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1950er Jahre : Petticoat, Pomade und Rock 'n' Roll

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Schwungvolle Tänze zu fetzigen Boogie-Woogie-Rhythmen bot die Gruppe „Hells and Dolls“ aus Pulheim.  Foto: Stephan Everling
Im alten Kino ging eine gelungene Reminiszenz an die Zeit des Wirtschaftswunders über die Bühne. Initiiert hatten den Abend fünf Absolventen des Alfred-Müller-Armack-Berufskollegs für Tourismus und Freizeit.  Von 
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Schleiden-Vogelsang

Schwingende Röcke und coole Jungs bestimmten am Samstagabend das Bild im Kulturkino Vogelsang. Die Fünfziger-Jahre-Revue, die unter dem Motto „Pomade und Petticoat“ stattfand, hatte viele Frauen dazu inspiriert, in den Tiefen ihres Kleiderschrankes nach den Ensembles mit den weißen Punkten oder nach Tulpenröcken zu fahnden und sich mit einer Wasserwelle den rechten Retro-Schliff zu geben.

Dächleinfrisur

Die Männer hatten allerdings meistens darauf verzichtet, ihre Haare mit den altbekannten Mittelchen zu einer Dächleinfrisur zu versteifen und sich allerhöchstens eine Kappe gegönnt, während ein T-Shirt, Leder- oder Jeansjacke das richtige Rock-’n’-Roll-Outfit darstellten.

Initiiert hatten den Abend fünf Absolventen des Alfred-Müller-Armack-Berufskollegs für Tourismus und Freizeit. Der Gedanke, mit einer solchen Veranstaltung ihre Ausbildung zu krönen, war zwei von ihnen gekommen, als sie den Kinosaal aus den 1950er-Jahren gesehen hatten. Dem Ambiente entsprechend entwickelten sie die Retro-Revue. Seit Oktober letzten Jahres hatten sie daran gearbeitet. Dass 600 Zuschauer gekommen waren, machte sie besonders glücklich, wie Julia Reuter und Anne Kremer erzählten, die zu den Organisatoren gehörten.

Revue Vogelsang
Als die Band „The Wild Bobbin’ Baboons“ auf die Bühne kam, gab es für die Zuschauer kein Halten mehr.
Foto: Stephan Everling

Den Auftakt machte die Showtanzgruppe „Hells and Dolls“ aus Pulheim. 14 Mitglieder standen auf der Bühne und schwangen die Beine im charakteristischen Rock-’n’-Roll-Schritt. Die jüngsten Mitglieder der Gruppe sind 13 Jahre alt. Die meisten der Kleider, die die Frauen tragen, sind tatsächlich noch Originale aus der Zeit.

Blasenkatarrh

Revue Vogelsang
Das Glühwürmchentheater aus Keldenich hatte eigens für den Abend ein neues Stück einstudiert.
Foto: Stephan Everling

Moderiert wurde die Veranstaltung von Moni Francis und Buddy Olly, beide aus Süddeutschland, die in einer längeren Sprechnummer an das Jahr 1958 erinnerten und immer wieder Zitate der damals aktuellen Komiker Peter Frankenfeld und Heinz Erhardt einstreuten. Gelungen war auch die Eindeutschung des Songs „Fever“: „Husten, Schnupfen und ’nen Blasenkatarrh, Fieber bis zum Februar“, hieß es da.

Das Keldenicher Glühwürmchentheater hatte extra für den Abend ein Stück einstudiert: „Das Wirtschaftswunder kommt auf“, geschrieben von Ewald Langenohl. Frank Michalski erzählte die Abenteuer der Familie Klinkhammer in den 1950er-Jahren. Mit vielen Reminiszenzen an die Zeit würzte die Gruppe ihr Stück, als es noch viele Aufregungen um den Truppenübungsplatz in Vogelsang und die Vertreibung aus Wollseifen gegeben hatte. Und auch der damals blühende Kaffeeschmuggel und die als verderbt geltende „Bravo“ durften nicht fehlen.

Buttercremetorte

Den Wettbewerb zum besten Kostüm gewann Manuela Ströher aus Gemünd, die sich mit Tulpenrock und Hütchen ganz auf „feine Dame“ gestylt hatte. Sie durfte sich über zwei Karten für die „Bläck Fööss“ freuen, die im Mai in Vogelsang spielen. Eine CD bekam Sven Weisweiler aus Frechen, für Brigitte Rehner aus Mechernich gab es eine Buttercremetorte.
So richtig in Fahrt kam die Veranstaltung allerdings erst, als die Band „The Wild Bobbin’ Baboons“ auf die Bühne kam. Als die ersten Klassiker der Rock-’n’-Roll-Ära erklangen, hielt es die Zuschauer nicht mehr auf ihren Sitzen. „Reißt die Bänke nicht heraus“, ermahnte der Sänger das Publikum, „kommt lieber her und tanzt.“ Und dieser Aufforderung folgten die vielen Besucher nur zu gern.

AUTOR
Stephan Everling
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