihrer Facebook-Seite hat sie bereits über 1700 Unterstützer gefunden.  

Stevie Schmiedel von der Initiative Pinkstinks sieht auch Rot bei soviel Rosa: „Rosa ist eine wunderbare Farbe. Aber diese Pinkifizierung in der Spielwarenwelt stinkt. Diese Farbe steht nur für niedlich und süß und für Äußerlichkeit.“ Die Hamburgerin, die mit ihrer Initiative auch schon gegen das rosa Überraschungsei „nur für Mädchen“ protestierte, sieht im Rosa-Boom bei Spielzeug und Kleidung einen krankmachenden, einengenden Rückschritt. Was früh mit den rosa Imperien von Prinzessin Lillifee oder Barbie beginne, gehe für viele Mädchen gleich mit dem Topmodel-Wahn weiter. „Immer mehr Mädchen leiden darunter.“

Pink-Revival bringt sehr viel Geld

Waren wir beim Verzicht auf „typisch“ Jungs- und Mädchen-spezifische Ausstattung nicht schon einmal weiter? „Selbstverständlich hat das Revival von Pink viel mit Geld zu tun“, sagt die Genderforscherin Dominique Grisard (Uni Basel/New York). „Ein übersättigter Kleider- und Spielzeugmarkt kann so doppelt so viel verkaufen. Denn kein Mädchen kann ihrem jüngeren Bruder ihr rosa Tutu oder ihr pinkes Barbieschloss weitervererben.“ (dpa/dmn)

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