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Nach Krise: Griechenland erwartet wieder mehr Touristen

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Traumhafte Sonnenuntergänge, sommerliche Temperaturen, hübsche weiße Häuschen: Der Schönheit Griechenlands, wie hier in Santorin, konnte die Krise nichts anhaben. Foto: Griechische Zentrale für Fremdenverkehr/Y. Skoulas
Traumhafte Sonnenuntergänge, sommerliche Temperaturen, hübsche weiße Häuschen: Der Schönheit Griechenlands, wie hier in Santorin, konnte die Krise nichts anhaben. Foto: Griechische Zentrale für Fremdenverkehr/Y. Skoulas

Der Flieger von Düsseldorf nach Thessaloniki ist voll besetzt. In Deutschland lässt der Sommer auf sich warten - ein Grund für Andrea Simon und ihren Mann, kurzfristig nach Griechenland zu fliegen. «Endlich in die Sonne», freut sich Andrea. Außerdem seien die Angebote günstig.

Sommerliche Temperaturen und keine Wolke am Himmel: In Griechenland ist der Mai ein anderer als in Deutschland. Die Liegen und Sonnenschirme stehen bereit und warten auf den großen Ansturm. Aber noch sonnen sich nur wenige Gäste an den Stränden der Olympischen Riviera. Auch in den Geschäften, Restaurants und Tavernen in dem kleinen Ferienort Paralia südlich von Thessaloniki ist kaum etwas los - noch. Die geringe Zahl an Gästen habe nichts mit der Krise zu tun, sagt ein Wirt. «Die Touristen kommen Anfang Juni.»

In Reih und Glied warten Liegen und Sonnenschirme auf die Touristen - Griechenland rechnet in diesem Sommer wieder mit mehr Besuchern. Foto: Tobias Schormann
In Reih und Glied warten Liegen und Sonnenschirme auf die Touristen - Griechenland rechnet in diesem Sommer wieder mit mehr Besuchern. Foto: Tobias Schormann

Einen Vorgeschmack auf den Ansturm im Sommer bekommen Reisende rund zweieinhalb Autostunden südwestlich von Paralia in den Meteora-Klöstern. Eine Reisebus-Karavane schlängelt sich die Serpentinen entlang. Und das ist erst der Anfang. «Der große Besucherandrang beginnt in ein bis zwei Wochen», sagt Pater Theofanis. «Dann bilden sich bisweilen lange Schlangen vor den Ticketschaltern.»

Nicht nur die Mönche sind zuversichtlich, dass die Gäste bald in Scharen kommen. Lokale Tourismusmanager und Hoteliers, aber auch deutsche Reiseveranstalter erwarten für Griechenland einen Anstieg der Gästezahlen. Die Branche rechnet auch wieder mit mehr deutschen Touristen. Von ihnen kamen seit Beginn der Staatsschuldenkrise und vor allem im vergangenen Jahr deutlich weniger.

Nur über schmale Serpentinen zu erreichen: Die Meteora-Klöster nahe des griechischen Ortes Kalambaka sind ein beliebtes Ziel für Touristen. Foto: Griechische Zentrale für Fremdenverkehr/V. Itsaropoulos
Nur über schmale Serpentinen zu erreichen: Die Meteora-Klöster nahe des griechischen Ortes Kalambaka sind ein beliebtes Ziel für Touristen. Foto: Griechische Zentrale für Fremdenverkehr/V. Itsaropoulos

An die Olympische Riviera seien in den vergangenen Jahren kaum noch Besucher aus Deutschland gereist, sagt Costas Panteris. Er ist der Inhaber von Syrtaki Travel, einer touristischen Dienstleistungsagentur, die vor Ort für Gäste von Reiseveranstaltern Stadtrundfahrten oder Abholservices vom Flughafen organisiert. Die Zahl russischer Urlauber habe dagegen stark zugenommen.

In diesem Jahr rechnet er wieder mit mehr Deutschen. Zwar zeige der aktuelle Buchungsstand, dass die Zahlen in diesem Jahr noch nicht an das Vorkrisenniveau herankommen. Aber in zwei Jahren könnte es soweit sein, vermutet Panteris.

Laut den Zahlen des Hotelverbands der Stadt Katerini sind im Zentrum und in der Umgebung 90 Prozent der Betten in dieser Saison ausgebucht. Bürgermeister Savvas Chionidis geht davon aus, dass der Tourismus nach der Flaute im vergangenen Jahr nicht nur an der Olympischen Riviera und auf der Halbinsel Chalkidike boomt, sondern auch auf den Inseln. «Ich bin zuversichtlich, dass die Tourismuskrise in diesem Jahr zu Ende geht.»

Viele deutsche Reiseveranstalter teilen die zuversichtlichen Prognosen der lokalen Tourismusmanager und Politiker - nicht zuletzt wegen der niedrigen Preise. Die Nachfrage nach Ferien in Griechenland sei im Vergleich zum Vorjahr um 40 Prozent gestiegen, sagt Alltours-Chef Willi Verhuven. «Wir gehen davon aus, am Ende der Sommersaison 2013 wieder an die Gästezahlen des Vorkrisenjahres anzuschließen.»

Tui erzielte nach eigenen Angaben in dieser Sommersaison bei Griechenlandreisen gegenüber 2012 ein Umsatzplus von 9 Prozent. «Die Zurückhaltung deutscher Urlauber gegenüber Griechenland ist vorbei», sagt eine Sprecherin. Die Inseln Kos und Kreta belegten den dritten Platz unter den beliebtesten Flugreisezielen des Anbieters. Die Preise seien im Vergleich zum Vorjahr stabil.

Ein Comeback für Griechenland erwartet auch Thomas Cook. Die Buchungsentwicklung sei seit einigen Monaten positiv. Im vergangenen Jahr habe das Land einen starken Einbruch der Gästezahlen aus Deutschland verzeichnet. «Auch wenn es in diesem Jahr wieder gut läuft, steht Griechenland noch nicht wieder auf dem Niveau von vor der Euro-Krise», räumt Sprecherin Irene Schechinger ein. Bei Thomas-Cook-Gästen stehe Griechenland auf Platz vier der beliebtesten Reiseziele. Der Urlaub dort sei bei dem Veranstalter in diesem Jahr durchschnittlich um ein Prozent günstiger als 2012.

Auch bei Dertour gewinnt Griechenland als Reiseziel wieder an Bedeutung. «Im Vergleich zum Vorjahr verzeichnen wir bei unseren Griechenlandbuchungen hohe zweistellige Buchungszuwächse», sagt Lothar Münzenthaler, Dertour Produktleiter für Griechenland. In 2012 habe Dertour im Vergleich zu 2011 bei Griechenlandreisen ein Minus verbucht. In allen vorangegangenen Jahren seien die Buchungszahlen stetig gestiegen. Die Preise seien stabil. Dieses Jahr rechnet Münzenthaler wieder mit einem Buchungsplus - es sei denn Griechenland werde in dieser Saison erneut von einer Streikwelle erfasst. Dann könnten die zuversichtlichen Erwartungen noch länger unerfüllt bleiben. (dpa/tmn)