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„Kunst im Fluss“: In Schleiden geht die Kunst baden

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Recyceltes aus Metall wurde zum Kunstwerk, und das Sofa im Bach dahinter kontrastierte seltsam mit dem umgebenden Wasser und dem Schlosspanorama.  Foto: Franz-Albert Heinen
Die Aktion „Kunst im Fluss“ hat nach 15 Jahren Pause in Schleiden eine Neuauflage erfahren. Für Aufsehen sorgte dabei eine Installation mit einem Sofa auf dem Bach vor der Postkarten-Kulisse des Schlosses.  Von
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Ein Sofa auf dem Bach vor der Postkasten-Kulisse des Schlosses: Auch das war eine der Installationen der Aktion „Kunst im Fluss 2013“, die die Künstlerin MAF Räderscheidt in atemberaubender Geschwindigkeit in nur wenigen Wochen Vorbereitung ins Städtchen holen konnte.

In dem Fall war es der Schleidener Foto-Künstler Jörg Strawe, der die überraschende Konstellation vom Wohnzimmer auf dem Bach mit spiegelndem Wasser und historischem Gemäuer dahinter in Szene setzte.

Fischer protestierten gegen Kunstwerk

Gestern wurde die Kunstaktion, in Anwesenheit der meisten Künstler und zahlreicher Kunstinteressierter zwischen den diversen Brücken der Stadt eröffnet. Karla Götze scheiterte allerdings mit ihrer geplanten Installation „Riff“ am Widerspruch der Fischer, die ihre angestammten Fischgründe verteidigten. So sah man Götze gestern selbst als Gesamtkunstwerk mit Sandeimerchen und Ganzkörper-Taucheranzug bei der Eröffnung unter den Besuchern.

Anlässlich seiner Eröffnungsansprache erinnerte Bürgermeister Udo Meister daran, dass bereits vor 15 Jahren der Künstler Peter Hundeck zum Begründer der Schleidener Kunstaktion im Fluss war. In den 1990er Jahren sei Schleiden zu so etwas wie „Art City“ geworden. Die jetzige Neuauflage sei auch als Hommage an Hundeck, den 2011 verstorbenen Begründer von Kunst im Fluss zu verstehen.

„Wer MAF kennt, weiß, dass es schwierig ist, sich ihrer Aufforderung zu entziehen“
Bürgermeister Udo Meister

Dass die Ausstellung überhaupt zustande gekommen sei, sei nahezu ausschließlich das Verdienst Räderscheidts, die dank ihres hervorragenden Rufes weit über die Kreisgrenze hinaus die Künstler nach Schleiden gelockt habe. Meister: „Wer MAF kennt, weiß, dass es schwierig ist, sich ihrer Aufforderung zu entziehen.“

Gerade das Wasser, so der Bürgermeister, biete viele Ansatzpunkte, um sich damit künstlerisch auseinanderzusetzen. So würden um die Ressource Wasser Kriege geführt, aber man könne damit auch Brände löschen. In Schleiden habe der Fluss noch eine zusätzliche Funktion als Kunstraum, der die Kulisse biete für die völlig unterschiedlichen Kunstwerke der von Räderscheidt zusammengetrommelten rheinischen Künstlergilde. Auch die Künstler selbst sind sehr unterschiedlich aufgestellt.

Konnte ihre Installation „Riff“ wegen Protesten der örtlichen Fischer nicht umsetzen: Künstlerin Karla Götze. Foto: Franz-Albert Heinen

Da gibt es welche, wie Thomas Baumgärtel etwa, um einige exemplarisch zu nennen, die längst etabliert sind und ihren festen Platz in der Szene errungen haben. Aber es sind auch andere darunter, wie einige der jungen Wilden, die Räderscheidt in ihrem Schleidener „Kulturschock“ versammelt hat, die vor Ideen nur so sprühen und die zudem das künstlerische Talent mitbringen, Großes zu schaffen. Wer also in diesen Tagen durch die Stadt geht und etwas Neues sieht, sollte sich nicht wundern: Das war ziemlich sicher die Räderscheidt-Truppe.

Auf vielfältige Weise waren auch die Schleidener Schulen eingebunden. So stand neben der Festmuschel, dem neuen Aktionsraum im Sturmiuspark, ein farbenfroher Leuchtturm, den die Schüler geformt hatten, und der den neuen Olefsandstrand passend ergänzt.

Manches erklärte sich von selbst, wie Strawes Sofa vor der Schlosskulisse auf dem Wasser. Anderes lässt – nicht untypisch für Kunst – dem Betrachter weiten Raum zur eigenen Ausdeutung. Christine Santema beispielsweise installierte eiserne Gebilde, deren ehemalige Zweckbestimmung vielleicht zu ahnen war, die jedoch in neuer Komposition, teils verbogen und mit neuer Zweckzuweisung versehen, ziemlich überraschend daherkamen. „Von Eisenmenschen und anderen Wirklichkeiten“, nannte sie das.

„Ist das Kunst oder ist es Strandgut?

Anderes ließ die Betrachter erst einmal zucken: „Ist das Kunst oder ist es Strandgut?“ Gestern jedenfalls war es mehrheitlich Kunst. So etwa ein altes eisernes Fass, das in voller rostiger Schönheit vor dem Maibaum teils im Wasser, teil scheinbar angestrandet platziert war. Dem morbiden Charme auch dieses Zeugnisses ehemaligen menschlichen Schaffens in der Wegwerfgesellschaft konnte man sich aber kaum entziehen.

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Wieder anderes kam noch spartanischer daher, wie etwa ein in den Fluss gerammter stabiler, aber geknickter Doppel-T-Eisenträger aus einem ehemaligen Westwallbunker von Thomas Kleevisch. Jetzt stört das gewaltsam verbogene Eisenteil den natürlichen Fluss des Baches. Martin Kätelhön hatte den Bach buchstäblich vergoldet. Robin Hoffmann projizierte eine Video-Installation zum Thema „Vergänglichkeit – Wandel – Erinnerung. Der Fluss des Lebens“ auf den Pont-L’Abbé-Turm.

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